Selah Sue: dito

Selah Sue: dito

Warner

VÖ: 24.06.2011

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Eine 22-järhige Belgierin ist momentan bei unseren Nachbarn in aller Munde. Sanne Putseys enterte mit ihrem Debütalbum aber nicht nur in ihrer Heimat die Charsspitze, sondern konnte auch in Frankreich den Platz an der Sonne ergattern. Guckt man sich an, wer die Dame alles protegiert, dann wird schnell klar, dass man es nicht mit einem neuen Popplastikpüppchen zu tun hat, sondern tatsächlich mehr dahinter steckt. Den Ritterschlag erhielt die Künstlerin sicher, als ihr kein Geringerer wie Prince den Support-Slot für sein Konzert in Antwerpen angeboten hat.

 

„Selah Sue“ ist gar nicht so sehr auf einen Stil festgelegt. Eigentlich müsste das Album ziemlich zerschossen wirken, denn von Pop über Reggae bis hin zum astreinen Singer/Songwriter-Genre ist unter den zwölf Songs fast alles dabei. Trotzdem hat man während der 46 Minuten nie das Gefühl, dass sich die junge Künstlerin zwischen alle Stühle setzt. Zusammengehalten wird das alles durch den speziellen Gesangsstil, der zwischen kindlichem Sprechgesang und der Größe einer Dusty Springfield rangiert. Parallelen zu Duffy sind gar offensichtlich.

 

Mit dem langsamen und düsteren Opener „This World“ wurde genau der richtig Einstieg gewählt. Man ist von dieser atmosphärischen Dichte direkt gefangen. „Peace Of Mind“ legt anschließend noch eine Spur Reggae drüber. Der Refrain sorgt dafür, dass dieses Stück auch im Popformatradio funktioniert. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn eigentlich ist das Stück viel zu ausgefeilt für den Mainstream. „Raggamuffin“ brachte die Karriere ja erst so richtig ins Rollen. Auch das spielt wieder geschickt mit Versatzstücken, was der Titel ja auch schon suggeriert. Allerdings hätte man auch nicht unbedingt damit gerechnet, dass Soul, HipHop und Singer/Songwriter in einem Song verbraten werden können. Geht nicht? Bei Selah Sue eben schon! „Crazy Vibe“ fischt zwar in ähnlichen Gewässern, ist aber leider auch nur leidlich spannend.

 

Keine Sorge, die Scheibe verfällt jetzt aber nicht in die Langeweile. Dafür sorgt schon der Popkracher „Black Part Love“. Wenn es etwas wie einen gemeinsamen Nenner aller Songs gibt, dann dürfte es die Tatsache sein, dass man hier überall die Elemente einer Liedermacherin findet. Bei „Mommy“ lässt sie dann auch fast komplett die Hosen runter. Dezent und sanft halten sich die Instrumente im Hintergrund, während Sanne Putseys ihre stimmlichen Qualitäten herzzerreißend in den Vordergrund stellt. „Explanations“ führt das Akustikgewand weiter fort, bevor es mit „Please“ die nächste Überraschung gibt. Nein, das Mitwirken von Cee-Lo Green ist nicht gemeint. Mittlerweile scheint ja keine Platte mehr ohne sein Dazutun auszukommen. Es ist die Mischung zwischen James Bond Theme und The Cure Düsternis, die diese Nummer zu etwas ganz Besonderem macht. Zudem klappt das Zusammenspiel der beiden Stimmen ganz vorzüglich und Cee-Lo Green darf hier auch mal zeigen, dass er singen kann. Seine Hibbeligkeit hat er dabei komplett vor der Tür gelassen. Dieser Song ist der zentrale Fixpunkt der Platte!

 

Ein kluger Schachzug, danach mit einem weiteren akustischen Stück um die Ecke zu kommen. Das melancholische „Summertime“ war aber auch nötig, denn mit „Crazy Sufferin Style“ geht es zurück auf die Tanzfläche. Und wenn es schon Pop sein muss, dann aber bitte auch so wie bei „Fyah Fyah“. Da ist zudem noch eine gehörige Portion Funk, Soul und Gospel dabei. Dieses Album ist einfach wie eine Wundertüte. „Just Because I Do“ ist zum Schluss mehr Collage denn ein Song. Das Album folgt eben keinem Strickmuster!

 

Fazit: Es ist kein Wunder, dass die junge Belgierin Selah Sue in ihrer Heimat derart abräumen und schließlich auch noch Frankreich erobern konnte. Dieses Album schafft es spielerisch viele Stile unter einen Hut zu bringen, dabei aber immer homogen und spannend zu klingen. Die Künstlerin baut ihre Songs immer auf einem Singer/Songwriter-Fundament auf. Die markante Stimme steht dabei meist im Vordergrund, was allerdings nicht bedeutet, dass hier musikalisch nichts passiert. Dieses Album kann man immer wieder neu entdecken!

 

http://www.selahsue.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch