Seasick Steve: Walkin´ Man – The Best Of

Seasick Steve: Walkin´ Man – The Best Of

Rhino/Warner

VÖ: 25.11.2011

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Ausnahmsweise muss die Rezension mal kurz mit einem Blick auf ein Label beginnen. Die lieben Menschen von Rhino zeichnen sich seit Jahren durch Geschmackssicherheit aus, wie kaum eine andere Firma im Musikgeschäft. Sobald deren Banner auf einer Platte klebt, kann man eigentlich blind zugreifen und wird nicht enttäuscht werden. Zumindest trifft dies auf all jene zu, die auf handgemachte und erdige Musik abfahren. Jetzt ist mal wieder ein solcher Festtag gekommen, denn mit der „Best Of“ Zusammenstellung von Seasick Steve wird wieder ein ganz besonderes musikalisches Schätzchen unter die Leute gebracht.

 

Natürlich ist das jetzt keine schnöde Aneinanderreihung von Hits. Hits hat Seasick Steve nämlich noch nie aufgenommen. Oder kann sich noch irgendwer an die Dauerrotation seiner Songs im Radio erinnern? Bei Seasick Steve ist sowieso alles etwas anders. Der Mann hat nämlich seinen Durchbruch – sofern man das so nennen mag – erst im Rentenalter erlebt. Sein Auftritt bei Jools Holland machte ihn dann bei einem größeren Publikum bekannt – da zählte der Mann immerhin schon 60 Lenze! Danach fand er sich sogar in den Top Ten der britischen Charts wieder. Man könnte ja meinen, dass sich dies alles vor grauer Vorzeit zugetragen hätte, dem ist aber nicht so! Man schrieb nämlich das Jahr 2006! Seit 2004 hat er fünf Alben veröffentlicht, die nun auch alle auf „Walkin´ Man“ zu Ehren kommen.

 

Hört man der Musik von Seasick Steve zu, dann dürfte klar sein, dass der Mann sich schon so manches Staubkorn von der Joppe gekloppt und den Dreck der Straße gefressen hat. Bis zu den Knien steht er sowieso in den Sümpfen. Wie ein Blues- und Voodoobeschwörer feuert er seine messerscharfen Songs ab. Ist ja auch kein Wunder, denn der Mann kennt die Schattenseiten des Lebens und diese verarbeitet er durch seine Songs. Er lebte als Hobo und musste sich mit Gelegenheitsarbeiten seine Mahlzeiten verdienen. Das alles spiegelt sich in seiner Musik wieder.

 

21 Songs gibt es auf der vorliegenden Compilation auf die Ohren. Wer seine musikalische Präferenz auf den Blues legt, wird bestens bedient werden. Es mag viele Künstler geben, die sich diesem Genre verschrieben haben, aber Seasick Steve können sie nicht das Wasser reichen. Erdiger, roher und ehrlicher kann man nämlich nicht spielen wie eben Seasick Steve. Dazu reicht manchmal nur die Gitarre und die schneidende Stimme. „Dog House Boogie“ zählt da immer noch zum Besten, was man auf dieser Spielwiese in den letzten Jahren auf die Ohren bekommen hat. Er variiert diesen Stil aber ganz geschickt und so hört sich „Cheap“ beispielsweise an, als hätte er das Ding in der Garage von Tom Waits zwischen all den Öl-Kännchen eingezimmert.

 

Der Mann erfährt ja aus allen möglichen Lagern höchste Anerkennung. So hat nicht nur die Radautruppe Grinderman von Nick Cave schon im Studio vorbeigeschaut, sondern auch Ruby Turner und KT Tunstall, die „Happy Man“ zu einem schwülen Sümpfezauber werden lassen. Es kommt ja auch nicht von ungefähr, dass er auch in den Alternativ-Kreisen mittlerweile sehr geachtet wird. Ein leiser Song wie „Treasures“ geht richtiggehend unter die Haut. Wie Seasick Steve mit brüchiger Stimme zur Akustikgitarre sein Leid klagt berührt einen ganz tief drinnen. Eine gewisse Sehnsucht schwingt immer in seiner Musik mit – selbst beim „The Banjo Song“. Musik als Therapie! Wenn das Album mit „Dark“ nach 21 Songs zum letzten Tanz auf der Rasierklinge bittet, ist man regelrecht mitgenommen. Dies ist Musik mit unheimlich viel Tiefe – ist selten geworden!

 

Fazit: Wer von Seasick Steve noch nichts im Schrank stehen hat, kriegt mit „Walkin´ Man – The Best Of“ nun eine erstklassige Werkschau geboten. Der Mann frönt dem Blues in seiner Ursprungsform und verarbeitet darin seine traumatischen Erlebnisse der Vergangenheit. Roher und authentischer kann Musik nicht sein. Es mag viele geben, die einen technisch sauberen Blues spielen können – das hier hat aber ganz viel Seele und das ist eben die berühmte Ausnahme!

 

http://seasicksteve.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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