Supersonic Blues Machine: Californisoul

Supersonic Blues Machine: Californisoul

Provogue / Mascot Label Group / Rough Trade

VÖ: 20.10.2017

 

Wertung: 8/12

 

Die drei Herren von Supersonic Blues Machine sind schon dem Wahnsinn nahe. Es gehört schon sehr viel dazu ein Album wie „Californisoul“ in der heutigen Zeit überhaupt zu veröffentlichen. Nichts, aber auch gar nichts auf diesem Album passt in das Jahr 2017. Das ist übrigens ausdrücklich als Kompliment zu verstehen! Man muss schon die Musik sehr lieben um eine solche Platte aufzunehmen. Lance Lopez (Gitarre, Gesang, Songwriting), Fabrizio Grossi (Bass, Produktion, Songwriting) und Kenny Aronoff (Schlagzeug) knallen einem da ein Ding vor die Füße, als wäre die Zeit in den 70ern stehengeblieben. “Californisoul ist der Soundtrack eines Roadtrips von Los Angeles nach San Francisco im Jahr 1971!” sagt Fabrizio Grossi über dieses Album. Damit ist dann eigentlich auch alles gesagt, denn das trifft den Nagel auf den Kopf.

 

Die Songs machen derart Laune, dass man auf der Stelle diesen Roadtrip antreten möchte. Rock, Blues und Soul sind die Grundfesten, auf denen Supersonic Blues Machine ihre Songs erbauen. Ordentlich WahWah, Backgroundchöre – alles da. Und jede Menge Gäste. Billy Gibbons („Broken Heart“), Steve Lukather (Toto) Eric Gales („Elevate“) und Robben Ford („What’s Wrong“) sind als Gäste dabei. Ausgerechnet „Elevate“ mit Gales klingt etwas einfallslos und wäre verzichtbar gewesen. So eine lässige groovende Nummer wie „The One“ mit jaulender Gitarre und ganz viel Soul wäre es nicht. Übrigens fängt das Album mit „I Am Done Missing You“ höchst interessant an. Zunächst wähnt man sich irgendwo in den Sümpfen bei einem Voodoo-Priester, dann jault die Mundharmonika und plötzlich findet man sich beim Reggae wieder. Natürlich geht das auch wieder zurück.

 

„Somebody´s Soul“ mit Robben Ford stampft sich wunderbar durch die Wüste. So wie es ZZ Top machen würden. Das gilt natürlich auch für „Broken Heart“, bei dem Billy Gibbons seinen Signatursound von der Leine lassen darf. Stoner Rock? Auch! Natürlich hat man so ein Ding wie „Bad Boys“ schon von zig anderen Kapellen gehört, aber macht es das schlechter? Nein! „Hard Times“ wird von Lukather veredelt. Der Song geht ja auch auf die acht Minuten zu und da ist sowieso sehr viel Platz. Für einen überragenden Refrain beispielsweise. Oder für ein amtliches Solo. Für scheppernde Drums. Für viele ruhige Momente. Und für einen Soulchor. „Cry“ ist ein Oldschool-Ballade einer Rockband. Nicht die kitschige Sorte, sondern die musikalisch ausgefeilte. „Stranger“ ist so eine Sache. Dieser Bon Jovi-Moment ist schon schwer erträglich. Dann lugt die Band aber auch noch beim Funk vorbei. Geile Sache. Wenn mal so will, dann wird „What´s Wrong“ mit Walter Trout dem Blues im Bandnamen gerecht. „Thank You“ legt noch mal ein paar Briketts und (unpassende) Bläser drauf. „This Is Love“ beendet das Album wie es begonnen hat: mit einigen Reggae-Elementen. Zu Beginn war das aber aufregend, hier klingt das eher abgenutzt.

 

Fazit: Supersonic Blues Machine haben mit „Californisoul“ ein Oldschool-Album aufgenommen. Rock, Soul, Blues wie aus der guten, alten Zeit. Ein nostalgischer Trip, der einem zeigt, was Musik mal bedeutete. Den Bandmitgliedern hörbar eine ganze Menge. Das haut nicht vollends hin, aber was macht das schon? Das Album macht in erster Linie nämlich verdammt viel Spaß und groovt zudem wie Sau! Das Covermotiv wird der Musik vollends gerecht. Punkt.

 

http://supersonicblues.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch