Single Celled Organism: Splinter In The Eye

Single Celled Organism: Splinter In The Eye

Afraid Of Sunlight Records/Cargo Records

VÖ: 20.10.2017

 

Wertung: 8/12

 

Der Name Jens Lueck dürfte Mainstream-Musikhörern kaum ein Begriff sein. Wer sich allerdings mit Progressive Rock oder Art Rock beschäftigt – vielleicht sogar in der Sparte Krautrock tummelt – wird den Namen vermutlich auf dem Schirm haben. Der Mann, der mit Genesis und Pink Floyd aufwuchs, hat ein Faible für ausufernde Geschichten und Songaufbauten. Lueck ist Musiker, Komponist und Produzent. Er hat sich auch schon in der Weltmusik getummelt, mit elektronischer Musik experimentiert und an Soundtracks gearbeitet. Wichtig war stets, dass die Musik atmosphärisch sehr dicht war und ist. Dies ist nun auch auf „Splinter In The Eye“ nicht anders.

 

Wie kam es nun zu dem neuerlichen Monolith? Seine Tochter teilte ihm vor zwei Jahren per SMS mit, wie großartig doch „Fear Of A Blank Planet“ von Porcupine Tree wäre. Lueck hatte wieder Blut geleckt und machte sich an die ersten Entwürfe für das vorliegende Album. Steven Wilson – der Mann hinter Porcupine Tree – hat in den letzten Jahren ja quasi im Alleingang dafür gesorgt, dass progressive Musik wieder salonfähig wird. Und dabei hat er so ziemlich alle Sparten ausgelotet – von harten bis zu elektronischen Klängen. Von seinen Arbeiten für beispielsweise Jethro Tull ganz zu schweigen. Lueck dürfte da schon mehr als nur mit einem Ohr hingehört haben. „Splinter In The Eye“ ist jedenfalls sehr ambitioniert.

 

„The Virus“ war das erste Stück, welches der Mann für das Album entwickelte. Seine Partnerin, die Sängerin Isgaard, ist auch wieder dabei. Die beiden sind ja auch ein eingespieltes Team, immerhin haben sie seit 2003 sieben(!) gemeinsame Alben aufgenommen! Zur weiteren Umsetzung holte er sich eine vertraute Mannschaft in sein progressives Boot. Jan Petersen, Ingo Salzmann, Katja Flintsch und Annika Stolze haben Lueck schon bei einer Vielzahl seiner Projekte unterstützt. „Splinter In The Eye“ ist ein – im weitesten Sinne – Gitarrenalbum. Natürlich gibt es auch Keyboards, Violine, Viola oder ein Cello zu hören.

 

Die Songs schweben teilweise sphärisch dahin, wie beim Auftakt „Prologue (The Mark Of Cain)“. Der Übergang in „Growing Up“ - anhand der Titel dürfte klar sein, dass hier eine (futuristische) Geschichte erzählt wird – ist nahtlos. Da wird ein Bogen von Pink Floyd zu Yes gesponnen. Da die Songs teilweise sehr lang sind, wird natürlich auch mehrfach das Tempo und die Stimmung gewechselt. Von schnell zu langsam, von aufbrausend zu ruhig. Der Mittelteil von „Growing Up“ könnte sogar eine Mischung aus Pink Floyd und Jethro Tull sein, da dies auch folkig anmutet – nicht vordergründig, aber immerhin. Dann hebt der Song wieder ab und verändert erneut sein Tempo. „TV-Show“ hat eine schöne Gesangslinie und ist sehr melodiös. „Flying Home“ erinnert an einen Filmscore, der Gesang ist abermals sehr schön. Dafür braucht es nicht mal viel Kraft und Lautstärke.

 

„Files In My Head“ hingegen ist der Klassik nicht unähnlich – sowohl in der Art der Gesangsführung, aber auch im Hinblick auf die musikalische Umsetzung. Besonders das Keyboard, gespielt von Lueck, geht schon sehr stark in eine klassische Richtung. „I Can´t Feel“ ist eine melancholische Ballade, während „The Call“ als eine Art düsteres Verbindungsglied fungiert. Pink Floyd dürften da eindeutig als Inspiration hergehalten haben. „The Virus“ hingegen hat auch mal ein paar härtere Passagen zu bieten. „Splinter In The Eye“ ist endgültig in der progressiven Musikwelt angekommen. Auch hier wird erneut mit verschiedenen Stimmungen und Temposchwankungen gespielt. Es wird dramatisch. „I See You ( The Regret)“ schleicht sich auf leisen Sohlen an, wird dann aber immer theatralischer. Der Abschied naht - der Geschichte und somit auch des Albums. „Epilogue (Her Poem)“ lässt das Album etwas ziellos entschweben. Oder anders gesagt: hier fehlt die zündende Abschlussidee und so ist das etwas langatmig.

 

Fazit: Single Celled Organism ist vermutlich jedem schon mal im Biologieunterricht begegnet. Lebewesen, die aus nur einer Zelle bestehen, sind aber auch spannend. So hat Jens Lueck nun sein Projekt für das Album „Splinter In The Eye“ benannt. Ein progressives und sehr melodieverliebtes Werk. Ein ambitioniertes zudem. Augen schließen, genießen und abheben!

 

Text: Torsten Schlimbach

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