Róisín Murphy: Hairless Toys

Róisín Murphy: Hairless Toys

Play It Again Sam/Rough Trade

VÖ: 08.05.2015

 

Wertung: 8/12

 

Róisín Murphy ist nicht gerade die fleißigste Künstlerin, wenn es um ihre Solokarriere geht. Die Stimme von Moloko lässt sich gerne viel Zeit. Es hat schier unendliche acht lange Jahre gedauert, bis nun mit „Hairless Toys“ ein neues Album von ihr erscheint. Und dann ist die Anzahl der Tracks auch eher spärlich ausgefallen. Auch hier kommt die Zahl acht wieder ins Spiel, mehr gibt es nämlich nicht zu hören. Man darf natürlich nicht vergessen, dass sich die Dame in der Vergangenheit vornehmlich um ihre Familie und die Kinder gekümmert hat. Gut so. Die Karriere kann jetzt ja wieder anlaufen. Zudem sind die einzelnen Songs, die von Eddie Stevens produziert wurden, ziemlich lang ausgefallen, einer kratzt sogar an den zehn Minuten.

 

Róisín Murphy knüpft mit „Hairless Toys“ nun nicht unbedingt an den direkten Vorgänger an. Die Songs, Sounds und Collagen sind weit weniger funky und tanzbar. 2007 war eben eine andere Zeit und mittlerweile dürfte auch das Alter von Murphy eine Rolle spielen, die 40 hat sie nämlich in der Zwischenzeit auch überschritten. Sie widmet sich auf diesen acht Tracks vermehrt der Elektronik und hat mit Stevens da sehr viel Kleinarbeit geleistet. Das springt einen nicht so offensichtlich an und findet auch nicht den direkten Weg in die Gehörgänge und die Beine.

 

Wie es denn sonst so, dieses „Hairless Toys“? Die Mischung mag auf dem Papier gewagt klingen, denn wie passen House, Jazz und Country(!) zusammen? In der Realität sieht das schon wieder anders aus, denn das ist doch alles sehr harmonisch ausgefallen. „Gone Finishing“ ist der sanfte Einstieg in die Platte, denn das Stück nimmt die bisherige musikalische Reise von Murphy auf und transportiert das ganz sanft in das Hier und Jetzt. Die minimalistische Frickelei ist gar noch tanzbar. Allerdings in Zeitlupe. „Evily Eyes“ lässt die Beats pumpen und pluckern, bevor mit „Exploitation“ der längste Track des Albums folgt. Breaks, Loops und eine Stimme, die mehr haucht denn singt, lassen aus dem Stück einen schweren Brocken werden. Die dezenten Pianoklänge setzten schöne Farbtupfer, die Bassläufe kommen eher vom Jazz und die vielen kleinen Licks peppen das Stück zusätzlich auf. Die Nummer mag zwar minimalistisch anmuten, aber hier passiert derart viel, dass sich da ein ganz vielfältiges Klanguniversum öffnet.

 

Mit „Uninvited Guest“ wird der zuvor angedeutete Jazz noch weiter in den Vordergrund gerückt. Und dann wird es ganz verrückt: „Exile“ hört sich an wie eine Country-Nummer aus einem Elvis-Film. Schönes Ding. Danach geht es mit „House Of Glass“ zurück zum House. Man wird dabei sicher nicht tanzend durch die Zimmer hüpfen, sondern sich eher entspannt zurücklehnen. Lounge-Musik kommt einem da auch in den Sinn. „Hairless Toys (Gotta Hurt)“ fließt von der Musik her etwas ziellos dahin, kann auf der anderen Seite aber mit diesem wunderbaren Gesang punkten. „Unputdownable“ ist ein ganz grandioser Abschluss. Sanfte Electronica schält sich da aus dem Kokon, während der Song mit einer Art Refrain aufwartet, der Indiepopherzen höher schlagen lässt. Und dann dieser famose Break mittendrin, der diesen Song noch mal auf den Kopf stellt – ganz groß!

 

Fazit: Róisín Murphy meldet sich mit einem überraschenden Album zurück. Nicht mit einem Knall, sondern eher zurückgelehnt. Sie bedient sich dabei House, Jazz und Country. Der Gesang ist gewohnt zurückgenommen und gleicht mehr einem Hauchen und ist dennoch kraftvoll. Anders ausgedrückt: die Kreativität sprudelt. Genregrenzen werden auf- und durchbrochen. Die Musik ist im Grunde nicht tanzbar, wird aber sicher die eine oder andere Szene-Bar beschallen.

 

https://www.facebook.com/roisinmurphy

 

Text: Torsten Schlimbach

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