Rich Robinson: Flux

Rich Robinson: Flux

Eagle/Edel

VÖ: 24.06.2016

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Einst schrieb Rich Robinson mit den Black Crowes ein bisschen Musikgeschichte. Auftreten, Selbstbewusstsein, aber auch das Songmaterial sorgten dafür, dass die Black Crowes für zwei bis drei Sommer als der heißeste Scheiß unter der amerikanischen Sonne galt. Vielleicht hat das sogar dafür gesorgt, dass sich Robinson um seine Rente keine Sorgen mehr machen muss. Als Solokünstler ist der Mann nämlich lange nicht mehr so erfolgreich. Dafür macht er nun was ihm gefällt. Auch auf seinem neuen Album „Flux“. Schön, wenn noch einer die künstlerischen Freiheiten zu nutzen weiß, denn das Album ist bisweilen verdammt gut.

 

„Flux“ ist – wie könnte es anders sein? – eine amerikanische Platte geworden. Das gleicht mitunter ja einem Streifzug durch die US-Musikgeschichte. Allerdings schafft es Robinson immer wieder, dass sich die Songs trotzdem nicht altbacken anhören. Natürlich weht über der Szenerie auch immer noch die Fahne des Alternativrocks mit. Und selbstverständlich hat „Flux“ Soul. Auch musikalisch. Wenn man andere Künstler als Vergleich heranziehen müsste, dann würde man Petty, Springsteen und die Tedeschi Trucks Band nennen. Das luftige „Music Will Lift Me“ klingt sogar wie eine Melange daraus. „The Upstairs Land“ hat zu Beginn noch ganz dezente Einflüsse des Psychedelik-Rock aufgefahren. „Shipwreck“ hingegen gefällt mit einem sehr erdigen Sound. Das scheppernde Schlagzeug treibt die Nummer unaufhörlich an. Der Refrain wächst sich dann gar zu einem souligen Gospel aus.

 

„Everything´s Alright“ kann nur jemand wie Rich Robinson schreiben und aufnehmen. Selbstbewusstsein trifft auf Können und ein großes Musikerherz. Selbst das funky „Eclipse The Night“ haut dann noch hin. Robinson gelingt auf diesem Album alles! Auch die Ballade „Life“. Das düstere „Ides Of Nowhere“ erinnert ein bisschen an die Stone Temple Pilots in deren ganz dunklen Stunden. Danach gibt es mit „Time To Leave“ im Anschluss einen Song für die Truckerkneipe. Einsame Herzen und so. Stetson und Cowboystiefel. „Astral“ läuft etwas unrund und Musik und Gesang wollen nicht ganz zusammenpassen. Genau das macht aber auch den Reiz aus. „For To Give“ ist dann erstmals eine Nummer, die so dahinplätschert – aber musikalisch immer noch auf hohem Niveau. Der Blues von „Which Way Your Wind Blows“ ist dann aber wieder ein Rockbrett. Der Bass groovt wie Sau und der Spannungsaufbau und die vielen Tempowechsel sind schlichtweg grandios. Robinson lebt und atmet die Musik. „Surrender“ folgt von der Struktur her dem Singer/Songwriterstil, ist aber ebenfalls im Blues verhaftet. Mit „Sleepwalker“ haut Rich Robinson ganz zum Schluss noch mal ein Ding raus, welches „Flux“ auf ganzer Linie zusammenfasst. Ein sehr erhabener Albumabschluss.

 

Fazit: Mit „Flux“ legt Rich Robinson eines der interessantesten Rockalben des Jahres 2016 vor. Das lässt sich auch schon jetzt sagen, auch wenn die zweite Jahreshälfte ja erst noch ansteht. Die Vielfalt ist extrem groß und doch verkommt „Flux“ nie zur Leistungsshow, sondern lässt sehr viel Liebe zur Musik erkennen. Der warme Sound erfreut zudem jedes Vintage-Herz. Trotzdem ist das zu keiner Zeit altbacken. Gutes Songwriting wird hier groß geschrieben. Rich Robinson tobt sich auf der Spielwiese der amerikanischen Musik nach Herzenslust aus und das macht er - mit sehr viel Herzblut und Können - verdammt gut!

 

http://richrobinson.net/

 

Text: Torsten Schlimbach

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