Robert Coyne & Jaki Liebezeit: I Still Have This Dream

Robert Coyne & Jaki Liebezeit: I Still Have This Dream

Meyer Records/Rough Trade

VÖ: 03.06.2016

 

Wertung: 9,5/12

 

Robert Coyne und Jaki Liebezeit sind auf dem Papier ein ungleiches Paar. Mehr als dreißig Jahre trennt die beiden voneinander und eigentlich hätte man vermutet, dass nach dem ersten Album nicht noch ein zweites folgen wird. Dies ist nicht dem Umstand geschuldet, dass selbiges schlecht war – das genaue Gegenteil ist der Fall – aber eine langfristige Zusammenarbeit war sicher nicht abzusehen. Es blieb aber eben nicht bei einem einmaligen Projekt. Mit „I Still Have This Dream“ wird nun sogar schon das dritte gemeinsame Werk veröffentlicht. Und abermals sind das Songs jenseits des Mainstreams. Hier wird auf sehr angenehme Art und Weise mit Konventionen und Hörgewohnheiten gebrochen. Es ist ein unglaublich schönes Kleinod entstanden.

 

Die beiden kürzesten Songs kommen nicht mal auf eine Spielzeit von einer Minute, der längste auf fast zwölf Minuten. Das Duo legt sich keine Beschränkungen auf und alles ist möglich. Sie finden dabei aber stets den richtigen Ton und hier reiht sich ein Ohrwurm an den anderen. Dies wird eben nur mit gänzlich anderen Mitteln bewerkstelligt. Der warme Gesang und das einfache, aber stets filigrane Gitarrenspiel treffen auf das monotone Schlagzeugspiel von Liebezeit. Holger Czukay hat ja nicht umsonst gesagt, dass Liebezeit wie eine Maschine spielen würde – nur besser.

 

„Cockney Mystic“ kriegt dadurch einen unglaublichen Groove und geht richtig nach vorne. Man hört, dass Coyne aus der Singer/Songwriterecke kommt. Die Dynamik, die so entsteht, hat faszinierende Sogwirkung. Man könnte jetzt viele Schubladen aufziehen, aber im Grunde ist das fantastischer Indiepop. „Another Layer Of Mud“ ist natürlich auch auf diesem Fundament erbaut worden, aber wesentlich ruhiger. Coyne ist übrigens ein ganz famoser Gitarrenspieler. „Another Layer Of Mud“ ist in dieser Hinsicht sehr filigran. „Ball Of Light“ ebenso. Man muss hier aber auch noch das Bassspiel – auch von Coyne – hervorheben. Wie sich selbiges mit dem stoischen Rhythmus von Liebezeit ergänzt, umgarnt und umspielt, ist sensationell. Abwechslung gibt es dann auch noch durch den Einsatz eines Cellos, welches Backgroundsängerin Aglaja Camphausen spielt.

 

„Soothing Sounds“ lässt musikalisch die Sonne aufgehen und trifft stets den richtigen Ton. Wunderschöne Musik. „Tough To Love“ erinnert ein bisschen an die Bright Eyes, während „I Still Have This Dream“ - der Song – erstmals wenig Neues zu bieten hat. Die Nummer klingt glatt wie ein Best Of des bisherigen Albums. Insofern ist das kurze „Over“ mit seinen 49 Sekunden ganz gut gesetzt worden, da mit „In The Rehearsal Room“ eine verspielte Nuance Einzug hält. Gleichzeitig ist das aber auch sehr reduziert. Klingt nach einem Widerspruch, ist es aber nicht. „Slow Down“ ist von der musikalischen Machart The Velvet Underground nicht unähnlich. „Thank You (I´ve Got The Idea)“ ist schon ein Höllenritt – weil das Stück wie eine Endlosschleife erscheint. Das Keyboard sorgt immerhin für ein paar Farbtupfer. Schade, dass „Over And Out“ so kurz geraten ist. Das hätte noch was richtig Großes zum Schluss werden können.

 

Fazit: „I Still Have This Dream“ sei all jenen an das Herz gelegt, die Folk und Singer/Songwriter-Musik lieben und viel wert auf eine warme Atmosphäre und eine tolle Singstimme legen, die dies alles zu einer richtig guten Indiepopplatte werden lassen. Der stoische Motorik-Beat von Jaki Liebezeit gibt den Songs eine besondere Würze, aber im Grunde ist das die große Robert Coyne-Show. Auch die dritte Runde ist immer noch spannend und wirft abermals ein Kleinod ab!

 

Text: Torsten Schlimbach

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