Steve Perry: Traces

Steve Perry: Traces

Universal

VÖ: 05.10.2018

 

Wertung: 6/12

 

Lange hat er sich Zeit gelassen, der gute Steve Perry. Die Stimme von Journey hat zuletzt vor 25 Jahren ein Soloalbum veröffentlicht. Jetzt legt er mit „Traces“ dann endlich mal neue Songs vor. Perry gibt freimütig zu, dass er sich für eine lange Zeit von der Musik entfernt hatte und eigentlich schon dachte, dass er damit für immer abgeschlossen hätte. In den 90ern war er derart ausgebrannt, dass er dem ganzen Geschäft einfach fortan fern blieb. Er schwor seiner Freundin Kellie Nash auf dem Totenbett, dass er sich nicht mehr so isolieren wird und so fand er wieder zurück zur Musik. Er holte Co-Produzent und Toningenieur Thom Flowers mit ins Boot und dann machten sich die beiden im eigenen Studio in Kalifornien an die Arbeit.

 

„Traces“ steht natürlich unter dem Eindruck, dass Perry seine Partnerin genommen wurde. Das Album ist somit eine große Ansammlung von Jammerballaden. Das Songwriting ist nicht besonders spannend und gut. „Most Of All“ ist der pure Kitsch und erinnert eher an Michael Bolton. Das ganz dezente Gitarrensolo ist noch nett, aber reißt auch keine Bäume aus. „We´re Still Here“ war zuvor noch eine Ballade, die halbwegs in Ordnung geht. Natürlich ist das ein Traueralbum, aber leider eben auch ein extrem ödes. Dabei fing das mit „No Erasin´“ noch recht schmissig an und da stellte sich sogar ein gewisses Journey-Feeling ein. Die Stimme ist mittlerweile etwas kratziger geworden und die Höhen schafft Perry auch nicht mehr mit dieser Leichtigkeit, die seinen Gesang einst auszeichnete. Der Mann geht ja auch stramm auf die 70 zu und da ist das nur allzu verständlich.

 

„In The Rain“ ist ein etwas feierlicher Balladenansatz. Entfernt erinnert das ein bisschen an Gospelmusik. „Sun Shines Gray“ ist endlich mal ein Wachmacher. Geht doch! Die Nummer rockt zwar nicht alles in Grund und Boden, geht aber nach vorne. Das Stück ist bombastisch aufgeblasen, strahlt aber unter all dem ganzen Schmalz dann doch ganz hell und sticht heraus. „You Belong To Me“ ist eine weitere Ballade, die musikalisch kaum etwas zu bieten hat. Es plätschert und plätschert. Lediglich die Stimme von Perry sorgt dafür, dass es nicht komplett in der Kitschhölle stecken bleibt. „Easy To Love“ und „I Need You“ sind leider ganz ähnlich ausgefallen. Abwechslung ist auf „Traces“ ein Fremdwort. „We Fly“ ist ganz zum Schluss dann aber die Krönung aller Balladen.

 

Fazit: Auf „Traces“ verarbeitet Steve Perry den Verlust seiner Partnerin in einer Balladensammlung. Es sind sehr persönliche und emotionale Songs geworden. Leider kann das Songwriting der Thematik nicht gerecht werden, da das größtenteils sehr langweilig ist. Das plätschert alles unglaublich kitschig dahin. Die Stimme hat zwar einen hohen Wiedererkennungswert, vermag es aber nicht, die Songs alleine zu tragen. Dafür ist die Instrumentierung auch einfach zu einfallslos. Wer Journey immer mochte, sollte trotzdem mal reinhören.

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch