Phil Manzanera: The Sound Of Blue

Phil Manzanera: The Sound Of Blue

Universal

VÖ: 20.03.2015

 

Wertung: 7,5/12

 

Phil Manzanera ist nicht nur als Songwriter und Leadgitarrist von Roxy Music in die Geschichtsbücher eingegangen, auch als Produzent hat er sich einen guten Ruf erarbeitet. David Gilmour, respektive Pink Floyd, schwören auf seine Dienste. Zudem gehört Manzanera das State Of The Art Gallery Studio in London. Er hat die Gitarre aber noch nicht aussortiert und arbeitet immer wieder an Songskizzen, Ideen und Musik. Jetzt gibt es mit „The Sound Of Blue“ ein ganz besonderes Werk zu hören, denn Phil Manzanera hat hier sein Leben vertont. Dies ist seine Geschichte, angefangen bei den 60ern. Kann man die Geschichte überhaupt anhand von zehn Songs erzählen? Auf der anderen Seite dürfte es durchaus von Vorteil sein sich da auf das Wesentliche zu beschränken und dies hat der Mann offensichtlich getan.

 

Zugegeben, „The Sound Of Blue“ ist schwere Kost. Man muss sich in dieses Projekt erst hineinfinden. Wem das letzte Pink Floyd Album gefallen hat, könnte auch an diesem Werk seine helle Freude haben. Phil Manzanera driftet da aber nicht so bedenklich in die Esoterikecke ab. „Mi Casa“ ist allerdings schon sehr nahe dran. Man merkt schon, dass er hier einen roten Faden verfolgt und mittels Musik eine Geschichte erzählt. Auch „Conversation With Andy Mackay“ plätschert zunächst sphärisch dahin. Träumerische Musik zur Entschleunigung des Alltags. Das Stück nimmt aber noch an Fahrt auf und selbstverständlich wird dem Saxofonisten von Roxy Musik auch musikalisch die Ehre erwiesen. „The Sound Of Blue“ steckt zwar in einem festen Soundschema fest und doch gibt es da genug Variationen, die für Abwechslung sorgen.

 

Das instrumentale Tagebuch beginnt mit sehnsuchtsvollen Klangtupfern. „Magdalena“ gedenkt der Kindheit des Gitarristen in den 60ern in Lateinamerika, was sich nach und nach im Klangbild widerspiegelt. Natürlich ist das auch mit seiner kolumbianischen Mutter verbunden. Die Gitarrensoli fallen hier übrigens nicht negativ als Sportübung auf. Dafür wurde einfach viel zu viel drumherum gebaut. Ein grooviger Auftakt. „1960 Caracas“ pluckert sogar aus den Boxen. Locker und beschwingt kommt der Titeltrack - „The Sound Of Blue“ - daher. Manzanera befasst sich da mit einer Phase seines Lebens, wo offensichtlich alles passte. „Rosemullion Head“ ist das vielleicht schönste Pink Floyd-Gitarrenmotiv, welches nie auf einem Pink Floyd Album zu hören war. Mit „Halmstad“ geht die Reise weiter nach Schweden. Unruhige und aufregende Zeiten müssen das wohl gewesen sein. Die Musik lässt zumindest Rückschlüsse darauf zu und Phil Manzanera dürfte dort einiges erlebt haben. „Tramuntana“ wirft die Angel – nicht nur musikalisch – nach Spanien aus. Dies ist das Schöne an diesem Instrumentalwerk, dass man (fast) immer hört, wo man sich gerade befindet. Die Gitarre steht dabei selbstverständlich im Zentrum, aber nicht auf eine unangenehme Art. Bei „No Church In The Wild“ handelt es sich ganz zum Schluss um eine Interpretation des guten Phil von einem Jay Z und Kanye West Song, die wiederum ihrerseits ein Gitarrenriff von Manzanera für das gemeinsam Album „Watch The Throne“ verwendet hatten. So schließt sich der Kreis im Jahr 2012.

 

Fazit: „The Sound Of Blue“ von Phil Manzanera ist ein interessantes Werk, welches ein musikalisches Tagebuch verschiedener Stationen seines Lebens darstellt. Die Gitarre ist der unumstrittene Mittelpunkt, aber durch seine Kindheit in Lateinamerika, seine Zeit in Schweden und Spanien, aber natürlich auch bei Roxy Music hat sich das alles auf den Sound ausgewirkt und niedergeschlagen. Der rote Faden ist zu jeder Zeit hörbar zu erkennen, der Künstler hat aber genug Raum für Variationen und Abwechslungen gelassen. So wie das echte Leben eben ist. Zum Glück hält sich der esoterische Anteil in Grenzen.

 

Text: Torsten Schlimbach

 

http://manzanera.com/new/

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