Schraubenyeti & Das Mammut: heute.gestern

Schraubenyeti & Das Mammut: heute.gestern

Kick The Flame

VÖ: 12.10.2018

 

Wertung: 8/12

 

Mal ehrlich, wie kann man nur auf den Künstlernamen Schraubenyeti kommen, wenn man irgendwie Erfolg im Musikgeschäft haben will?! Das lässt ja eher darauf schließen, dass man es hier mit einem Vertreter der Spaßfraktion zu tun hat, der eher im Comedy-Fach beheimatet ist. Martin Lischke, der Mann hinter dem Namen, ist gelernter Maschinenbauer, schraubt in seiner Freizeit gerne an alten Motorrädern und hat, laut seinen Freunden, ungewöhnlich viele Haare an den Füßen. Diese Freunde verpassten ihm aufgrund dieser Zusammenhänge dann seinen Spitznamen. Sachen gibt es!

 

Nach seinem Debüt legt er nun ein weiteres Album nach. Das Klavier ist mitunter aber nicht mehr das zentrale Instrument. Er hat eine Band gefunden, die ihn nicht nur live, sondern auch im Studio begleitet. Strom braucht es aber immer noch nicht und mittels Kontrabass, Trommel, verschiedenen Saiteninstrumenten und natürlich dem Klavier kann das immer noch auf jeder Wiese, auf jedem Berg gespielt werden. Der mehrstimmige Satzgesang ist natürlich eine Säule der Songs auf „heute.gestern“.

 

Hört man sich die Songs an – übrigens sechzehn an der Zahl – dann ist das alles andere als eine reine Spaßveranstaltung ohne ernsten Unterbau. Der Folk hat sehr viele nachdenkliche Momente zu bieten. Dies trifft auf die Musik, die mitunter sehr melancholisch ausgefallen ist („Krieger“), aber auch auf die Texte zu. Der Schraubenyeti erinnert bisweilen an eine folkige Variante von Revolverheld. Die fängt bei „Heute Gestern“ an und hört mit „Das Letzte Bier“ noch lange nicht auf. Auch die Texte schlagen da einen ähnlichen Weg ein, da muss man nur mal bei „Von Hier Ab Jetzt“ hören.

 

Die musikalische Umsetzung ist natürlich ganz vorzüglich. Auch die Arrangements sind wirklich gelungen. Das ist regelrecht betörend. Es reiht sich aber auch in die vielen deutschsprachigen Songs, die momentan die Radiostationen fluten, ein. „Aorta Des Wals“ ist im Grunde seines Herzens ein Popsong, nur eben mit anderen Mitteln dargeboten. Das Klavier und die Gitarre sorgen dafür, dass es nicht zu glatt wird. Es geht hin und wieder auch mal etwas schmissiger, wie bei „Jakob bleib“, zu. Dann wird auch der Gesang angriffslustig und kratzig. Mit „Nie Gesagt“ geht es beschwingt weiter und „Als Alles Begann“ erinnert an einen Westernsong. Coole Nummer. Das opulent ausstaffiert „Gar Nicht Mal So Gut“ ist sogar an Mumford & Sons angelehnt. „Nackt Im Kontakt“ holpert wunderbar, bevor mit „Station 4“ zum Schluss noch mal die große Melancholiekeule geschwungen wird.

 

Fazit: Wer handgemachte Musik mit deutschen Texten und einem Folk-Ansatz liebt, sollte unbedingt „heute.gestern“ von Schraubenyeti & Das Mammut antesten. Mitunter findet da der eine oder andere ein neues Lieblingsalbum vor. Die Songs haben eigentlich ein Popfundament – oder wären, je nach Sichtweise, auch für den Popbereich geeignet – schaffen es aber sich davon fernzuhalten. Insgesamt ein überraschendes und gutes Album!

 

http://schraubenyeti.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch