Petterson: Blick Nach Vorn

Petterson: Blick Nach Vorn

Space Bee Records

VÖ: 29.09.2017

 

Wertung: 7,5/12

 

Die Schwemme deutschsprachiger Musik, die den Markt seit geraumer Zeit überflutet, ist unerträglich geworden. Insofern war die Lust nicht gerade besonders groß sich mit dem Debütalbum von Petterson auseinanderzusetzen. Kein Bock. Null. Im Nachhinein war das eine gute Sache, denn so war die Überraschung, die „Blick Nach Vorn“ definitiv ist, umso größer. Die vier Herren stellen damit die musikalische Welt nicht auf den Kopf, aber im Kleinen können diese Songs mitunter hin und wieder eine echte Bereicherung sein.

 

Petterson erinnern ein bisschen an Kettcar. Dieser Vergleich wird jetzt nicht gezogen, weil diese Jungs auch Nordlichter sind. Die Bremer und Hamburger Musikanten eint aber nicht nur so manche musikalische Ausrichtung, sondern auch die hörbare Liebe zur Heimat da oben. See, Meer, Stand, Sturm. Petterson können zwar nicht mit einer so markanten Stimme, wie sie Wiebusch hat, aufwarten, aber das Zusammenspiel von Gesang und Musik ist schon gut. Oftmals schwingt dieser melancholische Unterton mit, wie bei „Sturm In Der Stadt“. Mit dem zupackenden Indiepop von „Berg“ wird das Album mit jubilierenden Gitarren eröffnet, wodurch gleich ein positiver Einstieg gelungen ist. „Reparieren“ setzt das gekonnt fort. Handgemachter Indiepop – eine gute Sache!

 

„Gleis 7“ fängt als Ballade an, kriegt aber noch mehr Zug rein. „See“ fährt noch mehr runter. Ein nostalgischer Blick zurück. „Flüsse“, „Leuchtturm“, „Tau“ - so hießen Lieder aus dem Norden. Klar. Es sind gute Lieder. „Leuchtturm“ rockt sogar. Petterson feiern mit diesem Album auch die Freundschaft. Das liegt den Jungs am Herzen, das kristallisiert sich deutlich heraus. „Musik“ feiert mit feinstem Indiepop das Leben, die Musik, einfach alles. Die Uhr tickt? Egal. Die Musik wird geliebt. So oder so. Das Album heißt „Blick Nach Vorn“. Song 12 auch. Nimmt man das Covermotiv, dann sieht man, dass man nichts sieht. Der Song strahlt dafür musikalisch umso heller. Schritt für Schritt geht es weiter. Kein Blick zurück. Fortlaufen. Bis an das Ende der Welt. Inwieweit wegrennen eine Option ist muss schließlich jeder für sich selber entscheiden. „Auf Das, Was War“ ist im Grunde ein trauriges Ende. Das Schlagzeug treibt die Musik zwar unaufhörlich an, aber textlich ist das schon eher ein Griff in die Trauerkiste. Man kennt das ja, wenn man zurückkommt, aber ein bestimmter Mensch nicht mehr da ist.

 

Fazit: Petterson liefern mit „Blick Nach Vorn“ ein gutes, deutschsprachiges Indiepopalbum ab. Die Band treibt die Irrungen und Wirrungen der Liebe um, aber natürlich auch die Freundschaften und die Liebe zur Heimat. Das wird mal in zupackende Klänge und dann wiederum in melancholische Töne verpackt. Ein echtes Orchester gibt es zudem als Sahnehäubchen dazu. Kann mal alles machen und die Welt dreht sich trotzdem wie gewohnt weiter.

 

http://petterson.space-bee-records.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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