Motörhead: Under Cöver

Motörhead: Under Cöver

Silver Lining/Warner

VÖ: 01.09.2017

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Bevor jetzt einige allzu kritische Zeitgenossen das Schild mit dem Aufdruck „Ausverkauf“ oder „Leichenfledderer“ in das Fenster kleben, sei noch der Hinweis angebracht, dass sowohl Phil Campbell als auch Mikkey Dee an „Under Cöver“ beteiligt waren oder sich zumindest sehr positiv über die Songs, die Entstehung und die Veröffentlichung auslassen. Natürlich wird jetzt versucht, mit dem Nachlass von Lemmy Geld zu scheffeln, aber bei der vorliegenden Veröffentlichung darf man durchaus davon ausgehen, dass das durch die Qualitätskontrolle gegangen ist.

 

Mikkey Dee betonte im Vorfeld schon mehrfach, dass man, wenn man „Under Cöver“ hört, nicht vergessen sollte, dass beim Einspielen der Coversongs immer der Spaß im Vordergrund gestanden habe. Ausrede? Vorbeugen, falls es allzu kritische Stimmen gibt? Das ist sicher vom guten Mikkey nett gemeint, aber im Grunde war das völlig unnötig. Es gab ja auch nicht umsonst einen Grammy für die Version von „Whiplash“, die mitunter sogar besser als bei Metallica ist! Auch, wenn die Songs aus unterschiedlichen Phasen stammen und man das besonders der Stimme von Lemmy anhört, sind die durch die Bank gelungen. Mit anderen Worten: „Under Cöver“ macht eine Menge Laune. Bei den elf Tracks handelt es sich somit um würdige Interpretationen.

 

Die Liner Notes stammen übrigens von Mikkey und Phil! Das Booklet ist auch ganz informativ, da man zu jedem Song einen kurzen Abriss erhält, wann, warum und wo die jeweilige Nummer aufgenommen, veröffentlicht oder eingespielt wurde. Das ist doch mal was!

 

Den Anfang macht „Breaking The Law“. Das Ding kennt man ja schon von „A Tribute To Judas Priest“ aus 2008. Musikalisch ist das nahe am Original, durch den kehligen Gesang von Lemmy klingt das aber dreckiger und rotziger. „God Save The Queen“ stammt von „We Are Motörhead“. Es ist ja bekannt, dass das Trio ein Faible für die Sex Pistols hatte. Natürlich passt das auch gut zur Attitüde. Mikkey Dee lässt es hier ordentlich scheppern und Lemmy war damals noch im Vollbesitz seiner Kräfte.

 

Dann kommen wir zur Königsklasse, denn „Heroes“ von Bowie kann man nicht so einfach covern. Und wer könnte sich das schon in einer Motörhead-Version vorstellen? Dies ist übrigens eine der letzten Aufnahmen mit Lemmy aus dem Jahre 2015! Und sie ist ganz großartig geworden. Man hört förmlich, dass Herrn Kilmister daran sehr viel liegt und er sich richtig Mühe gegeben hat. Darf man bei Motörhead das Wort episch benutzen? In diesem Fall schon! Das hätte sicher auch dem Meister höchstperösnlich gefallen! „Starstruck“ von Rainbow singt übrigens mit Biff Byford der alte Weggefährte von Saxon ein. Lemmy war gesundheitlich derart angeschlagen, dass er die Lead Vocals nicht mehr packte. Somit hört sich das Ding auch eher wie eine Saxon-Coverversion an.

 

Mit „Cat Scratch Fever“ (Ted Nugent) hat man einen Song aus dem Jahre 1992 vom „March Or Die“-Album ausgewählt. Soweit so gut. Danach folgen zwei Höhepunkte von „Under Cöver“. Es ist ja bekannt, dass Lemmy großer Fan der Beatles war. Er hatte aber auch ein ausgesprochenes Faibel für die Stones. „Jumpin´ Jack Flash“ - ein Bonustrack der Re-Issue von „Bastards“ - ist schon ein ziemliches Brett. Motörhead geben dem Ding den Dreck zurück, den die Stones in all den Jahren verloren haben. „Sympathy For The Devil“ ist einfach großartig! Das liegt natürlich am Ausgangsmaterial, aber eben auch an der Art und Weise, wie sich Motörhead das Ding zur Brust genommen haben. Das Original wird nicht verfälscht, aber trotzdem ist das durch und durch Motörhead. Ein Höhepunkt auf dem letzten Studio-Werk „Bad Magic“!

 

„Hellraiser“ stammt ja sowieso aus der Feder von Lemmy und wurde auf dem Album „March Or Die“ veröffentlicht, jedoch ursprünglich Ozzy Osbourne für „No More Tears“ zur Verfügung gestellt, der dann noch ein bisschen mit Wylde daran gebastelt hatte. Die Motörhead-Version ist aber um Längen besser. Die Ramones und Motörhead waren Brüder im Geiste und so gibt es folgerichtig mit „Rockaway Beach“ den Song dazu. „Shoot ´Em Down“ für das Twisted Sister Tribute „Twisted Forever“ ist schön knackig auf den Punkt gebracht worden und knallt nach all den Jahren immer noch sehr schön.

 

Fazit: Wie vielfältig Motörhead klingen (können) und wie wandelbar die Stimme von Lemmy war, kann man nun noch mal auf „Under Cöver“ nachhören. Die Interpretationen dieser Klassiker sind in jeglicher Hinsicht sehr würdevoll ausgefallen. Die größten Überraschungen dürften „Heroes“ von Bowie und „Sympathy For The Devil“ von den Stones darstellen. Motörhead haben das auf ihre ureigene Art und Weise ganz famos eingenagelt. „Under Cöver“ macht nicht nur Spaß, sondern stellt auch eine Bereicherung für die Sammlung dar!

 

http://imotorhead.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Motörhead: Clean Your Clock (CD+DVD)

Motörhead: Clean Your Clock (CD+DVD)

UDR/Warner

VÖ: 10.06.2016

 

Wertung: 8/12

 

Lemmy von Motörhead verkörpert als das, was man sich von einem Rock and Roll-Leben vorstellt. Er war der Prototyp. Vermutlich war er sogar der Einzige, der dieses Leben mit allen Konsequenzen bis zum Schluss durchgezogen hat. Ein authentisches Urviech. Seit Lemmy den Rockzirkus auf Erden für immer verlassen hat, ist selbiger ein ganzes Stück ärmer geworden. Lemmy wird auf ewig eine Ikone sein. Er teilte stets das Schicksal der Ramones, die ebenfalls nie so viele Platten an die Frau und den Mann bringen konnten, wie es deren Bekanntheitsgrad eigentlich gerechtfertigt hätte. So mancher T-Shirt-Träger mit einem Logo von Motörhead wird nicht mal einen Songtitel benennen können. So ist das eben, wenn man schon zu Lebzeiten eine Legende ist. Jetzt wird mit „Clean Your Clock“ das Vermächtnis des Ian Fraser „Lemmy“ Kilmister und von Motörhead veröffentlicht.

 

Vier Jahrzehnte lärmten sich Motörhead durch die Clubs, Hallen und Festivalgelände dieser Welt. Die Shows am 20. und 21. November 2015 im Zenith in München wurden mitgeschnitten und die Quintessenz daraus wird nun auf CD und DVD veröffentlicht. Natürlich auch auf Vinyl. Farbig versteht sich. Und dann wäre da noch eine Box im allerlei Nippes, den vermutlich kein Mensch braucht, der Sammler und Fans aber extrem glücklich macht.

 

Lemmy war ja schon länger angeschlagen und nicht mehr der Alte. Guckt man sich diese Video hier an, dann wird einem das auch ganz schmerzlich vor Augen geführt. Da steht ein ausgemergelter, alter Mann, der kaum im Stande ist zu singen, geschweige denn noch irgendeine Show abzuziehen. Gut, Lemmy stand immer nur hinter seinem Mikro, trotzdem war seine Präsenz stets beachtlich. Auch körperlich. Dies ist alles weg und man hat fast schon Mitleid mit dem Männchen. Will man Lemmy so in Erinnerung behalten? Lemmy wollte es so, denn sonst hätte er wohl kaum dem Dreh zugestimmt. Die eine oder andere Ansage lässt er sich nicht nehmen, ansonsten hilft ihm eben der treue Phil Campbell aus.

 

Der Sound ist druckvoll, aber nicht undifferenziert. Die Feinheiten lassen sich da schon sehr gut heraushören. Gitarre und Bass wurden fein säuberlich getrennt und austariert. Das Schlagzeugspiel von Mikkey Dee knallt ordentlich rein. Lemmy knurrt wie eh und je und doch kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Mann in München auch um seinen Gesang kämpfen musste.

