Procol Harum: Novum

Procol Harum: Novum

Eagle Records/Universal

VÖ: 21.04.2017

 

Wertung: 5,5/12

 

Procol Harum schrieben einst mit „A Whiter Shade Of Pale“ Musikgeschichte. Die Nummer läuft im Grunde jedem Musikfan – früher oder später – über den Weg. Das Stück ist immer noch eine der bestverkauften Singles aller Zeiten. Jetzt feiert die Band 50-jähriges Jubiläum. Von der Ursprungsformation ist allerdings nur noch Gründervater Gary Brooker dabei. Procol Harum haben über die Jahrzehnte sowieso einen guten Verschleiß an Musikern gehabt. Mit der ersten Formation hat das im Grunde nichts mehr zu tun. Das neue Album „Novum“ verkauft sich eben besser und kriegt mehr Aufmerksamkeit, wenn vorne Procol Harum draufsteht. Ein Soloalbum von Gary Brooker würde sicherlich weit weniger in den Fokus gerückt werden.

 

Gary Brooker lässt im Vorfeld dieser Veröffentlichung verlauten, dass „Novum“ das beste Album von Procol Harum wäre. Gut, was soll er sagen? Muss er aber gleich so dick auftragen? Es hätte ja auch gereicht, wenn er mitgeteilt hätte, dass er ganz zufrieden mit dem Album zum Jubiläum wäre. An die großen Platten kommt „Novum“ nämlich nicht heran. Durch diese markigen Worte, muss sich das Werk aber eben auch mit dem Backkatalog messen (lassen).

 

Es gibt viele schöne Melodien auf „Novum“ und handwerklich ist das – man höre sich nur das Gitarrensolo von „The Only One“ an – schon sehr gut, aber unter dem Strich muss man so ehrlich sein und sagen, dass dies Altherrenmusik ist. Das feierliche „Somewhen“ schlägt in dieser Hinsicht alles. „I Told On You“ ist die Sorte Altherrenpop, die auch Paul Carrack macht. Mit progressiver Musik hat das nichts zu tun. „Last Chance Motel“ ist gut abgehangener, handgemachter Pop – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 

„Image Of The Beast“ kommt noch am ehesten aus einer progressiven Richtung. Das erinnert dann wirklich ein bisschen an die guten, alten Zeiten. Von Eric Clapton könnte man sich das aber auch gut vorstellen. „Soldier“ hat so ein bisschen eine verträumte Reggae-Note, ist aber auch extrem kitschig. Die Generation Ü50 wird sich über eine Nummer wie „Don´t Get Caught“ sicher freuen und bei knisterndem Kaminfeuer noch mal über die guten, alten Zeiten sprechen. Das luftige und beschwingte „Neighbour“ dürfte jedes Dorffest zum Kochen bringen. Und ja, mit „Sunday Morning“ wird es dann auch noch melancholisch und kitschig. „Businessman“ und „Can´t Say That“ rocken wenigstens ein bisschen. Alles in allem ist das aber ein bisschen wenig.

 

Fazit: Mit „Novum“ feiern Procol Harum 50-jähriges Bandjubiläum. Über weite Strecken ist das ein langweiliges Album. Natürlich ist das handwerklich gut gemacht, aber das Songwriting ist doch recht unspannend. Altherrenmukke, die sich eben an die älteren und gesetzteren Semester richtet. Ausschließlich für Hardcore-Fans interessant!

 

Text: Torsten Schlimbach

Procol Harum: A Salty Dog (Deluxe Edition)

Procol Harum: A Salty Dog (Deluxe Edition)

Esoteric/H´art

VÖ: 31.07.2015

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Von Procol Harum wird neben „Home“ nun auch „A Salty Dog“ noch mal in einer erweiterten Version veröffentlicht. Mit dem Album konnte die Band immerhin unter Beweis stellen, dass da mehr als nur eine Single in ihnen schlummerte. Die Truppe wird zwar immer für „A Whiter Shade Of Pale“ in Erinnerung bleiben, aber dafür ist das einer dieser Welthits, der die Jahrzehnte überdauern wird. Mit „A Salty Dog“ bewiesen Procol Harum aber nachhaltig, dass sie auch eine Albumband sind. Leider implodierte die Kapelle immer mehr und es kam zu ständigen Besetzungswechseln. Gary Brooker blieb die einzige Konstante im Line-up.

 

Esoteric Recordings scheint die richtige Heimat für diese Wiederveröffentlichung zu sein. Esoterisch ist die Musik von Procol Harum freilich nicht und doch passt das kaum in ein anderes Schema. Wem King Crimson zu verkopft ist, der wird mit dieser Band hier aber sicher eine sehr schöne Alternative finden. „A Salty Dog“ verbindet wunderbar die verschiedenen Musikwelten, die Procol Harum immer miteinander verwoben haben. Die Musik ist ein großes Stück von der Klassik inspiriert, aber ebenso findet sich da ein großer Blues- und Rockanteil wieder. Die Songs wurden übrigens von den originalen Masterbändern überarbeitet, dazu gibt es neue Liner Notes von Henry Scott Irvine. Die Aufmachung im ausklappbaren Digipack darf durchaus als gelungen bezeichnet werden und dass neben dem Booklet auch noch ein kleines Poster mit den Texten auf der Rückseite enthalten ist, verfestigt den positiven Gesamteindruck, den die Optik hinterlässt.

 

„A Salty Dog – gemeint ist der Song – ist ein kleines, episches Meisterwerk. Der Aufbau von den sanften Klängen bis zum bombastischen Ausbruch ist schon sensationell. Das klingt nach großer Theater- und Musicalbühne. Soundtechnisch ist „The Milk Of Human Kindness“ ein Genuss. Der klare Gitarrenklang kommt aus einer Box angeschweppt, während die Orgel auf der anderen Seite den Weg in die Gehörgänge sucht. Es vermischt sich auf geheimnisvollen Wegen. Die verschleppten Drums halten das Stück auf wunderbare Art und Weise zusammen. Auch die sanfte und akustische Seite von Procol Harum wird mit „Too Much Between Us“ sehr schön in Szene gesetzt. „The Devil Came From Kansas“ schraubt den Klassikanteil deutlich runter und ist wesentlich rockiger. Wer schon immer ein Xylophon in der Rockmusik hören wollte, wird mit „Boredom“ sehr glücklich werden. Irgendwie erinnert einen die Nummer an ein Kinderlied. Mit dem Blues von „Juicy John Pink“ und Mundharmonikaeinsatz folgt dann die Kehrtwende auf dem Fuße. Der Song stammt aus der Feder von Gitarrist Robin Trower, der auch gleichzeitig den Gesang übernommen hat. Macht Spaß und zeigt die Band von einer gänzlich anderen Seite. „Wreck Of The Hesperus“ wird von Keyboarder Matthew Fischer gesungen, wodurch das Stück allerdings auch etwas an Durchschlagskraft verliert. Das Pianothema ist sicher nett, mehr aber auch nicht. „All This And More“ lebt von der wunderbar schwingenden Gitarre, die im weiteren Verlauf auch etwas an Dreck zulegt. Der Gesang geht auch hier in eine theatralische Richtung und passt perfekt zu den Arrangements und der musikalischen Umsetzung. „Crucifiction Lane“ schleppt sich danach etwas ziellos dahin. Mit „Pilgrims Progress“ gibt es ganz zum Schluss einen typischen Procol Harmun-Song, der entfernt an den einzigen richtigen Welthit der Band erinnert.

 

Die zweite CD enthält 12 Bonussongs, 5 davon bisher unveröffentlicht. Dass Procol Harum mal eine ganz famose Live-Band waren, unterstreichen die ersten drei, bisher unveröffentlichten Titel aus der BBC Radio One Session „Top Gear“. Und rockig waren die Jungs. „Wish Me Well“ ist schon ein ziemliches Brett. Auch „Skip Softly (My Moonbeams)“ zeigt, dass sich dreckige Gitarren und eine klassische Orgel nicht ausschließen müssen. „Long Gone Geek“ spiegelt sowieso den damaligen Zeitgeist wieder. Ja, Procol Harum waren mal verdammt gut! Dies unterstreichen auch die Live-Tracks, die in den USA im April 69 aufgezeichnet wurden. Die fünf Stücke sind zwar allesamt bekannt, aber das mindert ja in keinster Weise den Hörgenuss. Man muss sich ja nur in den Blues von „Goin´ Down Slow“ fallen lassen und wird eine Offenbarung erleben. Klanglich ist das natürlich auch hervorragend! Mit dem bluesigen „Juicy John Pink“ gibt es einen weiteren, unveröffentlichten Song aus der BBC Radio One Session. Gutes Ding! Dazu hat man noch den Mono Mix von „A Salty Dog“ und „Long Gone Geek“ - die Single B-Seite - gepackt. „The Milk Of Human Kindness“ als Take 1 aus den Abbey Road Studios rundet die Bonussektion sehr schön ab.

 

Fazit: „A Salty Dog“ ist eines der besten Alben von Procol Harum, wenn nicht sogar das beste überhaupt. Jetzt wird die Platte erneut veröffentlicht. Auf einer zweiten CD gibt es jede Menge Bonusmaterial, teilweise unveröffentlicht. Procol Harum unterstreichen hier nachhaltig, dass die Band zur damaligen Zeit auch stark vom Blues und Rock beeinflusst war. Gerade die Live-Tracks stellen dies eindrucksvoll unter Beweis. Das Album gehört in jede vernünftige Musiksammlung. Punkt!

 

http://www.procolharum.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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