Ray Davies: Our Country: Americana Act II

Ray Davies: Our Country: Americana Act II

Sony

VÖ: 29.06.2018

 

Wertung: 9/12

 

Das ist er also, der zweite Teil von „Americana“. Die erste Runde, die im April 2017 veröffentlicht wurde, konnte Fans und Kritiker gleichermaßen begeistern. Musikalisch, aber auch textlich konnten die Songs, in denen Davies den Einfluss des nordamerikanischen Kontinents reflektiert, überzeugen. Eine Fortsetzung stand ja von Anfang an im Raum. Diese hört nun auf den Titel „Our Country: Americana Act II“. Neunzehn Songs und Spoken Word-Beiträge sind es geworden. Die Songs aus der Feder von Ray Davies wurden auch vom Meister produziert und arrangiert; als Co-Produzenten fungierten Guy Massey und John Jackson.

 

Das Album hat aber keineswegs nur neue Tracks zu bieten, sondern auch Neuinterpretationen von Stücken, die Ray über die Jahre für andere Projekte geschrieben hatte, darunter „Oklahoma USA“ (zuerst veröffentlicht auf The Kinks: „MUSWELL HILBILLIES“), „The Real World“ (aus dem 2007er Solo-Album „WORKING MAN’S CAFÉ“) oder „The Getaway” (aus „OTHER PEOPLES LIVES“, erschienen 2006). Zur Umsetzung standen ihm die Jayhawks und der Gitarrist Bill Shanley zur Seite.

 

Es gibt auf diesem Album auch wieder ein paar tiefe Einblicke in das Leben von Davies. Auch über das Leben auf Tour. Der Spoken Word-Beitrag „Tony And Bob“ erzählt davon und geht dann nahtlos in das feinfühlige „The Big Guy“ über. Davies klingt da wie eine Mischung aus Dylan und Knopfler. Die Nummer plätschert auf eine gute Art und Weise dahin. „Muswell Kills“ ist durch und durch von der amerikanischen Musik geprägt. Es gibt Americana, Rock, Hillbilly-Country-Rock. Bissig. Das verträumte Country-Stück „Our Country“ ist ganz großes Kino. „The Invaders (Spoken Word)“ ist gar festlich angehaucht. Willkommen in der Geschichtsstunde von Davies, die in „Back In The Day“ die Musik der 40er bis 60er wieder aufleben lässt. Die Leichtigkeit ist beeindruckend. Man muss an dieser Stelle auch mal die famosen Musiker loben. Zwischen Rock und Bebop ist das traumwandlerisch sicher. Eddie Cochran erfährt da auch eine ganz besondere Ehrung.

 

„Oklahoma U.S.A.“ schleppt sich fast in Zeitlupe dahin. Die elektrischen Gitarren sind formvollendet. Neil Young hat im Laufe seiner Karriere auch immer mal wieder so langsame Songs im Repertoire gehabt. Und wer besingt im Jahr 2018 noch Errol Flynn? Davies! „Bringing Up Baby“ klingt zwar nur nach einer Countryfingerübung, mit der Chuzpe kriegen das aber viele junge Bands nicht mehr hin. Hier kann man von einem Alten lernen wie es geht! Das krachlederne „The Take“ ist ein weiterer Beweis dafür. Da hat Davies ein paar sehr schöne Lou Reed-Reminiszenzen einfließen lassen.

 

Mit dem ruhigen Folk von „We Will Get There“ wagt er sich auf ein anderes Terrain. Der Backgroundchor ist zudem sensationell. „The Real World“ ist zunächst unauffällig, hat aber was von Fleetwood Mac und entfaltet seine volle Schönheit erst beim zweiten oder dritten Durchlauf. „The Empty Room“ führt den Zuhörer bis nach Nashville und mit „March Of The Zombies“ hat der gute Ray das noch um ein paar Musical-Elemente angereichert. Das Album kann einen wirklich Bauklötze staunen lassen.

 

Fazit: „Our Country: Americana Act II“ ist ein mehr als würdiger Nachfolger von „Americana“. Die musikalische Bandbreite ist extrem groß. Als Zuhörer kriegt man da einen Streifzug durch die amerikanische Musikgeschichte geboten. Neuinterpretationen bereits bekannter Davies-Nummern machen das nicht schlechter, denn das hat alles durchaus seine Berechtigung! Das alles macht unglaublich viel Spaß und lässt so manchen jungen Musiker und Songschreiber ziemlich alt aussehen!

 

http://raydavies.info/

 

Text: Torsten Schlimbach

Ray Davies: Americana

Ray Davies: Americana

Sony

VÖ: 21.04.2017

 

Wertung: 8/12

 

Ray Davies hat mit den Kinks unbestritten Musikgeschichte geschrieben. Es gibt sogar Menschen, die den Einfluss der Band höher als den der Beatles oder Stones einschätzen. Darüber kann man natürlich streiten, Fakt ist aber, dass Davies und die Kinks mehr als nur eine Randnotiz im großen Geschichtsbuch der Populärmusik darstellen. Jetzt kommt mit „Americana“ der erste musikalische Teil, der auf seiner Autobiografie von 2013 basiert, heraus. In nicht allzu ferner Zukunft soll noch ein zweites Album folgen. Das Werk dokumentiert zudem den wichtigen Einfluss der Vereinigten Staaten auf den Werdegang des Künstlers.

 

Die Backingband, die Davies für „Americana“ engagierte, ist beileibe keine unbekannte Kapelle. The Jayhawks können schließlich auf eine lange Geschichte zurückblicken. In den 80ern widmeten sie sich noch verstärkt dem Rootsrock und der Countrymusik. Die Musiker wissen also wie man das Albumthema bestens in Szene setzt.

 

Es gibt unter den fünfzehn Songs, die selbstverständlich autobiografischer Natur sind, dann auch einen bunten Strauss der amerikanischen Musik zu hören. Der Anfang mit „Americana“ und „The Deal“ ist allerdings auch einigermaßen ernüchternd ausgefallen. Da werden zwar noch ein paar psychedelische Spielereien und Spoken Word-Fetzen eingebaut, aber im Grunde ist das Altherrenmusik der langweiligsten Sorte. „Poetry“ kommt dann endlich mal aus dem Quark. Das hört sich fast schon nach dem jungen Tom Petty an. Ist also ganz großartig geworden.

 

„Message From The Road“ ist ein herzergreifende Ballade. Das Duett mit Karen Grotberg von den Jayhawks passt. Emmylou Harris-Style. So ein rockiger Stampfer wie „The Mystery Room“ tut dem Album ungemein gut. Das traditionelle „Rock ´N´ Roll Cowboys“ ebenso. „Change For Change“ hat etwas Schamanisches. Das kommt direkt aus den Sümpfen angekrochen. Verweise auf früher gibt es auf diesem Album auch immer wieder durch die Spoken Words-Beiträge wie „The Man Upstairs“. „The Great Highway“ strotzt nur so vor Referenzen an die Vergangenheit, macht aber auch unheimlich Spaß. Gutes Rockding. Der Folk-Country von „The Invaders“ ist ganz klar Dylan-Style und „Wings Of Fantasy“ beendet das Album wesentlich besser als es der Beginn vermuten ließ.

 

Fazit: „Americana“ von Ray Davies trägt die musikalische Ausrichtung ja schon im Titel. Die Platte fängt zwar träge an, entwickelt sich aber zu einem schönen Streifzug durch die Geschichte von Davies, aber auch der amerikanischen Rootsmusik. Country, Rock und Folk werden von The Jayhawks sehr schön interpretiert und in Szene gesetzt. Insgesamt ein schönes (Alters)Werk.

 

http://www.raydavies.info/www/main.php?content=news

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch