Rumer: This Girl´s In Love

Rumer: This Girl´s In Love

Warner

VÖ: 25.11.2016

 

Wertung: 8/12

 

Es ist still um Rumer geworden. Was einst als vielversprechende Karriere mit Superstaraussicht begann, ist mittlerweile etwas für Musikliebhaber geworden. Die Dame konnte zwar schon so manchen Preis mit nach Hause nehmen, aber für die ganz vorderen Chartsplätze reichte es dann doch nicht mehr. In Deutschland ist die Dame leider recht wenig bekannt. Sie bedient eben nicht die Spalten der Klatschpresse und das ist ja tragischerweise mittlerweile wichtiger als die Kunst selbst. Schade, denn Rumer ist wirklich eine tolle Interpretin. Dies stellt sie nun erneut mit „This Girl´s In Love“ unter Beweis.

 

Auf „This Girl´s In Love“ widmet sie sich bekannten und weniger bekannten Kooperationen von Burt Bacharach und Hal David. Dies ist also erneut ein Coveralbum. Sie interpretiert die Songs aber mal wieder so, als wären es ihre. Das Album wurde in den Capitol Studios in Zusammenarbeit mit Arrangeur und Komponist Rob Shirakbari, mit dem RUMER seit einem guten Jahr verheiratet ist, aufgenommen. Dieses Projekt ist auch ein Wagnis, denn die hier vertretenen Songs sind mittlerweile zu zeitlosen Klassikern avanciert, die zudem schon von vielen großartigen Künstlern interpretiert wurden. Man merkt „This Girl´s In Love“ aber definitiv an, dass dies eine Herzensangelegenheit von Rumer ist.

 

Manche Songs sind sehr nahe am Original, andere wiederum hat sie mit Shirakbari dezent in eine andere Richtung gelenkt. Den Ritterschlag bekam Rumer durch die Beteiligung von Bacharach an „This Girl´s In Love With You“. Er ist in der Einleitng ganz kurz zu hören und hat sich ansonsten hinter das Piano geklemmt. Mehr Ehre geht eigentlich nicht. Selbstverständlich hat das Stück so seinen ursprünglich Charakter auch beibehalten, alles andere würde auch kaum Sinn ergeben.

 

Das Album sollte übrigens eigentlich schon vor einem Monat erscheinen. Vielleicht hat das Label nun doch bemerkt, dass „This Girl´s In Love“ perfekt zur Vorweihnachtszeit passt. Schon alleine „What The World Needs Now Is Love“ passt perfekt zur nasskalten Jahreszeit. Kamin und Kakao. Und Bridget Jones. „The Look Of Love“ eröffnet das Werk recht düster, aber der Gesang ist derart schön, dass einem doch das Herz aufgeht. Rumer setzt sich nicht laut und spektakulär ins Szene, dafür aber eben auf eine nachhaltige Art und Weise. Das verträumte „The Balance Of Nature“ oder das opulente arrangierte „One Less Bell To Answer“ werden wundervoll in Szene gesetzt. „Are You There (With Another Girl)“ unterstreicht, dass Easy Listening jenseits von belanglos sein kann. „You´ll Never Get To Heaven“ wurde extra für Rumer umarrangiert. Das ist ganz geschickt, denn so muss sie sich nicht mit der großartigen Dionne Warwick messen - so wird es zu einer Rumer-Nummer. „Walk On By“ nähert sich gar der brasilianischen Musiktradition.

 

Fazit: „This Girl´s In Love“ ist ein ganz tolles Album mit Interpretationen von bekannten und weniger bekannten Kooperationen von Burt Bacharach und Hal David. Rumer macht das auf ihre unaufgeregte Art sehr schön. Sie hat einfach eine sehr angenehme Singstimme und die Arrangements sind bezaubernd. Das passt perfekt zur Jahres- und Vorweihnachtszeit. Zudem gibt es hier einige zeitlose Klassiker zu hören. Schöne Geschichte.

 

http://rumer.co.uk/

 

Text: Torsten Schlimbach

Rumer: Boys Don´t Cry (Special Edition)

Rumer: Boys Don´t Cry (Special Edition)

Warner

VÖ: 15.06.2012

 

Wertung: 8,5/12

 

In einer Zeit der Hektik kam „Seasons Of My Soul“ von Rumer genau zum richtigen Zeitpunkt. Wer hätte gedacht, dass dieses Album derart viele Menschen erreichen würde!? Es schien gar so, dass die Musik der Britin eine Erlösung für all jene wäre, die mit dem knalligen, bunten, schrillen und lauten Musikgeschäft nichts mehr anfangen konnten. „Seasons Of My Soul“ schlug komplett aus der Art, überzeugte aber mit sehr viel Herz und Seele. Trotzdem konnte keiner den immensen Erfolg voraussagen. Schön, dass das Leben immer wieder solche Geschichten schreibt.

