Nówfrago: Now In Common

Nówfrago: Now In Common

Edel

VÖ: 18.10.2019

 

Wertung: 7/12

 

Bern ist nicht unbedingt als eine der Popstädte in Europa bekannt. Das könnte sich mit dem neuen Album von Nówfrago in künstlerischer Hinsicht nun aber ändern. Entstanden sind die Songs in Nordnorwegen. Natürlich lässt sich jetzt leicht sagen, dass man das dem Album auch anhört. Aber mal ganz ehrlich, selbst ohne dieses Wissen könnte man auf Skandinavien kommen. Die Songs sind eben anders als vieles, was man sonst so auf dem europäischen Markt kennt.

 

„Now In Common“ spottet im Grunde jeder Beschreibung. Hört man sich beispielsweise den Auftakt von „No Surrender“ an, dann könnte man schnell auf die Idee kommen, dass man es mit einer traditionellen Kapelle aus New Orleans zu tun hat. Die Posaune ist im Sound immer allgegenwärtig. Das ist mal schön, aber bisweilen auch ganz schön nervig. Nówfrago hatten aber sicher auch keine leichte Mainstreamkost im Sinn, als sie diese Songs aufgenommen haben. Trotzdem ist „Then The Pawn“ ein Beispiel für zu viel Posaune. Die Nummer könnte so schön sein, dieses Instrument versaut es aber einigermaßen.

 

Mit „Days In Everywhere“ startet das Album zunächst wie eines dieser elektronischen KlickerKlacker-Werke. Die Nummer entwickelt sich aber schnell zum Hit der Platte. Die Rhythmussektion treibt das wunderbar an und auch die Posaune passt sehr schön in das Klangbild. Der eindringliche Gesang rundet das formvollendet ab. Auf „Now In Common“ lauern überall ein paar Ideen, die immer etwas abseits der bekannten Hörgewohnheiten sind. „A Place To Hide“ erinnert dabei sogar an The Notwist. Das düstere „This Is How I Feel“ könnte man sich auch von Radiohead vorstellen. Der Titeltrack mäandert dann ein bisschen ziellos durch die Gegend. „Up Is The New Down“ hätte, wenn man das Tasteninstrument mehr in den Vordergrund gestellt hätte, eine wunderschöne Nummer werden können, so bleibt es ein mitunter nerviger Song mit wunderschönen Momenten. „Fredens Ni Liver“ ist die große progressive Klangkunst zum Schluss.

 

Fazit: „Now In Common“ ist ein sprödes, schwieriges, bisweilen künstlerisch sehr wertvolles Album. Diese Songs muss man sich erarbeiten (wollen). Musik als Kunstform, die aber auch berühren, aber eben auch nerven kann. Man muss für Nówfrago in einer ganz besonderen Stimmung sein, dies ist nämlich keine Musik für jeden Tag und schon gar keine Musik für die Hintergrundberieselung. Gut so!

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch