Ronnie Montrose: 10x10

Ronnie Montrose: 10x10

Rhino/Warner

VÖ: 29.09.2017

 

Wertung: 8/12

 

Da ist es also, das letzte Album von Ronnie Montrose. Nein, bei „10x10“ handelt es sich nicht um den berühmten und berüchtigten Ausverkauf nach dem Tod eines Künstlers. Montrose hatte eine Vision. Er arbeitete zusammen mit Ricky Phillips und Eric Singer an diesem Album, bevor er 2012 völlig überraschend verstarb. Abschließen konnte er das Album nicht mehr. Man kann aber davon ausgehen, dass dies nun in seinem Sinne geschehen ist. Auch der Titel „10x10“ geht auf Montrose zurück, denn er wollte diese Platte tatsächlich so nennen. Warum überhaupt „10x10“? Montrose wollte 10 Songs mit 10 verschiedenen Sängern aufnehmen. Phillips wiederum setzte alles daran die Songs zu vollenden, indem er Ronnies Musiker-Freunde rekrutierte, um die Vocals und die Gitarrensoli für jeden der Songs aufzunehmen.

 

Herausgekommen sind dabei auch Kombinationen, die man nicht unbedingt erwartet hätte. Bei „Color Blind“ sind beispielsweise Sammy Hagar & Steve Lukather zu hören. Die beiden Gitarristen kommen ja nun aus völlig unterschiedlichen Richtungen. Während der eine sensationelle Licks beisteuert, lässt der andere die Saiten hier ordentlich jaulen. „10x10“ ist durch und durch ein Roackalbum der alten Schule. Im weitesten Sinne darf man sogar das Wort Hard vor Rock stellen. „Heavy Traffic“ mit Eric Martin und Dave Meniketti ist dann auch der lässige Einstieg, der nur von den Gitarrensoli unterbrochen wird.

 

„Love Is An Art“ geht fast schon als typischer Edgar Winter Blues durch. Winter hat bei der Nummer auch gleich noch den Gesang übernommen. Die Wörter werden schön langgezogen und mit kratziger Stimme bildet der Mann zusammen mit der stampfenden Musik eine toll aufeinander abgestimmte Einheit. Glenn Hughes, Phil Collen & Jimmy “Z” Zavala veredeln „Still Singin´ With The Band“. Die Nummer lebt von der Rhythmussektion, gleichwohl auch die Keyboards feine Akzente setzen. Der Refrain kann alles und wenn die Gitarren dazwischen preschen, ist man kurz davor, vor lauter Euphorie die eigenen vier Wände zu zerlegen.

 

Tommy Shaw singt auf „Strong Enough“ - einem Song zwischen Blues und Soul. Ist „Any Minute“ nicht arschcool? „The Kingdom’s Come Undone“ ist ein netter, durchschnittlicher Song. Bonamassa hält sich zum Glück zurück und drängt sich nicht in den Vordergrund und bringt mit seinem Spiel den Track tatsächlich nach vorne. Trotzdem bleibt davon nicht viel hängen. Na gut, wenn zwischendurch das Tempo gedrosselt wird und sich so ein Pink Floyd-Moment einstellt, dann horcht man doch mal genauer hin. „One Good Reason“ - übrigens mit Brad Withford - hat man so – oder so ähnlich – auch schon Dutzendfach gehört. Macht aber nix, macht trotzdem Laune. „Head On Straight“ packt auf der Zielgeraden sogar noch ein bisschen Glam dazu, bevor es mit „I´m Not Lying“ entspannt dem Sonnenuntergang entgegen geht.

 

Fazit: Ronnie Montrose wäre mit der Veröffentlichung von „10x10“ ganz sicher einverstanden gewesen. Man darf ganz stark davon ausgehen, dass das Album in seinem Sinne beendet wurde. Viele langjährige Weggefährten konnten sich ganz bestimmt in seine Visionen, die er für dieses Album hatte, hineinversetzen. Blues, Rock und Hardrock der alten Schule ist es geworden – aber auf eine gute Art und Weise und man hört den Spaß, den alle Protagonisten daran hatten.

 

http://www.ronniemontrose.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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