Miu: Modern Retro Soul

Miu: Modern Retro Soul

Superlaut Records (Edel)

VÖ: 04.10.2019

 

Wertung: 8/12

 

Das Albumformat liegt in den letzten Zügen und stirbt so langsam aus. Heißt es zumindest, wenn man dem ein oder anderen Zeitgenossen so zuhört. Umso mutiger ist es, genau dann ein Doppel-Album herauszubringen. Noch mutiger ist es, wenn man kein großes Label im Rücken hat und die Finanzierung nicht geklärt ist. Miu aus Hamburg hat das nicht abgeschreckt. Sie hat ihr neues Album „Modern Retro Soul“ über Crowdfunding finanziert, mit 25 Songs zu einem Doppel-Album werden lassen, welches nun auf ihrem eigenen Label veröffentlicht wird. Es war sicher ein steiniger Weg, aber Miu kann nun sehr stolz auf dieses Werk sein.

 

Die beiden CDs hat sie in „Modern“ und „Retro“ unterteilt. Die Grenzen sind allerdings fließend und was auf der einen Seite modern klingt, hat auch wiederum einige Retro-Elemente am Start. Die Songs decken zudem eine große Bandbreite ab. Das reicht von verspielt und poppig bis düster und melancholisch. Diese Tracks dürften eben auch den schwierigen Weg zum finalen Album nachzeichnen. Dies trifft sowohl auf die Musik, wie auch die Texte zu.

 

Mit dem schmissigen „Take The Money And Run“ wirft sich Miu gleich voll in das Album hinein. Das Stück erinnert ein bisschen an „Can´t Explain“ von The Who. Mit „Up & Down (Cozy Place In The Middle)“ geht es in Richtung urbanen Soul. Düster schält sich das aus dem Kokon und hat einen Refrain am Start, der sich unweigerlich im Ohr festsetzt. „Holy Grail“ ist gesanglich ganz stark und „Moving Out“ musikalisch total lässig. Duffy kommt einem da in den Sinn. Was macht die eigentlich so? Wobei: egal, wenn man Miu hören kann.

 

„Speechless“ nervt gewaltig, hat aber durch ein gewisses Stilmittel auch eine hohen Widererkennungswert. „Follow You“ hingegen ist sehr schön arrangiert worden und bekommt durch den Einsatz des Tasteninstruments eine ganz besondere Note. So ein bisschen weht da Motown durch die moderne Szenerie. Wie gesagt, die Grenzen sind da fließend. „I Took The Money And Run“ ist fast schon Rock und kein Soul mehr. Hierbei handelt es sich aber ja auch nur um ein kleines Zwischenspiel von nicht mal einer Minute.

 

„Risin´High“ hat ordentlich Druck auf dem Kessel, während „Easy“ das entspannte Gegenteil ist. Balladen wie „Wake Me Up“ oder „Drifting Away“ sind nicht peinlich und kitschig. Und eine Nummer wie „Fuck You Very Much“ klingt dann auch so, wie man sich das bei dem Titel auch vorstellt. „Cat Song“ im Livegewand oder das opulente „Be The Bigger Person“ unterstreichen, dass Miu eine tolle Sängerin ist.

 

Fazit: Miu hat eine ganze Menge in ihr Album investiert und hineingelegt. In erster Linie ganz viel Herzblut und das hört man den beiden Scheiben an! Ob das nun moderner oder Retro-Soul ist, spielt dabei im Grunde keine Rolle! Es ist ein schönes Album, da fallen auch ein paar Längen kaum auf!

 

Text: Torsten Schlimbach

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch