Odeville: Rom

Odeville: Rom

PandaPanda/The Orchard/Soulfood

VÖ: 19.10.2018

 

Wertung: 7,5/12

 

Die Hamburger Band Odeville kann auf eine nun wirklich bewegte Geschichte zurückblicken. Seit 2006 werden kontinuierlich Alben aufgenommen. Selbstverständlich geht man damit dann auch auf Tour. Der Posten des Tieftöners musste dabei aber mehrfach neu besetzt werden. Für das nunmehr sechste Studioalbum „Rom“ hat man dann auch noch den Tour-Keyboarder zum festen Bandmitglied erkoren. „Rom“ ist dann auch das Stichwort. Der ganze Prozess hat sich über zwei Jahre hingezogen. Zwei harte Jahre, denn vier von fünf Bandmitgliedern hatten einen Burn-Out. Hierbei sei erwähnt, dass Odeville ja im Grunde nur das Hobby ist und die Herren auch noch einen Job und andere Projekte haben. Zeit den Akku aufzuladen bleibt da kaum. Eine 60-Stunden Woche kann schon hart sein. Produzent Arne Neurand, der auch schon beim Vorgänger dabei war, hat es geschafft mit diesen vier Wracks doch noch ein Album zustande zu bringen.

 

Sänger Hauke musste während dieser Phase auch noch den Tod seines Vaters verkraften. Er schrieb einen Großteil der Texte nach diesem schweren Schicksalsschlag neu. Vieles, was er bis dahin zu Papier gebracht hatte, erschien ihm unglaublich belanglos. „Rom“ ist somit auch ein ganz persönliches Werk geworden, bei dem die Texte auch mal voll in die Fresse gehen oder sehr nachdenklich und melancholisch ausgefallen sind. Der Albumauftakt „Königreich“ hat davon gleich beide Welten zu bieten. „Fick Dich“ wird da mehrfach ausgerufen. Die Musik ist dazu entsprechend laut und lärmend. Das Lied ist aufgrund des Refrains aber auch eine Hymne.

 

„Funkenwalzer“ ist das komplette Gegenteil. Die traurige Melodie reitet auf dem Bassmotiv und im Grunde ist das sogar sehr nahe an Silbermond oder Revolverheld zu finden. Ein Klaviermotiv und die sehnsuchtsvolle Gitarre leiten den Titelsong „Rom“ ein. Eine Mischung aus Popmusik und den Deftones wird einem da als Zuhörer geboten. Odeville sind sehr vielfältig aufgestellt. Dies kommt auch in „8mm“ zum Tragen. Auch gesanglich wird da der krachige Weg verlassen und dann ist das Popmusik die eher an Xavier Naidoo – nur in gut – erinnert. Eine positive Grundstimmung tut sich da auf.

 

„Bitte Ja Bitte Gleich“ lärmt sich dann wieder im Stil von Kraftklub durch den Gemüsegarten. „Schwarzfahren Mit Hintergrund“ lässt einen eher an Materia denken. Sehr direkter Gesang, sehr direkter Text. Schöne Gitarre. Der Hit wäre dann mit „Die Verlangsamung Der Zeit“ gefunden. „Halb Vier“ ist düster, aber auch zu verkopft. Das zündet nicht richtig. Da ist das straighte „Wunderwerk“ schon zielführender. So ein kleines bisschen weht da ein Beatsteaks-Vibe der letzten Jahre durch die Szenerie. „Arnim“ ist ganz netter Punkpop- „Kreisverkehr“ hingegen lebt vom Text, ist musikalisch aber leider ziemlich öde. Der Reggae bei „Herr Der Gezeiten“ ist jetzt auch nicht sonderlich spannend. „Gute Nacht“ knallt dafür in jeglicher Hinsicht rein. Opulent ausstaffiert jubiliert hier alles. Eine Hymne vor dem Herrn. „70.000 Meilen“ ist ein ganz starker Abschluss. Sämtliche Stärken von Odeville kommen da noch mal zum Tragen.

 

Fazit: Odeville veröffentlichen zwar beständig neue Alben, der ganz große Erfolg blieb bisher aus. Das sechste Album „Rom“ hat nun alle Zutaten um das zu ändern. Es gibt Songs, die durchaus Hitqualitäten besitzen und sich irgendwo zwischen Silbermond und Revolverheld einordnen. Dann wiederum gibt es Songs, die ordentlich reinknallen. Hymnen dürfen die Ohren auch vernehmen und textlich gibt es da auch einiges zu entdecken. Von düster bis zur positiven Grundstimmung reicht zudem die Atmosphäre. Unter den Umständen, die der Entstehungsprozess so mitbrachte, ist das alles höchst erstaunlich!

 

http://www.odeville.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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