 

Guckt man sich „Bomber“ an, dann ist das aus der Ferne immer noch ein mächtiges Ungetüm. Der schnelle Schnitt suggeriert aber auch andere Gegebenheiten, die vor Ort so sicherlich nicht vorhanden waren. Das Publikum freut sich immerhin Lemmy noch mal sehen zu dürfen. Das ist natürlich auch ein Hitfeuerwerk und liebgewonnene Klassiker der Bandgeschichte sind dabei. „Metropolis“ ist immer ein Brett, „No Class“ hat nichts von seiner Aussagekraft eingebüßt und „Orgasmatron“ wird auf ewig knallen. Es gibt davon aber auch – und so ehrlich muss man dann auch sein – schon wesentlich bessere Live-Versionen, weil Lemmy da einfach noch in besserer Verfassung war. Ein Schlagzeugsolo braucht im Jahre 2016 ja eigentlich kein Mensch mehr, aber Motörhead lässt man das natürlich durchgehen. Ob Mikkey Dee das nun bei den Scorpions auch machen darf? Natürlich gibt es dann auch noch das obligatorische „Ace Of Spades“ und „Overkill“. Das war es . Die letzten Live-Aufnahmen von Lemmy.

 

Fazit: „Clean Your Clock“ ist eine Aufnahme aus München von Motörhead aus dem November 2015 und dürfte somit das Live-Vermächtnis von Lemmy bleiben. Der Mann ist deutlich angeschlagen und nur noch ein Schatten früherer Tage. Traurig ihn so zu sehen. Auf der anderen Seite hat er bis zum Schluss eben das gemacht, was ihn sein ganzes Leben erfüllt hat. Ein Leben für den dreckigen und schnellen Rock and Roll. Der Schnitt ist manchmal etwas zu schnell, aber das passt natürlich zur Musik. Lemmy muss allerdings auch um jeden Ton kämpfen. Mach es gut Lemmy und misch den Laden da oben mal ordentlich auf, damit die wissen was echter Rock and Roll ist!

 

https://www.imotorhead.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Motörhead: Bad Magic

Motörhead: Bad Magic

UDR/Warner

VÖ: 28.08.2015

 

Wertung: 8,5/12

 

Motörhead und Lemmy sind einfach unkaputtbar. Das war zumindest bisher immer ein ungeschriebenes Gesetz. Jetzt gibt es aber ein paar Risse und Lemmy ist doch verwundbar. Man kann es natürlich lustig finden, wenn Herr Kilmister aus gesundheitlichen Gründen von Whiskey zu Wodka wechselt und natürlich darf man das auch mit einem Augenzwinkern lesen. Auf der anderen Seite sind die letzten Fotos, die man von Lemmy gesehen hat, teilweise recht schockierend. Ausgemergelt und krank sieht er aus. Das 45er Baujahr sieht man ihm mittlerweile mehr als gut an. Konzerte und Festivalauftritte mussten zudem auch noch abgesagt werden. Und dies alles zum 40-jährigen Jubiläum. Jetzt scheint der Motor aber so langsam wieder anzuspringen. Die Tourdaten liegen vor und auch das neue Album ist nun im Kasten. „Bad Magic“ heißt es und hält einige Überraschungen bereit.

 

„Till The End“ ist eine Powerballade. Das ist ja nicht gerade die Kernkompetenz von Motörhead. Das Tempo ist gedrosselt und dann gibt es auch noch ein Gitarrensolo an dem Richie Sambora seine Freude hätte. Ganz zum Schluss hauen Motörhead noch ein Ding raus, welches einen in Erstaunen versetzt. Eigentlich gibt es im Musikgeschäft ja genau zwei Regeln: niemals die Beatles covern! Niemals die Stones covern! Man weiß ja, dass Lemmy ein großer Beatles-Fan ist, hier nimmt er sich aber die Stones zur Brust. Ausgerechnet mit „Sympathy For The Devil“. Und was soll man sagen: es ist ganz grandios geworden. So bissig und so böse hat man die Nummer selten gehört. Und wie lässig Motörhead das Ding aus dem Ärmel schütteln kann sich ebenfalls hören lassen.

 

Der Einstieg in die Platte ist mit „Victory Or Die“ geglückt. Mit Vollgas fräsen sich Motörhead in die Gehirnwindungen. „Thunder & Lightning“ ist für sich gesehen sicher nicht schlecht, klingt aber auch zu sehr nach Baukasten. Lemmy hat seinen Bass so ja nun wirklich oft genug gespielt. Erinnert natürlich auch an „Bomber“. Und wer immer meint, dass Motörhead nicht wandlungsfähig wären, hört sich mal den im Blues badenden Sleazerock von „Fire Storm Hotel“ an – mit saucoolem Basszwischenspiel. Einfach aber effektiv. „Shoot Out All Of Your Lights“ wird von Mikkey Dee niedergeknüppelt. Brian May ist übrigens bei „The Devil“ dabei. Die Nummer hat aufgrund des Refrains einen netten Hymnencharakter und ist dann auch ziemlich fett, die Strophen langweilen aber.

 

Typische Motörhead-Kost gibt es selbstverständlich auch. Feuer frei mit „Electricity“, „Evil Eye“ oder „Teach Them How To Blead“. „Tell Me Who To Kill“ ist Phil Campbells Ding, wie er überhaupt auf dem ganzen Alben ziemlich deutliche Duftmarken hinterlassen hat. „Choking On Your Screams“ ist so schwarz wie die Seele von Voldemort. Motörhead sind da auch wieder ganz nahe am Metal dran. Mit „When The Sky Comes Looking For You“ ist aber auch wieder ein Song für die Hymnenfraktion vertreten. Der Sound ist gelinde gesagt sehr hochgesteuert, alles auf Anschlag. Weniger wäre – was für „Bad Magic“ allgemein gilt – mehr gewesen. Aber nun gut, so kennt man Motörhead ja.

 

Fazit: „Bad Magic“ von Motörhead ist ein gutes, gar abwechslungsreiches Werk. Hier gibt es das volle Brett, meint: Punk, Metal, Sleaze, Powerballade. Alles in allem Rock and Roll der guten, alten Motörhead-Schule. Man hätte die Regler nicht bis zum Anschlag aufdrehen müssen, dann wäre der Sound wesentlich besser geworden. Wer allerdings immer behauptet, dass Motörhead nur einen Song können, wird hier eines Besseren belehrt. Ein würdiges Album zum Jubiläum!

 

http://www.imotorhead.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Motörhead: Aftershock (Tour Edition)

Motörhead: Aftershock (Tour Edition)

UDR/Motörhead Music/Warner

VÖ: 04.07.2014

 

Wertung: 9/12

 

Da hat die letzte Scheibe von Motörhead noch kein Jahr auf dem Buckel, da gibt es nun auch schon wieder in Form einer Tour Edition den Nachschlag. Solche Geschichten sind immer mit einem bitteren Beigeschmack geschmückt, denn der Fan guckt dabei mal wieder ganz blöd aus der Wäsche. Wer sich das wirklich gute Album schon zugelegt hat, wird nun im Grunde doppelt zur Kasse gebeten. Immerhin gibt es die Neuauflage zum Preis einer Einzel-CD zu kaufen und da die zweite CD mit vierzehn Live-Krachern gut gefüllt wurde, relativiert sich das dann wieder. Wer bis jetzt gewartet hat, kann da sogar ein richtiges Schnäppchen machen. So ist das eben manchmal im Leben und selbst Lemmy und seine Radautruppe ist vor solchen Geschäftsgebaren nicht gefeit. Dies schmälert letztlich aber kaum den guten Gesamteindruck.

 

Die ganze Geschichte rund um den Release von „Aftershock“ ist ja eher unschön und es dürfte ja bekannt sein, dass da einige Tourdaten verschoben werden mussten, da sich Lemmy nicht gerade bester Gesundheit erfreute und sich zunächst richtig erholen musste. Irgendwann stottert auch bei dem Prototyp eines Rockstars die Pumpe. Als Warm-Up für die Festivalsaison absolvierten Motörhead eine West Coast Tour und davon gibt es jetzt sozusagen auf der Bonus-CD zu „Aftershock“ einen Querschnitt auf die Ohren. Motörhead sind wieder zurück und ganz die Alten – oder vielleicht auch nicht. Lemmy war zwar noch nie der weltbeste Sänger, aber wenn man sich hier so manches Stück anhört, dann muss er doch ganz schön drücken, dass überhaupt etwas rauskommt. „Aces Of Spades“ ist da in erster Linie zu nennen. Der Spielfreude tut dies allerdings keinen Abbruch - es sind Motörhead und sie spielen Rock’n’Roll!

