Sebel: Wie Deutsch kann Man Sein

Sebel: Wie Deutsch kann Man Sein

BMG

VÖ: 24.08.2012

 

Wertung: 8/12

 

Nach dem Testballon mit der EP kommt der gute Sebel nun mit „Wie Deutsch kann Man Sein“ auch mit einem kompletten Longplayer um die Ecke. Das ist gut, sehr gut sogar! Der sympathische Ruhrpottproll kommt auch genau zur richtigen Zeit um den ganzen verträumten Jüngelchen mal ordentlich in den Arsch zu treten. Nein, Sebel trägt ganz sicher keinen Schal, Sebel kommt auch nicht mit verklausulierten Botschaften um die Ecke. Sebel springt einem mit seiner Musik und seinen Texten direkt in die Fresse, da bleiben keine Fragen offen.

 

Mit seinem Album „Wie Deutsch kann Man Sein“ stellt er dies nun unter Beweis. Sebel ist Pottpoet und Pottprolet zugleich. „Tag am Meer“, „Heimat“ oder „Es war Liebe“ sind Balladen, da braucht man sich nichts vormachen. Allerdings singt Sebel die mit seinem ureigenen Charme und der Schmutz und Dreck des Ruhrgebiets wird schon alleine durch seine Kratzbürstigkeit auch bei diesen Stücken transportiert. Und auch hier haben seine Texte wohl stark autobiografische Züge. Sebel schreibt seine Songs ja aufgrund seiner Alltagsbeobachtungen – meist allerdings erst einen Monat später. Das Zeug sacken lassen und dann geht es in die Vollen.

 

Natürlich sind die Songs der EP hier auch enthalten, klar. Gut abgehangener Rock and Roll, der nicht nur Ruhrpottcharme versprüht, sondern auch knietief im amerikanischen Musikbecken zu finden ist. Das rollt, das groovt, ist funky und teilweise ein Brett. „Engel“ bollert gleich voll in die Platte rein. Natürlich nimmt der gute Sebel kein Blatt vor den Mund. „Rock n Roll Leben“ prescht ebenfalls wunderbar durch die Prärie und nimmt das Leben des Rockstars unter die Lupe. Hier wird derart in die Tasten gehauen, dass die einem glatt um die Ohren fliegen.

 

Fazit: „Sebel will dich“, also Dich, mich, uns alle! Auf der Strecke bleiben dabei allerdings all jene, die nicht auf eine klare und direkte Sprache stehen. Es gibt aber ja schon genug von diesen geleckten deutschsprachigen Singer/Songwritern, die kurz vor der Weltrettung noch ein Brot mit Schokoladenaufstrich als Trösterchen essen um dann mit einem Schal gegen diese schlimme Welt zu jammern. Sebel bedeutet Spaß, die kritischen Untertöne fehlen aber keineswegs. Sebel tut der deutschen Musiklandschaft einfach unglaublich gut!

 

http://www.sebelvandernijhoff.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

Sebel: Scheiss auf die Disco (EP)

Sebel: Scheiss auf die Disco (EP)

Creative Talent/Rough Trade

VÖ: 25.05.2012

 

Da ist er, der Sebel! Mit seiner EP „Scheiss auf die Disco“ dürfte ihm zumindest aufgrund der Songtitel ein bisschen Aufmerksamkeit zuteil werden. Bei den coolen Jungs auf den Schulhöfen wird er damit auch ganz sicher ins Schwarze treffen. Der sympathische Sebel macht mit seiner Musik aber auch ordentlich Betrieb auf der Spaßskala und verpackt seine Gesellschaftskritik in zünftige Popstücke.

 

Früher – also in den 80ern – nannte man das mal Funpunk. Der Titeltrack „Scheiss auf die Disco“ hat aber auch einen Refrain im Gepäck, der sämtliche Ohrwürmer der letzten Monate alt aussehen lässt. Die Aussage des Songs ist natürlich vollkommen richtig, sofern man nicht bei elektronischen Musik ein Lächeln im Gesicht hat. „Wer soll das alles Ficken!?“ ist natürlich schon aufgrund des Titels ein Hingucker. Ein Hinhörer sicher auch und für pubertierende Jungs wird das der neue Schlachtruf werden. Die kritischen Töne gehen dabei aber auch ganz schnell unter. Die deutsche Gründlichkeit kriegt mit dem schmissigen „Wie Deutsch kann man Sein!?“ auch noch mal ordentlich einen mit und die „B-Prominenz“ ihr Fett weg. Die akustische Liveversion von „Scheiss auf die Disco“ hier unterzubringen vermittelt einen guten Eindruck von den Bühnenqualitäten.

 

Fazit: „Scheiss auf die Disco“ von Sebel ist als erstes musikalisches Lebenszeichen gleich ein dickes Ausrufezeichen. Mit Claus Grabbke im Rücken und einem Fürsprecher wie Stoppok ist die Starthilfe auch nicht von ganz schlechten Eltern. Bleibt zu hoffen, dass die oftmals kritischen Untertöne nicht missverstanden werden und vor lauter Spaß untergehen.

 

http://www.sebelvandernijhoff.de/

http://www.myvideo.de/watch/8553266/SEBEL_Wie_deutsch_kann_man_sein

 

Text: Torsten Schlimbach

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