 

Nun schlägt Rumer ein neues Kapitel auf. Mit „Boys Don´t Cry“ wird die 31-jährige aber erneut keine Erwartungen erfüllen oder sich anbiedern. Die Ideen hinter diesem Album reichen übrigens schon bis ins Jahr 2007 zurück. Die Musik auf diesem Album sogar noch viel, viel weiter. Sie hat sich hier ausschließlich Songs von Männern gewidmet. Ein Coveralbum der ganz besonderen Art. Die Liste der Songschreiber ist recht prominent besetzt und wenn man Namen wie Richie Havens, Todd Rundgren, Isaac Hayes, Townes Van Zandt, Bob Marley oder Neil Young darunter entdeckt, spricht das für ein feines Händchen bei der Auswahl. Interessanterweise ist kein junges, männliches Talent unter dieser illustren Schar zu finden.

 

Man könnte ja jetzt auf die Idee kommen, dass sie wenigstens bei der Titelauswahl die Sicherheitsschiene fährt und die großen Hits der Songschreiber interpretiert. Dies ist aber keineswegs der Fall, denn sie hat sich die eher unscheinbaren und nur Fans bekannten Songs angenommen. Teilweise haben diese Songs mehr als vier Jahrzehnte auf dem Buckel und sind allesamt in den 70ern geschrieben worden. Das eigentliche Album beinhaltet 12 Tracks. Eine Überlegung wäre aber auch sicher die Special Edition wert, denn es gibt nicht nur quantitativ mehr zu entdecken, auch qualitativ bestechen die sechzehn Nummern mit einer ganz besonderen Atmosphäre.

 

Genau dies ist die ganz große Stärke von Boys Don´t Cry. Rumer hat es geschafft diese Stück zu ihren eigenen zu machen. Sie verschweigt nicht, dass dies nicht unbedingt ihre Lieblingssongs wären und es oftmals auch nicht die berühmte Liebe auf den ersten Blick war. Rumer ging sogar hart ins Gericht mit den Songs und betitelte diese sogar als bisweilen überproduziert. „Boys Don´t Cry“ ist nun alles andere als dies.

 

Es ist diese bezaubernde Unaufgeregtheit und Wärme, die dieses Album ausmacht. In einer Zeit, wo alles mit einem lauten Knall irgendwie um Aufmerksamkeit bettelt, ist dies ein Wohltat. Auf eine gewissen Art und Weise ist das gar Easy Listening. Diese formvollendeten Arrangements bringen einen schier um den Verstand. „Boys Don´t Cry“ ist eine Zuhörerplatte. Nichts für den schnellen Konsum. Mal ist es eine wunderbar verspielte und durch den Raum flirrende Gitarre wie bei „P.F. Sloan“, dann ein herrlich simples Pianospiel wie bei „It Could Be The First Day“ oder eine jazzig angehauchte Grundstimmung bei „Be Nice To Me“, die einen gefangen nimmt. Es ist zudem eine große Stärke von Rumer ihre Stimme ganz in den Dienst der Songs zu stellen. „Travlin´ Boy“ ist da fast schon anmutig und besticht durch wundervolle Harmonien. Die Melancholie von „Same Old Tears On A New Background“ wird erst durch die Stimme zum Leben erweckt. „Sara Smile“ hat zudem mehr Soul als die ganzen Püppchen, die jetzt aus dieser Schublade gekrabbelt kommen. Aufgrund der wunderbaren Interpretation von „Soul Rebel“ und „A Man Needs A Maid“ sollte man schon zur Special Edition greifen. Hier kann man wirklich ganz deutlich den Unterschied zwischen einer schlichten Coverversion und einer Interpretation mit eigenen Ideen feststellen!

 

Fazit: Wie schon der Vorgänger schlägt auch „Boys Don´t Cry“ von Rumer völlig aus der Art. Diesmal hat sich die junge Künstlerin Songs der 70er vorgenommen. Alle von Männern geschrieben und nun aus ihrer weiblichen Sicht interpretiert. Wer nicht richtig zuhört, wird die Platte schnell langweilig finden. Das wäre schade, denn genau die leisen Töne und die abermals warme Atmosphäre machen dieses Werk aus. Dies Platte ist herrlich entschlackt und ein angenehme Wohltat für die Ohren!

 

http://www.rumer.co.uk/

 

Text: Torsten Schlimbach

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