Richie Sambora + Orianthi: Radio Free America

Richie Sambora + Orianthi: Radio Free America

BMG

VÖ: 11.05.2018

 

Wertung: 7,5/12

 

Da haben sich anscheinend zwei Menschen gefunden. Die australische Ausnahmegitarristin Orianthi und Richie Sambora verstehen sich im Studio, aber auch abseits davon bestens. Das Duo bringt nun als RSO mit „Radio Free America“ ein Album heraus, welches mitunter die Gemüter spalten wird. Wer jetzt auf eine Fortführung der bluesigen Soloalben von Herrn Sambora gehofft hat, wird ein langes Gesicht machen. Wer sich allerdings auf „Radio Free America“ einlassen kann, dürfte unter den fünfzehn Songs ganz viele Tracks finden, die eine Menge Laune machen.

 

Eine musikalisch rote Linie ist nicht unbedingt vorhanden. Es sei denn, man nimmt diesen bunten Strauß, der sich an vielen Stilen abarbeitet, als rote Linie. „Radio Free America“ ist ein sehr vielseitiges Album. Die Produktion ist zwar sehr glatt, aber es gibt dabei einige schöne Dinge zu entdecken. Das Gitarrenspiel bei „Walk With Me“ geht zunächst etwas unter der Popmaskerade unter, ist aber zum Niederknien schön. Das ist auch nicht zu viel, die Balance ist nämlich sehr stimmig.

 

Wer lieber im Stadion stehen und sein Feuerzeug schwenken möchte, wird mit der Ballade „I Don´t Want To Have To Need You Now“ bestens bedient werden. Das erinnert natürlich an die Band, bei der Sambora einst gniedelte. Eine Stadionhymne, wie sie im Buche steht. Manchmal verlässt das Duo allerdings auch etwas der Mut. „Making History“ fängt wie eine Mischung aus „Roots“ von Sepultura und ganz viel „Angel“(!) von Massive Attack an, wird dann aber zum typischen Trademark-Sound von Sambora, bevor Orianthi dem Ding noch mal in den Allerwertesten tritt. „We Are Magic“ - auch gesanglich ein Duett – ist danach leider in furchtbaren Popgefilden beheimatet. Der Gesang hat aber was.

 

Und so pflügen sich die beiden munter durch die Platte. „Rise“ ist ein lässiges Gitarrenstück mit ordentlich viel Groove. „Take Me“ hat sogar Soul. Was in der Betrachtung bei Sambora immer etwas zu kurz kommt ist, dass der Mann ein sehr passabler Sänger ist. „Masterpiece“ ist dann wieder eine Nummer, über die man lieber den Mantel des Schweigens ausbreitet. „Truth“ ist was für die nächste Kuschelrock und leider wird es mit „Together On The Outside“ auch nicht besser.

 

Wie schön ist da doch das countryeske „Good Times“?! Auch die Akustikballade „Forever All The Way“ ist ganz großes Kino. Sehr gefühlvoller Gesang und gefühlvolles Gitarrenspiel. Schön. Jetzt würde ein bisschen Rock ganz gut tun, aber leider gibt es mit „I Got You Babe“ die fürchterlichste Coverversion, die man je von dem Sonny & Cher-Heuler gehört hat. „One Night Of Peace“ schließt sich da mit musicalhaftem Kitsch nahtlos an. „Blues Won´t Leave Me Alone“ ist eine weitere Ballade, die aber auch alle süßlichen Klischees erfüllt. Zum Glück gibt es mit „Hellbound Train“ zum Schluss noch mal einen amtlichen Rocker. Kommt noch mal richtig gut!

 

Fazit: „Radio Free America“ ist ein Album mit vielen Facetten. Rock, Soul, Country, R&B, aber auch ganz viel Pop gibt es da auf die Ohren. Der Balladenanteil ist hoch und hin und wieder zu kitschig und süßlich ausgefallen. Dafür gibt feine, kleine Songs, die durchaus Spaß machen und auch kompositorisch zu gefallen wissen. Handwerklich ist das sowieso gut, allerdings ist es nicht die erwartete große Gitarrenshow. Es sind die Kleinigkeiten, die dieses Album, trotz der glatten Produktion, so annehmbar machen.

 

https://www.rsoofficial.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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