Radio Havanna: Utopia

Radio Havanna: Utopia

Dynamit Records/Broken Silence

VÖ: 12.01.2018

 

Wertung: 8/12

 

Man wünscht sich ja, dass einer Band wie Radio Havanna eigentlich nicht noch mehr Futter geboten würde. Nein, nicht weil die Herren mit dem Herz für Punk schlechte Musik machen, sondern vielmehr weil sie derartig viele Themen für die Texte geliefert kriegen. Radio Havanna sind weitestgehend Politikpunks und da gibt es ja bekanntlich momentan jede Menge Material! Leider! Auf der anderen Seite ist es für dieses Land und für eine junge Zuhörerschaft auch extrem wichtig, dass es noch Musiker und Künstler gibt, die eine klare Haltung haben. Die aufklären und die Finger in die Wunde legen. Und Lösungen bieten. Willkommen in der Welt von „Utopia“!

 

Ein neues Album des Berliner Quartetts ist im Jahre 2018 wichtiger denn je. Der Rechtsruck überall ist nicht nur spürbar, sondern präsentiert seine hässliche und widerliche Fratze nun auch im deutschen Bundestag. Kotzen kann man schon lange nicht mehr, denn man kommt mit dem Essen ja nicht mehr hinterher. Egal wie beschissen es läuft, es gibt genug Gründe die Anlass zur Hoffnung geben. Dinge beim Namen nennen, klare Kante zeigen, aber eben auch die positiven Dinge herausarbeiten – das machen die Donots aktuell mit ihrem grandiosen Album „Lauter Als Bomben“ und auch Radio Havanna mit „Utopia“.

 

Und weil eben nicht alles beschissen ist, nicht alle Menschen Drecksarschlöcher sind, träumen wir uns gleich zu Beginn des neuen Albums direkt nach „Utopia“. Musikalisch ist das eine dringliche Hymne, die einen melancholischen Unterbau hat, aber eben auch eine positiven Grundnote. So wird musikalisch der Mist der Aktualität mit dem positiven Blick in die Zukunft kongenial untermalt. Das zieht sich durch das gesamte Album – übrigens auf dem eigenen Label Dynamit Records veröffentlicht.

 

Selbst „Faust Hoch“ ist im Grunde ein positives Zeichen. Zusammenstehen gegen die „marschierende Dummheit“ und die „regierende Angst“. Nicht nachgeben, denn wir sind viele. Manchmal braucht es einfache Aussagen und Parolen. Verpackt wird das alles in Punkpop, der sich schön in den Ohren festsetzt.

 

Und für die Älteren gibt es „Anti Alles“. Wer erinnert sich da nicht an seine eigene Jugend zurück? Mit „Homophobes Arschloch“ gibt es dann eine Art Nachfolger von „Schrei Nach Liebe“ von Die Ärzte. Whoa-Oh-Chöre und der Refrain sorgen dafür, dass die Nummer wie gemalt für Singalongs ist. Der Song lässt textlich im Grunde ja schon anhand des Titels kaum Interpretationsspielraum, hat aber trotzdem eine zweite Ebene, die der Geschichte noch mehr Dringlichkeit verleiht. „Hassliebe“ setzt dann mal ein anderes Ausrufezeichen und ist im Grunde seines Herzens ein Liebeslied. Gegensätze ziehen sich an, das wissen auch Punks bis zu einer gewissen Grenze.

 

Dann folgt mit „Schwarzfahrer“ und „Ich Hab Die Zeit“ Erwartbares von einer Band mit dieser Ausrichtung. Gerade letztgenannte Nummer ist aber im Grunde so ein pubertierendes Geschwafel, was jeder Linksaktivist sicher so nicht unbedingt abnicken würde. Kann ja mal passieren. Mit der Hymne „Houston“ wird noch mal ein schöner, fast schon poppiger Track dagegengesetzt. Immer nur politisch rotzen ist ja auch auf Dauer anstrengend. Zum Schluss gibt es dann mit „Phönix“ noch einen Tipp wie es positiv in die Zukunft gehen kann: sämtlichen Ballast abwerfen. Einfach? Ja, manchmal ist das Leben eben doch nicht so kompliziert.

 

Fazit: Radio Havanna legen mit „Utopia“ den Finger in die Wunden dieser kranken Gesellschaft, feiern aber trotzdem das Leben und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt! Das wird alles in fluffigen Punkpop mit Ohrwurmpotenzial und einer Prise Dreck verpackt. Faust Hoch ist zudem noch viel mehr als nur ein Song. Weitere Infos unter dem Link unten. „Utopia“ ist ein gutes Album mit vielen Hymnen und einer klaren Haltung! Wäre schön, wenn Radio Havanna irgendwann nur noch Liebeslieder aufnehmen könnten, weil ihnen die politischen Themen ausgehen. Utopie?...

 

http://www.radiohavanna.de/

http://www.fausthoch.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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