Sarah Lesch: Da Draussen

Sarah Lesch: Da Draussen

Kick The Flame/Broken Silence

VÖ: 11.08.2017

 

Wertung: 7,5/12

 

Die Thüringerin Sarah Lesch macht etwas, dass es im deutschen Musikzirkus sehr selten gibt. Liedermacherinnen sind ja nun wirklich die Ausnahme. Sie ist auch keines dieser ferngesteuerten Popmäuschen, sondern ist eher in der guten alten DIY-Tradition beheimatet. Texten, singen und musizieren hat sie autodidaktisch er- und gelernt. Ihre bisherigen Alben – zwei an der Zahl – sorgten dafür, dass sie mittlerweile sogar eine kleine und treue Fangemeinde erspielt hat. Auszeichnungen und viele Konzerte waren die Folge. Jetzt kommt mit „Da Draussen“ ein neues Werk in den Handel. Liedermacherin ist da auch nur der Oberbegriff, denn sie mischt ganz bunt die Stile von Polka bis Chanson, von Blues bis Folk über Jazz um dann beim Folk anzukommen. Ihre Studioband hat zur musikalischen Umsetzung Kontrabass, Piano, Hammond, Harp, Trompete oder Akkordeon aufgefahren. Im Zentrum steht natürlich Sarah Lesch mit ihrer Stimme, ihren Geschichten und ihrer Poesie.

 

Mit dem Titelstück „Da Draussen“ singt sie gleich gegen alle Formen der Angst an. Ein kleines bisschen ist das der Fingerzeig in die richtige Richtung. Das brauchen wir in diesen Tagen. „Reise Reise Räuberleiter“ kommt mit Mundharmonika und Trompete sehr amerikanisch daher. Großartig instrumentiert. „Adieu“ ist eine kleine, sehnsuchtsvolle Hommage an die Stadt am Neckar. Und jetzt wissen wir auch endlich, wo Gothe einst kotzte. Übrigens ist die Überleitung von Chanson zu Polka fließend. Dies umzusetzen ist ja nicht ganz so einfach, bei Sarah Lesch ist das aber fließend im Übergang. Und wer eine Nummer wie „Lieblingsbeatle“ im Repertoire hat, macht sowieso alles richtig. Also fast. John ist ein Arschloch? Also bitte! Aber der Adressat dieses Songs dürfte sich freuen.

 

„Die Ballade Von Frei Johnny“ nervt schnell. Das ist von allem zu viel. „Zeitlose Kamelle“ gefällt da schon besser. Da schwingt sogar ein bisschen (handgemachte) Popmusik mit. Kratzt auch am Schlager. Ist aber gut. Den Song für den nächsten Monat gibt es mit „September“. Hier hört man auch gut die Räumlichkeiten heraus, wo dieses Stück aufgenommen wurde. Es ist ein positives Lied. Jedenfalls vom musikalischen Vibe. Da schwingt auch ein bisschen Melancholie mit. Das bringt aber der Text ja mit. „Einmal Noch“ ist wieder so ein typisches Erzählding. So wie es Reinhard Mey auch haufenweise im Repertoire hat. Aufbau und Phrasierung erinnern ebenfalls an einen der größten Liedermacher des Landes. Das zärtliche „Schlaflied“ berührt. Ein ehrliches Lied, welches tief aus dem Inneren kommt. „Das Mit Dem Mond“ wirkt sogar so, als würde Sarah Lesch sich komplett entblößen. Egal wie man zu den Songs auch steht – sie klingen einfach authentisch. „Eine Geschichte Vom Pferd“ kann man gar nicht mit Worten beschreiben: groß, ganz groß! Und berührend!

 

Fazit: Sarah Lesch macht mit Sicherheit keine Musik, die man einfach mal so hören kann. Das ist ja auch nichts für den schnellen Konsum zwischendurch. Gut, dass es noch Menschen gibt, die Geschichten erzählen, auch mal um drei Ecken denken, kantig sind und sich einfach nicht den Gegebenheiten des Geschäfts anpassen (wollen). Gut so! Sarah Lesch ist im Grunde eine Liedermacherin der alten Schule. Es darf auch mal Folk, Chanson und Polka sein. Wer sich auf die Art von Musik einlassen kann und will, kriegt eine ganze Menge zurück!

 

https://www.sarahlesch.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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