Panic! At The Disco: Too Weird To Love, Too Rare To Die!

Panic! At The Disco: Too Weird To Live, Too Rare To Die!

Warner

VÖ: 04.10.2013

 

Wertung: 6/12

 

Panic! At The Disco legten einst mit dem Debüt „A Fever You Can´t Sweat Out“ ein kleines Meisterwerk vor. Die nächsten Platten konnten da nicht mehr ganz anknüpfen, aber immerhin noch hier und da für ein kleines Aha-Erlebnis sorgen. Mit „Too Weird To Live, Too Rare To Die“ ist die Vorliebe für lange Albumtitel zwar geblieben, aber ansonsten wird sich jetzt schwer in Richtung Mainstreampop verabschiedet. Ja, da waren Panic! At The Disco schon immer zu finden, aber nicht so konsequent wie jetzt. Brendon Urie hat im Vorfeld der Platte verkündet, dass er all diese Sounds im Kopf hatte. Viele können es allerdings nicht gewesen sein, denn vieles hier ist einfach die übliche Kost, die einen jeden Tag belästigt. Gleichschaltung wohin die Ohren auch hören.

 

Butch Walker hat die knallbunten Songs produziert. Las Vegas lässt grüßen. Das kennt man ja auch von einer anderen Band die eine ähnliche Richtung eingeschlagen hat: The Killers. Panic! At The Disco sind da nicht weit von entfernt und suhlen sich ebenfalls gerne in diesem beliebigen Poptümpel. Die stetig wachsende Sammlung klassischer und moderner Synthesizer will eben eingesetzt werden. „Too Weird To Live, Too Rare To Die!“ ist allerdings auch keine Vollkatastrophe, was aufgrund des hin und wieder doch guten Songwritings zum Glück nicht möglich war.

 

Die beiden ersten Songs - „This Is Gospel“ und „Miss Jackson“ - sind ja schon bekannt. Es sind die besten Tracks der Platte. Besonders „Miss Jackson“ sticht da heraus. Hier zeigt sich auch, dass sich Hitqualitäten und ein halbwegs spannender Ansatz nicht ausschließen müssen. Die Nummer groovt, gefällt mit einem interessanten Aufbau und rockt auf eine spezielle Art sogar. Der Percussion-Einschlag weiß durchaus zu überzeugen. „Vegas Lights“ rettet immerhin noch den Groove herüber. Der Aha-Singsang setzt sich zudem noch in den Gehörgängen fest – kann schnell unangenehm werden.

 

Der roboterartige Gesang von „Girl That You Love“ entpuppt sich danach eher als Griff in die Mottenkiste der 80er und „Nicotine“ ist dann endgültig auf dem Wühltisch der Popdutzendware angekommen. „Girls/Girls/Boys“ kann da auch nicht mehr punkten. Das dramatische „Casual Affair“ hat mit seinen bombastischen Zwischentönen noch ein bisschen was im Köcher, damit das Album nicht volleneds absäuft. „Far Too Young To Die“ fällt aber leider wieder in das alte Muster zurück. Auch „Collar Full“ würde man eher von Erasure erwarten. „The End Of All Things“ löst zum Schluss tatsächlich noch mal einiges ein, was man sich von diesem Album versprochen hatte. Und dann ist nach zehn Songs auch schon wieder Schluss. Reicht aber auch.

 

Fazit: „Too Weird To Live, Too Rare To Die!“ von Panic! At The Disco spurtet direkt durch zum Radiopop. In Ansätzen hat das Album durchaus seine Momente die aufhorchen lassen. Leider ist das insgesamt zu wenig und es geht auf direktem Weg in die Mainstreamabteilung, wo man sich dann mit The Killers gegenseitig auf die Füße tritt. In den besten Phasen ist das mehr als solide Popmusik, nur hätte man sich davon noch mehr gewünscht.

 

http://www.panicatthedisco.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Panic! At The Disco: Vices & Virtues

Panic! At The Disco: Vices & Virtues
Warner

 

Wertung: 7,5/12


Der Werdegang von Panic! At The Disco ist nicht ganz alltäglich. Zunächst startete die Band als reine Coverband. Man nahm sich die Songs von blink-182 zur Brust und erfreute die nähere Umgebung von Las Vegas damit. Einen größeren Bekanntheitsgrad erlangte man schließlich - wie mittlerweile üblich - als sich Links zur bandeigenen Homepage in verschiedenen Portalen im Internet wiederfanden. Die ersten Demoaufnahmen machten die Runde und letztlich konnte sogar noch das Musikfernsehen in seiner ursprünglichen Form der Band auf die Sprünge helfen. Im Januar 2006 feierte das Video zur ersten Single „I Write Sins Not Tragedies" bei MTV Premiere. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.


Panic! At The Disco bekamen allerdings keine Konstanz in das Bandgefüge und so gab es doch einige Besetzungswechsel. Mit „Vices & Virtues" steht nun das dritte Album in den Läden. Als Duo wird nun das nächste Kapitel aufgeschlagen und die beiden Multiinstrumentalisten Brendon Urie und Spencer Smith zeigen mit dieser Platte mehr denn je, dass sie große Musikaufführungen lieben.


Ist das noch Alternative-Rock? Pop-Punk? Ja und nein! Diese zehn Songs vereinen viele Welten und natürlich ist das immer nahe am Rock dran. Die Melodien haben fast allesamt Ohrwurmqualitäten und somit ist natürlich auch der Pop immer allgegenwärtig. Die Funpunk-Schiene werden Panic! At The Disco ganz sicher auch immer im Gepäck haben. Trotzdem hören sich diese großen Arrangements an, als wären sie einem Musical entsprungen. Die große Varieté-Show ist da nicht mehr weit. Allerlei Kirmes und Klimbim wird dabei eingebaut und zu großem Bombast aufgetürmt.


Das ist fast durchgängig tanzbar und immens eingängig. Vielleicht könnte man bemängeln, dass das Ergebnis kaum Ecken und Kanten aufweist. Hört man aber genauer hin, dann gibt es die vielen kleinen Spielereien im Hintergrund, die diese Songs so liebenswert machen. Und so ein kleines bisschen Jazz wurde ebenfalls für dieses Album entdeckt.


„Vices & Virtues" hat überall kleine Nettigkeiten versteckt, die das Fanherz erfreuen dürften. So fängt „The Ballad Of Mona Lisa" beispielsweise wie ein Kinderlied an, schwillt dann aber zur großen Pophymne an. „Let´s Kill Tonight" nimmt ein Dancethema auf und mit „Hurricane" scheint es dann endgültig auf den Kirmesplatz zu gehen. Der Bombast ist nie weit, „Memories" unterstreicht das nachhaltig. Der Refrain ist natürlich wieder ein absoluter Ohrwurmbrüller.

 

Die Glöckchen klingeln „Trade Mistakes" zunächst in eine heimelige Ecke, aber auch die Nummer schwingt sich natürlich in die höchsten Popgefilde auf. Die ruhigen Streicherpassagen dienen da nur als Verschnaufpause. Mit „Always" haben Panic! At The Disco dann eine Ballade eingestreut, die zuckersüß alles im näheren Umkreis verkleben wird. Auf den Balkan geht es übrigens mit „Sarah Smiles" auch, bevor „Nearly Witches (Ever Since We Met...)" noch mal das ganze Programm abfährt. In der Nummer findet sich quasi die Essenz der gesamten Scheibe wieder.


Fazit: „Vices & Virtues" zeigt abermals, dass Panic! At The Disoc nur in großen Dimensionen denken. Diese Songs sind bombastische Pophymnen, die in gewisser Weise sogar die Herkunft des Duos vertonen: Las Vegas. Da wird so manche Illusion auf den Hörer losgelassen. Große Arrangements aus der Welt der Gaukler und der Kirmesplätze werden aufgetürmt. Dabei dürfte die eine oder andere Single abfallen, denn das Album besteht letztlich aus zehn potenziellen Hits. Melodien und Ohrwürmer schütteln die beiden jedenfalls mit Leichtigkeit aus dem Ärmel. Manchmal lässt man sich ja gerne in eine Welt voller Illusionen entführen...anders funktioniert das hier auch nicht.


http://www.panicatthedisco.com/


Text: Torsten Schlimbach

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