Rebecca Ferguson: Superwoman

Rebecca Ferguson: Superwoman

Sony

VÖ: 14.10.2016

 

Wertung: 8/12

 

Eins muss man Rebecca Ferguson lassen: singen kann sie. Warum sie damit zunächst bei The X Factor nicht glänzen konnte, bleibt eines der ungelösten Geheimnisse des Castingshow-Wahnsinns. Immerhin konnte sie dann bei einem erneuten Versuch in das Finale vordringen. Gut, dass sie selbiges nicht gewonnen hat. Die Sieger solcher Formate sind ja schnell vergessen. Ferguson ist immer noch da und dies auch noch überaus erfolgreich. Die 30-jährige Liverpoolerin veröffentlicht nun nach drei Jahren mit „Superwoman“ ein neues Album.

 

Rebecca Ferguson hat in den letzten Jahren das komplette Chaos des menschlichen Gefühlslebens mitgemacht. Die Freude über die Geburt eines Kindes wurde vom Gefühl des Verlassenwerdens abgelöst. Letzteres dürfte auch der Grund dafür sein, warum das Album so lange auf sich warten ließ. Eigentlich hatte sie neue Songs schon kurz nach der Geburt ihres dritten Kindes angekündigt. Dafür nahm sie dann letztes Jahr ein Album mit Billie Holiday-Songs auf. Hierzulande ist das allerdings etwas untergegangen. Das könnte auch daran liegen, dass ihr letztes Studioalbum „Freedom“ in Deutschland floppte und das Interesse an der Musik von Rebecca Ferguson eher gering ist. Schade eigentlich!

 

Die neuen Songs sind wieder klasse Soulstücke. Das wird zwar alles in ein poppiges Gewand verpackt und doch schwingt da auch immer der Geist der 60er und 70er mit. Ausreißer wie „Don´t Want You Back“ gibt es dabei immer mal wieder. Das ist Pop in Rheinkultur. Die soulige Stimme sorgt aber auch da für den besonderen Moment. Worum es geht? Der Titel lässt wohl kaum Fragen offen. Mit „Bones“ fängt das Album im Grunde mit einer Popballade an. Die gute Rebecca hat einfach eine sehr angenehme Stimme, die trotzdem aus dem Einheitsallerlei herausragt. „Mistress“ hat Soul und Swing. Ecken und Kanten gibt es zwar nicht, aber gab es die bei einer Amy Winehouse?

 

Die Ballade „Hold Me“ ist zwar kitschig und doch schafft es Ferguson das sehr schön zu transportieren und stimmlich nicht zu überladen. Das hat sie vielen ihrer Kolleginnen voraus. Das gilt im Grunde für jeden Song. „Superwoman“ ist Musik von einer erwachsenen Frau für eine erwachsene Zielgruppe. Frauen vermutlich, aber Männern dürfen da auch gerne hinhören. Könnte man sich auch gut in einem „Bridget Jones“-Film vorstellen. Genau wie die Ballade „The Way You´re Looking At Her“. Sie singt solche Songs einfach auf eine sehr schöne und mitreißende Art. Nicht dieses guckt mal, ich bin die weltbeste Sängerin auf der Welt Gewinsel. Sie legt zudem ihre Seele da rein und darum sind die meistens Lieder auch so authentisch. „Pay For It“ ist herrlich unaufgeregt. Natürlich ist das nicht ganz frei von Bombast und Pathos, wie bei „Oceans“ nach zu hören ist. Das nervt dann auch. „Without A Woman“ trägt auch etwas dick auf, aber letztlich braucht sie sich mit „Waiting For Me“ auch nicht vor den ganz großen Damen des Souls zu verstecken. „I´ll Meet You There“ ist der tränenreiche Abschied des Superwoman.

 

Fazit: Das neue Album von Rebecca Ferguson ist im Grunde ein Trennungsalbum. „Superwoman“ ist aber trotzdem kein kitschiger Pop geworden. Die Dame kann ihre Stimme verdammt gut und authentisch einsetzen. Sie steht hörbar hinter diesen Songs und muss weder sich, noch der Welt etwas beweisen. Das hat Soul. Da verzeiht man auch gerne den einen oder anderen unschönen Ausreißer, der dann zu viel Pathos und Bombast auffährt. Insgesamt ist „Superwoman“ aber ein gutes und erwachsenes Album. Vielleicht wird es hierzulande untergehen, weil andere eben den Lautsprecher machen. „Superwoman“ ist dafür zeitloser - und besser!

 

https://www.rebeccaofficial.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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