Samuel Hope: Other Man

Samuel Hope: Other Man

Filter Music Group/Sony/Rough Trade

VÖ: 08.06.2018

 

Wertung: 7,5/12

 

Samuel Hope hat eine lange Reise hinter sich. Von New York nach Berlin. Von der Blöckflöte über die Trompete bis zur Gitarre. Von den Kneipen bis zu den Clubs. Eins hat Samuel Hope stets im Blick gehabt: eine musikalische Karriere, bei der seine Stimme im Zentrum steht und er die Zuhörer damit berühren kann. Samuel Hope ist ein Suchender, der einstweilen Berlin zumindest sein zu Hause nennt. Man kann aber davon ausgehen, dass der Mann irgendwann weiterziehen wird. Immer dabei: seine Songs. Das Debüt „Other Man“ dürfte jedenfalls ganz viele Menschen berühren.

 

Es ist tatsächlich die Stimme von Hope, die eine unglaubliche Intensität ausübt. Die Musik ist es weniger. Dies liegt aber weniger daran, dass das Soundgewand schlecht wäre, es sind nur oftmals Beats, die nicht gerade durch einen hohen Wiedererkennungswert glänzen. Dezent umschmeicheln diese bei „Lead On Me“ den Hörer. Sanfte Pianoklänge gibt es dazu. Erst durch den Gesang legt sich eine dicke Melancholieschicht darüber, die dann den Hörer endgültig mitnimmt. Dies ist ja schon bei dem Opener und Titeltrack „Other Man“ der Fall. Das Stück fängt wie ein irisches Lied an. Diesen Aufbau kennt man doch irgendwoher. U2 sind da nicht weit, auch wenn Samuel Hope andere Mittel einsetzt.

 

Es ist allerdings auch nicht immer alles Gold was hier glänzt. „Runaway“ hört sich doch stark wie Rea Garvey an. Den gibt es aber ja schon, da braucht es nicht noch einen Verschnitt von. Die ruhige Ballade „Won´t Put Up A Fight“ ist ähnlich geartet, allerdings bewegt sich Hope da fast durchgehend im Falsett. Moderne Popsounds untermalen den Song. „I Won´t Keep You Waiting“ träufelt noch eine Prise Soul darüber. Die Streicher passen gut. So ein bisschen 70er-Jahre Soul-Kitsch tut dem Album an dieser Stelle hörbar gut. „Carried Away“ wirkt zunächst unscheinbar, lebt aber dann spätestens im Refrain durch die Intensität des Gesangs auf.

 

Es geht sogar noch ruhiger. Eine feine Akustikgitarre reicht um „Nothing To Lose“ in Verbindung mit dem Gesang zu einer Gänsehautnummer zu machen. „Believe“ ist aber zu viel Kitsch. Und auch „Hold On“ wandert auf Balladenpfaden. Ab der Hälfte wird aber noch mal alles aufgefahren, was die moderne Produktion so hergibt. Bombastischer Pop, der wiederum abermals Rea Garvey nicht unähnlich ist. „Wounded“ wird sicher für viele Tränen bei den Hörern sorgen – sofern man für derartige Balladen empfänglich ist. „Without Warning“ holt zum Schluss noch mal alles raus: von der großen Melancholiekeule über die unglaubliche Intensität, die Samuel Hope durch seine Stimme erzeugen kann. Und dann: Ende.

 

Fazit: Samuel Hope hat mit „Other Man“ ein sehr intensives und melancholisches Debüt aufgenommen. In der zweiten Albumhälfte fehlt es etwas an Abwechslung und dann ist das Aneinanderreihen von Balladen etwas ermüdend. Die Stimme - und wie Hope selbige einsetzt - ist aber tatsächlich herausragend. Wer sich davon gerne in eine Traumwelt entführen lassen möchte, ist hier goldrichtig!

 

https://samuelhopeofficial.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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