Paloma Faith: A Perfect Contradiction

Paloma Faith: A Perfect Contradiction

Sony

VÖ: 13.06.2014

 

Wertung: 8/12

 

Paloma Blomfield ist in ihrer britischen Heimat längst kein Geheimtipp mehr. Als Paloma Faith mischt sie da seit 2009 die Musikszene auf. Sie geht den Weg weiter, den Amy Winehouse oder Duffy schon beschritten haben. Dies ist auch nicht weiter überraschend, denn die ausgebildete Jazzsängerin erhielt einst ein Angebot als Backgroundsängerin für Winehouse zu arbeiten. Paloma Faith zog es allerdings vor eine eigene Karriere zu starten. Hierzulande konnte sich die Dame mit ihren bisherigen zwei Alben noch nicht so richtig in die Herzen der Menschen singen. Dies soll „A Perfect Contradiction“ nun ändern. Die Veröffentlichungspolitik ist allerdings wieder sehr seltsam, denn auf der Insel ist die Platte bereits seit März erhältlich. Fans werden sich das Ding also schon besorgt haben.

 

Dass die Dame mit einem großen Talent gesegnet ist, hat sich selbst bis zu Pharrell Williams herumgesprochen, denn die erste Single - „Can´t Rely On You“ - wurde mit dem Mann der Stunde aufgenommen. Williams war es, der mit Faith arbeiten wollte, was schon bemerkenswert ist, denn eigentlich hätte man diese Konstellation genau andersherum erwartet. Williams hat den Song für Faith geschrieben und beide machten daraus ein kleines Funk-Monster. Es wird so langsam aber auch ein bisschen langweilig im Hause Williams, denn das ist letztlich nur aus dem Baukasten entliehen und daraus beliefert er beispielsweise auch Robin Thicke. Letztlich ist das eine große Mogelpackung mit einem prominenten Sidekick.

 

„Mouth To Mouth“ würde auch ein Plätzchen auf dem letzten Album finden. Ein schöner Dancetrack, der an Dionne Warwick erinnert. John Legend griff Paloma Faith bei „Take Me“ unter die Arme. Die Nummer groovt und funkt. Das macht durchaus Spaß, nutzt sich aber auch schnell ab. Diane Warren wiederum schrieb „Only Love Can Hurt Like This“. Die Ballade im Motown-Stil ist der erste Höhepunkt dieser Platte. Die Klangfarbe in der Stimme von Paloma Faith ist einfach wie gemacht für derartige Songs. Gänsehaut ist da vorprogrammiert. Dies gilt auch für „Other Woman“. Zunächst zeigt sich dieses Stück noch nicht in seiner vollen Pracht und fängt recht verhalten an, wechselt aber schnell die Richtung hin zum opulent arrangierten Pop. Die Bläser sorgen schließlich für das Salz in der Suppe. „Taste My Own Tears“ wendet sich danach wieder der Vergangenheit zu. Könnte auch ein neues Stück von Duffy sein. Diese Art des Souls – abermals im Motown-Stil – zaubert dem Zuhörer einfach ein Lächeln ins Gesicht.

 

„Trouble With Me Baby“, eine Uptempo-Nummer, ist schon nicht so schlecht, erinnert aber frappierend an „Mercy“ von Duffy, was wiederum für einen etwas faden Beigeschmack sorgt. „The Bigger You Love (The Harder You Fall)“ wechselt dann wieder zum Soul. Das ist überhaupt die Masche der Platte, denn auf Dancepop folgt dann wieder ein souliger Song. Letztgenannte Tracks überzeugen dabei aber wesentlich mehr als die beatgetriebenen. Auch stimmlich passt dass Soulgewand wesentlich besser zu Paloma Faith. „Impossible Heart“ bittet danach – Oh Wunder – wieder zum Tanz. Die paar elektronischen Spielereien und die moderne Produktion sorgen dafür, dass das von den Leuten im Jahre 2014 auch angenommen wird. „Love Only Leaves You Lonely“ ist eine weitere soulige Ballade, bei der die Stimme von Paloma Faith im Mittelpunkt steht und sich voll entfalten kann. „It´s The Not Knowing“ müsste dann nach dem Gesetz der Serie wieder das Fach wechseln. Zum Abschluss hat man sich dann aber etwas Neues ausgedacht und der Song ist das verbindende Element zwischen Soul, Funk und Dance(pop) und somit die Schnittmenge der Platte.

 

Fazit: „A Perfect Contradiction“ ist beileibe kein schlechtes Album und zeigt, dass Paloma Faith eine herausragende Sängerin ist. Vielleicht wird sie auch noch eine gute Songschreiberin, einstweilen ist sie auf die Hilfe von anderen angewiesen. Das zerstört leider etwas das einheitliche Bild der Platte. Vieles klingt auch zu sehr nach Reißbrettentwurf. Wenn man so will, dann kriegt man hier zwei Alben geliefert, nämlich einmal ein Soul infiziertes und dann eines, welches sich am Dancepop versucht. Der Soul passt aber wesentlich besser zu Paloma Faith. Hinter einer Duffy oder Amy Winehouse braucht sich die Dame jedenfalls nicht zu verstecken.

 

http://www.palomafaith.com/de/

 

Text: Torsten Schlimbach

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Paloma Faith: Fall To Grace (Deluxe Edition)

Paloma Faith: Fall To Grace (Deluxe Edition)

Sony

VÖ: 29.06.2012

 

Wertung: 8/12

 

Paloma Faith ist eine der Wenigen, die den Spagat schafft sich sowohl als Schauspielerin einen Namen zu machen, aber auch als Sängerin zu überzeugen. „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ war eine der letzten großen Produktionen und Filmrollen, bei der sie mit von der Partie war. Ihr Album „Do You Want The Truth Or Something Beautiful?“ hat nun auch schon drei Jahre auf dem Buckel. Damit ihre Gesangskarriere kein Staub ansetzt und nicht stagniert, folgt mit „Fall To Grace“ nun der Nachfolger. Das komplette Album entstand übrigens unter der Regie von der Legende Nellee Hooper. Für das Songwriting zeichnet sich Paloma Faith höchstpersönlich verantwortlich oder war daran entscheidend beteiligt.

 

Wenn man einen Nellee Hooper haben kann, dann überlegt man sicher nicht ein zweites Mal. Immerhin griffen schon Madonna, Massive Attack und Björk auf diese Dienste zurück. Ob sich Paloma Faith allerdings damit einen Gefallen getan hat? Es darf zumindest angezweifelt werden! Kommerziell dürfte sich dieses Verbindung sogar auszahlen. „Fall To Grace“ ist voll von Mainstreampop. Man möchte – nein, man muss vielmehr – leider auch sagen, dass der oftmals von der Stange kommt. Die 26-jährige weiß vermutlich selber gar nicht, wie gut sie ist! Gerade stimmlich ist das in den reduzierten Momenten oftmals eine Wucht!

 

Wer die volle stimmliche Bandbreite von Paloma Faith genießen möchte, der sollte bitte unbedingt zur Deluxe Edtion von „Fall To Grace“ greifen. Hier gibt es gleich fünf Songs der Platte in einer Akustikversion. Dabei steht die Stimme der Sängerin voll und ganz im Fokus. Lediglich dezenter Backinggesang und ein Piano begkleiten sie. Hier lässt sie derart die Hosen runter, dass einem Hören und Sehen vergeht. Besonders „Just Be“ und „Agony“ sorgen für eine fette Gänsepelle!

 

Das eigentliche Album kann da leider nicht immer mithalten. „Picking Up The Pieces“ geht ja noch in Ordnung, zumindest wenn man auf Mainstreampop für die Charts abfährt. Auf „30 Minute Love Affair“ trifft das leider nicht mehr zu. Man hatte gehofft, dass derartiger Keyboardklimbim niemals mehr die 80er-Mottenkiste verlässt. So kann man sich täuschen. Da kommt das soulige „Black & Blue“ doch schon wesentlich gefälliger daher. Selbst die Beats stören nicht mehr sonderlich. Wie gut Paloma Faith aber sein kann unterstreicht die Ballade „Just Be“ und das eindringliche „Let Me Down Easy“, welches ganz in der Tradition einer Amy Winehouse steht. Anschließend geht es wieder in die Popdisco. Das ist nicht schlecht, aber Paloma Faith ist damit eigentlich völlig unterfordert. Einzig „Agony“ zeigt, dass die Stimme auch trotz des poppigen Ansatzes in den Mittelpunkt gerückt werden kann. Das gospelartige „Freedom“ und das sakrale „Streets Of Glory“ sind zum Schluss noch mal wundervolle Akzente, die dieses Album mit einem Ausrufezeichen beenden.

 

Fazit: „Fall To Grace“ von Paloma Faith ist ein Album mit viel Licht und ein wenig Schatten. Diese Anbiederung an den Mainstreampop hätte man sich schenken können. Soul und ihre Stimmkraft hätten es auch getan. So bleibt ein gutes Popalbum mit tollen Ausflügen in den Soul und manchmal sogar ins Gospelfach.

Die zweite CD der Deluxe Edition zeigt, dass Paloma Faith in dieser Hinsicht keines dieser Pophäschen ist. Mehr davon!

 

http://www.palomafaith.com

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch