Sepalot: Seek (Vinyl)

Sepalot: Seek (Vinyl)

Eskapaden/Soulfood

VÖ: 27.10.2017

 

Wertung: 8,5/12

 

In Zeiten von einzelnen Tracks, die das Netz überfluten, hat Sepalot für das Jahr 2017 ein richtiges musikalisches Konzept auf die Beine gestellt und in die Tat umgesetzt. Der Mann liebt und lebt eben die Musik, denn immerhin war er auch an dem aktuellen Album der Beatsteaks nicht unwesentlich beteiligt. Er hat trotzdem die Zeit gefunden „Hide & Seek“ vollständig auszuarbeiten – und zwar ohne dabei künstlerisch auf der Stelle zu treten oder gar in die Belanglosigkeit abzudriften. „Hide &“ ist ja schon aus der ersten Jahreshälfte bekannt, jetzt wird „Seek“ veröffentlicht und vervollständigt nun die musikalische Reise.

 

Eine Anschaffung der Vinyl-Version ist auf jeden Fall lohnenswert. Das Covermotiv entfaltet in diesem Format eine ganz andere Wirkung als mit dem CD-Pendant. Über digitale Booklets brauchen wir uns da gleich gar nicht unterhalten. „Seek“ beinhaltet verschiedenen Kunstformen und dies schließt eben auch die Gestaltung mit ein. Die Platte macht auch einen wertigen Eindruck. Die Nadel läuft sehr ruhig in der Rille. Verformungen sind keine vorhanden. Warum das wiederum erwähnenswert ist? Sepalot verfügt ja nicht unbedingt über einen großen Major im Rücken, die wiederum ihrerseits die Presswerke mittlerweile wieder mit deren Veröffentlichungen bis zum Anschlag ausreizen. Folglich muss sich ein Künstler mit geringerem Budget hinten anstellen. Das Presswerk hat im Falle von „Seek“ jedenfalls sehr ordentliche Arbeit erledigt. Ein Free Download Code liegt selbstverständlich bei.

 

„I Kiss Goodbye“ ist nicht nur ein unglaublich lässiger Track, das Knarzen und Knacken kommt sogar dem Vinyl-Format zugute. Das Album ist insgesamt sehr abwechslungsreich und bildet eine ganz große Bandbreite der elektronischen Musik ab. Mit „Konzentrat“ wird ein unsichtbarer Faden zwischen der Moderne und der Vergangenheit gesponnen. Zwischen Electro und Jazz. Wer da zunächst „Bitches Brew“ von Miles Davis im Ohr hat, liegt sicherlich nicht so falsch. Diese sehnsuchtsvolle Trompete passt perfekt zur Jahreszeit und Stimmung. Der warme Sound bettet einen sowieso wie in eine warme Decke ein. Die Loops und Wiederholungen von „I Can Be That“ zeigen, dass elektronische Musik auch im Jahre 2017 durchaus chillig und tanzbar zugleich sein kann.

 

„Throw A Stone“ hat die wundervolle Miss Platnum am Start. Durch den Gesang kriegt das Stück eine verträumte Richtung mit auf diese Reise. Ein großartiger Song. „Ching Chung“ baut anschließend auf zu vielen Wiederholungen auf und ist nur leidlich spannend – nervt sogar. „Tear It Down“ ist Clubmusik wie sie im Jahresbuch steht. „So Down“ - mit einem Feature von Angela Aux - holt einen wieder runter – sehr chillig, ein Stückchen sogar verträumt, aber trotzdem tanzbar. Sepalot spielt so in einer eigenen Liga, da er es schafft das Stück auch mit einer warmen Atmosphäre auszustatten. „Metro“ mäandert dafür auf einem einzigen Thema durch fast fünfeinhalb Minuten. Langweilt. Mit „I Kiss Goodbye“ folgt ein weiterer Track mit Gesang. Das erinnert an eine Mischung aus Dido und Katie Melua - aufgepeppt mit elektronischen Klängen. „Sonnig“ lädt einen noch mal in den Club ein. Dichte Rauchschwaden und sphärische Klänge inklusive. Abheben ist angesagt. „Keep It“ plätschert zum Schluss leider etwas dahin. Schade!

 

Fazit: „Hide & Seek“ von Sepalot liegt nun in Gänze vor. Es stellt sich gar nicht die Frage, welches Album nun besser ist, denn das wurde ja als Gesamtkonzept angelegt. „Seek“ hat sehr viele gute bis sehr gute Momente. Sepalot schafft es, dass seine Vision von elektronischer Musik modern, aber nicht klinisch klingt. Hin und wieder wirft er auch einen Blick zurück in die musikalische Vergangenheit. „Seek“ hat zwar auch ein paar Längen, aber das ist aufgrund der restlichen Momente durchaus sehr gut zu verkraften.

 

http://www.sepalot.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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