 

„Best Of The West Coast Tour 2014“ liefert einen ganz dezenten Überblick über das Schaffen von Motörhead. Natürlich können vierzehn Songs nicht mal ansatzweise repräsentativ für den gesamten Backkatalog stehen, aber einige Kracher aus der Vergangenheit finden sich hier schon wieder. Bei „Doctor Rock“ schlägt dann auch die große Stunde von Mikkey Dee, der da sein amtliches Drumsolo spielen darf. Kennt man, ist aber immer wieder gut. Nur Motörhead dürfen heutzutage noch so etwas während eines Konzerts unterbringen, bei allen anderen wirkt das peinlich. Heimlicher Höhepunkt dieser Zusammenstellung dürfte „Metropolis“ in dieser druckvollen Version sein. Lemmy pumpt aus seinem Bass alles raus was geht. „Damage Case“ hingegen unterstreicht, dass Motörhead eben doch vielseitig sind. Der Song ist auf den Mauern des Blues erbaut worden und das hört man auch sehr deutlich. Das punkige „Stay Clean“ fräst sich danach sehr heavy in die Gehörgänge.

 

Sind wir mal ehrlich, eigentlich ist Motörhead die große Lemmy-Show, aber was wäre er ohne Mikkey Dee und Philip Campbell? „I Know How To Die“ wird von den beiden einfach sehr schön über die Ziellinie getragen und Campbell darf zwischendurch auch mal ein amtliches Rock and Roller-Solo vom Stapel lassen. „Over The Top“ feuert eine Gitarrensalve ab, dass einem Hören und Sehen vergeht. So und nicht anders! „The Chase Is Better Than The Catch“ wiederum wird ganz langsam aufgebaut – ja, auch das gibt es mal bei Motörhead. „Lost Woman Blues“ ist ein Schmankerl für die Fans und mit „Going To Brazil“ gibt es gar einen Rocksong, der ordentlich rollt – würde vermutlich sogar Elvis gefallen und Brian Setzer sieht dagegen ziemlich blass aus. Zum Schluss gibt es das obligatorische „Overkill“ - egal wie, egal wo und egal wann: es ist ein Brett und ein Klassiker dazu.

 

Fazit: „Aftershock“ von Motörhead war und ist einfach ein gute Platte der lauten Herren. Jetzt gibt es das Album auch noch mal als Tour Edition. Die Kuh in Form des Fans wird hier zwar noch mal gemolken, aber die Live-CD ist wirklich gut und bietet einen guten Überblick über die Qualität der aktuellen Motörhead-Tour. Für einen Zusammenschnitt wirkt das sogar sehr homogen und die Palette reicht von neuem Material bis zu den Klassikern und einigen Schmankerln. Wer sich das Ding kauft, kann eigentlich nicht viel verkehrt machen, denn das Package gibt es immerhin zum Preis einer Einzel-CD!

 

http://imotorhead.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Motörhead: Aftershock

Motörhead: Aftershock

Rykodisc/Warner

VÖ: 18.10.2013

 

Wertung: 9/12

 

Was war das doch für ein Schock! Keiner hielt es für möglich und doch musste man schmerzlich feststellen, dass der Mann, der am 24. Dezember seinen Geburtstag feiert, verwundbar ist. Ian Lemmy Kilmister lag im Krankenhaus und musste sich einen Defibrillator einsetzen lassen. Eine Welt brach zusammen. Jener Mann, der wie eine Kakerlake einfach unkaputtbar schien sollte doch eine endliche Lebensuhr haben? Ja, Lemmy kommt so langsam in die Jahre und auch beim diesjährigen Wacken zollte sein Körper den Umständen Tribut und Motörhead mussten den dortigen Auftritt abbrechen. Nach 2013 ist im Musikgeschäft nichts mehr wie es mal war, der Rockmusik wurde die unverwüstliche Aura genommen. „Aftershock“!

 

„Aftershock“ ist das 21. Studioalbum von den Radaubrüdern. Aufgenommen wurde die Sause in den NRG Studios in Hollywood. Mit Cameron Webb ist auch der Langzeit Produzent von Motörhead wieder mit an Bord. Im Alter braucht man ja auch nicht mehr mit Experimenten anfangen. Und was soll man sagen? Es wird experimentiert. Natürlich nicht so, dass dies auch dem Selbstverständnis der Radiohead-Anhänger gerecht werden würde. Motörhead sind schließlich immer noch Motörhead. Trotzdem findet sich unter den vierzehn Songs doch so manche Überraschung wieder. Zumindest für Motörhead-Verhältnisse. Natürlich klopft Lemmy im Vorfeld ordentlich auf den Busch und faselt etwas von „einem unserer besten Alben“. Die Promo-Maschine will schließlich auch bedient werden und was soll er auch sonst erzählen. Der Knaller ist nur, dass es tatsächlich zutreffen könnte. Man müsste sich jetzt noch mal die Mühe machen und durch alle Werke wühlen, auch jene, die man eigentlich als Vollkatastrophe abgespeichert hat. „Aftershock“ dürfte durchaus im vorderen Drittel landen.

 

Natürlich befinden sich auf diesem Album auch die bekannten Brecher wieder. So lange die aber mit derartig viel Rotz am Bass vorgetragen werden wie bei „Queen Of The Damned“ ist die Welt noch in Ordnung. Und es ist immer noch eine Freude! Diese Nummer knüpft auch wieder an den alten Gassenhauer „Ace Of Spades“ an. Wie cool läutet Lemmy doch mit seinem prägnanten Bassspiel das kurze Solo von Phil Campbell ein. Die Jungs haben es immer noch drauf. „Knife“ nimmt gar ein bisschen den Fuß von der Pedale und kommt mit einer gehörigen Portion Finsternis um die Ecke gebogen. Die Gitarre heult bis die Saiten reißen und die rauchig-kaputte Stimme von Lemmy passt dazu wie die Faust auf das Auge. Das Riff brennt sich dazu noch gleich beim ersten Mal ein.

 

Schon mit der Dampframme „Heartbreaker“ gibt es von Motörhead zu Beginn gleich ordentlich einen vor den Latz geknallt. Man glaubt es kaum, aber der kurze Refrain hat tatsächlich Ohrwurmcharakter. Gut, von einem Refrain kann man nicht unbedingt sprechen, aber immerhin. Mikkey Dee prügelt sich schon hier durch den Song, dass es für zwei Platten reichen würde. Motörhead sind zurück. Definitiv. Da macht es auch nichts, dass „Coup De Grace“ als guter Standard daher kommt. Es ist trotzdem eine Freude. Mit „Lost Woman Blues“ wird danach ordentlich auf die Bremse getreten. Ein arschcooler Song, der gar ein wenig an Tito & Tarantula in deren guter Phase erinnert. Motörhead entdecken den Blues und das verdammt noch mal auf ihr eigene Art und Weise. Große Nummer, auch wenn diese durchaus kontrovers aufgenommen werden könnte.

 

„End Of Time“ fräst sich danach wie ein Bulldozer durch die Szenerie, während „Do You Believe“ mit beiden Beinen fest im Rock and Roll steht. „Death Machine“ gefällt sogar mit seinem Songaufbau und den Tempovariationen. So langsam fängt man an und staunt. Und dann? Ja dann, kommt „Dust And Glass“ angekrochen. Eine Ballade! Natürlich ist hier nichts mit Kitsch und dem ganzen Kram. Dies erinnert mehr an einen Bar-Blues. Und Lemmy singt tatsächlich richtig und verständlich. Vielleicht ein Schock für so manchen Hörer – Fans kennen das natürlich schon. Starker Song! Auf diesem doch vielseitigen Album kriegt der Affe selbstverständlich auch seinen Zucker und somit gibt es bei „Going To Mexico“ auch die bewährten Zutaten. „Silence When You Speak To Me“ erinnert an die 90er und ist ein verdammter Hit. Kein Hit, wie man diese aus dem Mainstream kennt, aber das versteht sich ja wohl von alleine. „Keep Your Powder Dry“ suhlt sich auch noch mal im Rock and Roll-Bad und „Paralyzed“ reißt zum Schluss eine ganze Großstadt ab. Scheiße, ist das neue Motörhead Album gut!

 

Fazit: „Aftershock“ von Motörhead ist ein – für diese Band – sehr vielseitiges Werk. Blues, Rock and Roll und Blues-Balladen sind hier ebenso zu finden wie natürlich auch die Brecher, für die die Band so verehrt wird. Der Sound ist zudem überraschend gut und die Songs wurden entsprechend gut abgemischt. Laut ist eben nicht alles! Eines der besten Motörhead-Alben? Lemmy lügt doch nicht, oder? Er hat am 24. Dezember Geburtstag! Nein, Lemmy kann nicht lügen.

 

http://www.imotorhead.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch