Popol Vuh: Affenstunde/Nosferatu

Popol Vuh: Affenstunde/Nosferatu

BMG

VÖ: 26.04.2019

 

Über Popol Vuh erzählt man sich gar wunderliche Geschichten. Man sagt, dass die Band zu den Pionieren der elektronischen Musik und des Progressiven Rocks aus Deutschland zählt. Pioniere des Krautrock, bevor der Krautrock überhaupt erfunden wurde. Dies kann nun einer ausführlichen Prüfung unterzogen werden, denn BMG veröffentlicht den Katalog erneut. Die Alben werden in wertigen CD-Digipacks neu aufgelegt. Für das neue Remastering zeichneten sich Guido Hieronymus und Frank Fiedler aus. Die Booklets sind jeweils sehr umfangreich und aufschlussreich und mit vielen Bildern und Linernotes versehen.

 

Das Debüt „Affenstunde“ wird vom klassisch ausgebildete Pianist Florian Fricke dominiert, da Fricke sich seinerzeit einen Mog III leisten konnte, der wiederum das Grundgerüst für „Affenstunde“ stellt. Der Mog III war ja nicht gerade klein und zeitweise war in Deutschland nur Eberhard Schoener im Besitz eines solchen Instruments. Das heilige Buch der Maya war eine Inspirationsquelle für Fricke und zusammen mit dem Keyboarder Frank Fiedler und Holger Trülzsch als Perkussionist entstand „Affenstunde“.  Vogelgezwitscher und Wasserplätschern eröffnen den ersten Teil von „Ich Mache Einen Spiegel“ jenem dreigeteilten Stück. Danach dröhnt und dröhnt es und mit Musik im ursprünglichen Sinne hat das nur wenig zu tun. Der Titeltrack „Affenstunde“ hat hingegen in mehr als 18 Minuten schon meditativen Charakter. „Train Through Time“ wurde 1997 von Fricke und Fiedler auf einem Ensoniq TS 12-Synth komponiert und enthält Samples von Zuggeräuschen. „Affenstunde“ gilt ja in den einschlägigen Kreisen als eines der wegweisenden Alben eines Genres. Meine persönliche Meinung: unhörbar und von der Musik so weit entfernt wie der Hamburger SV vom Gewinn der Champions League.

Werner Herzog und Florian Fricke verband eine künstlerische Freundschaft und somit ist es wenig überraschend, dass es immer wieder zur Zusammenarbeit kam. Unter dem Titel „Nosferatu“ erschien 1978 der Soundtrack zum gleichnamigen Film, der schnell Kultstatus entwickelte. Kinski lieferte da brillant ab. Herzog bat Fricke um Musik, die Angst verbreiten sollte. Erst 2004 erfuhr „Nosferatu“ allerdings die Bearbeitung, wie man sie heute kennt, denn erst dann wurden die beiden Alben „Brüder Des Lichts“ und „On The Way To A Little Way“ zusammengefasst. Hieronymus und Fiedler haben jetzt genau dieses Album neu remastered.

 

Die Tracks sind teils sphärisch angehaucht, dann wiederum wird ein mittelalterliches Flair verbreitet oder eine beklemmende Stimmung bestimmt die Szenerie. Das entfaltet teilweise hypnotische Kraft und ist ganz weit vom Debüt von Popol Vuh entfernt. New Age der besonderen Art. Schaurig schön. Das gefällt dann auch dem Rezensenten.

 

Fazit: Popol Vuh waren wohl nie eine Band, die man mit normalen Maßstäben messen konnte. Warum das so ist, erzählen „Affenstunde“ und „Nosferatu“ zwei Alben, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Pioniere der elektronischen Musik oder des Prog oder des Krautrocks. Unhörbar und dann wieder betörend schön. Die Aufmachung der CD-Digipacks ist formidabel und somit kommen Fans voll und ganz auf ihre Kosten!

 

http://www.popolvuh.nl/d/

 

Text: Torsten Schlimbach

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch