Schiller: Morgenstund (Vinyl)

Schiller: Morgenstund (Vinyl)

Sme Media/Sony

VÖ: 22.03.2019

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Christopher von Deylen hat sich über die Jahre den Ruf erarbeitet, der führende deutsche elektronische Künstler schlechthin zu sein. Als Schiller kann der Mann auf eine weltweite Anhängerschaft bauen, die schon gespannt auf seinen neusten Streich „Morgenstund“ wartet. Der Sound dazu entstand an so unterschiedlichen Orten wie London, Toronto, Berlin und Tehran! Kurioserweise haben die Alpen für das Album ebenso eine Rolle gespielt, wie auch die Täler von Südtirol. Das legendäre Studio "The Farm" in Südengland wurde ebenfalls genutzt. Beachtenswert sind die Gäste auf diesem Album. Kein Geringerer als Musikproduzent und Komponist Giorgio Moroder ist auf „Morgenstund“ vertreten. Mit Nena hat Christopher von Deylen ebenso gearbeitet, wie auch mit Mike Rutherford, Pink-Floyd-Live-Drummer Gary Wallis oder Bassist Doug Wimbish. Zusammen mit den vielen Orten, an denen das Album auf den Weg gebracht wurde, verspricht das ein ganz besonderes Schiller-Werk!

 

Schiller hat hier einen ganz tollen Klangkosmos kreiert. Jeder Track ist im Grunde eine ganz eigene Soundlandschaft und doch ist die Handschrift des Meisters immer hörbar. Und eins muss man dem Mann mal wieder attestieren: romantischer kann elektronische Musik nicht sein! Da liegt die Verbindung zu Nena fast schon auf der Hand. Beim Titelsong ist sie dabei und wandelt auch gesanglich durch eine ganz eigene Traumwelt. Das passt ganz wundervoll zu den schwelgerischen Sounds!

 

Zunächst heißt einen Schiller aber mit futuristischen Sounds „Willkommen“. Danach folgt der sanfte Einstieg in den Klangkosmos, der nicht ohne Grund „Harmonia“ betitelt wurde. Nach und nach tut sich da eine ganze Klangwelt auf. Das schwebt, ist vielleicht sogar ein Stück esoterisch, kann aber wie Balsam für die Seele sein. „Universe“ ist etwas sphärischer, der Gesang verleiht dem Song eine gewisse Popaffinität. „Dreamcatcher“ hat sogar Hitqualitäten. Mit nicht mal vier Minuten ist der Track ja auch wie gemalt für die Radiostationen. Ganz großartig ist das schwebende „Avalanche“. Das tolle an Schiller-Alben ist diese atmosphärische Dichte – und Langsamkeit. Schiller nimmt sich Zeit und versucht nicht durch schnelle Beatabfolgen zu beeindrucken.

Schiller baut zudem Brücken. Die Miniatur „Berlin Teheran“ braucht dazu eine knappe Minute. Manchmal reicht die Musik aus und es bedarf keiner Worte. „Shangri La“ ist ein weiteres Stück, welches die Seele streichelt, aber selbige auch mit ein bisschen Melancholie beträufelt. Zudem sind die Sounds auf dieser sehnsuchtsvollen Note aufgebaut, die einen als Zuhörer mit auf die Reise nimmt.  Das tolle „Lichtjahre“ schließt sich da kongenial an. Wer sich darauf einlassen kann und die Augen schließt, wird im Kopfkino sehr viele (schöne) Momente erleben. „Over You“ ist übrigens auf der Zielgeraden ein weiterer Song, der wie gemalt für den Radioeinsatz ist. Der Dancefloor geht natürlich auch. „Morgenstern (Ausschnitt)“ ist eine Zusammenarbeit mit Tangerine Dream und so klingt das dann auch. Die Verbindung passt aber natürlich. Überraschender ist da der Gast beim letzten Track. Für „Love“ leiht Rebecca Ferguson ihre Stimme Schiller. Das klingt düster und toll.

 

Bei den beiden LPs handelt es sich übrigens um gelbes Vinyl. Selbstverständlich 180 Gramm Heavy Vinyl, Gatefold Vinyl! Das ist optisch schon ganz schick, macht aber auch auf dem Teller eine gute Figur. Verformungen und Wellen sind keine auszumachen. Die Qualität und Verarbeitung ist schon top, was nicht unbedingt selbstverständlich ist, wie Vinyl-Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit gezeigt haben. Der Sound kommt sehr ausgewogen an. Übrigens ist die Motivwirkung bei dieser Größe eine wesentlich intensivere als bei der kleine CD-Variante. Haptisch kann „Morgenstund>“ auch überzeugen! Ein Download-Code liegt allerdings nicht bei.

 

Fazit: Schiller hat mal wieder ganz tolle Klangwelten erschaffen. Man kann in die Tracks förmlich eintauchen und wird auf eine Reise mitgenommen, die sich an viele Orte verirrt, dabei aber immer die Seele streichelt. Das darf durchaus auch mal düster sein oder sphärisch dahinschweben. Die Gäste bereichern durchaus das Album. Die Aufmachung der Vinyl-Ausgabe ist optisch und haptisch toll! Eigentlich ist das nicht meine Musik, aber dieses Album hier begeistert mich!

 

http://www.schillermusic.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch