Milky Chance: Blossom

Milky Chance: Blossom

Universal

VÖ: 17.03.2017

 

Wertung: 7/12

 

Seit der Veröffentlichung von „Sadnecesary“ hat sich für Milky Chance so ziemlich alles geändert. Wenn man plötzlich auf der Straße erkannt wird, die Konzerthallen immer größer werden, die Songs ständig im Radio laufen und das internationale Festivalpublikum zu der eigenen Musik tanzt, dann ist man auf dem besten Wege die Superstartreppe hinaufzusteigen. Zudem ist Clemens auch noch Vater geworden. Das alles dürfte „Blossom“ beeinflusst haben. Wäre ja auch seltsam, wenn es nicht so wäre.

 

Das Duo hat für „Blossom“ musikalisch düstere Songs aufgenommen. Man hört der Musik an, dass die beiden Herren deutlich gereift sind. Sicherlich auch durch das Scheinwerferlicht, in welches sie völlig unvorbereitet geworfen wurden. Leider ist das teilweise auch recht eintönig. Wenig bis nichts bleibt hängen. Ausgerechnet die Folkballade „Stay“ lässt erstmals so richtig aufhorchen. Vielleicht liegt es auch daran, dass da mal etwas Abwechslung Einzug in „Blossom“ gehalten hat. „Bad Things“ ist tanzbar und geht in die Ohren – und die Beine. Auch diese Nummer weiß zu gefallen. Dies könnte aber auch an dem Feature von Izzy Bizu liegen. So kriegt die Scheibe doch mal etwas mehr Pepp verliehen. Gut, mit „Ego“ gab es auch schon an zweiter Stelle einen schmissigen Track, der aber auch schnell Nervpotenzial entwickelt.

 

Das verschwurbelte „Firebird“ ist zudem dann doch zu vorhersehbar. „Doing Good“ ist immerhin ein netter Popsong mit gedrosseltem Tempo. „Cocoon“ hätte auch auf dem Vorgänger seinen Platz gefunden, da kommt das düstere „Losing You“ schon besser. „Peripeteia“ und „Alive“ sind solide und nett, aber mitreißend ist dann auch anders. Die Gedanken schweifen ab, bleiben aber nicht bei der Musik. „Piano Song“ holt einen aufgrund des im Titel erwähnten Instruments aber wieder zurück. „Heartless“ gefällt durch sein wirklich schönes und schwebendes Gitarrenmotiv und einem guten Groove. Die beiden Akustikversionen von „Cold Blue Rain“ und „Alive“, die „Blossom“ beenden, sind wesentlich mitreißender als alles zuvor.

 

Fazit: Clemens Rehbein und Philipp Dausch aka Milky Chance haben mit „Blossom“ ein solides Album aufgenommen. Es gibt keine nennenswerten Ausreißer nach unten, aber auch nicht nach oben! Da diese Folktronica-Mischung anscheinend weltweit auf offene Ohren stößt, dürfte auch das zweite Album ein voller Erfolg werden. Die Musik klingt zumindest reifer als auf dem Vorgänger und die letzten Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. So richtig spannend ist das aber alles nicht!

 

http://www.milkychance.net

 

Text: Torsten Schlimbach

Milky Chance: Sadnecesary (Special Edition – CD + DVD)

Milky Chance: Sadnecesary (Special Edition – CD + DVD)

Lichtdicht Records/Pias/Rough Trade

VÖ: 31.10.2014

 

Wertung: 7,5/12

 

Da werden sich aber einige Vertreter der großen Branchenriesen der Musikindustrie gehörig in den Allerwertesten beißen, dass sie in der Vergangenheit nicht auch mal einen Blick nach Kassel geworfen haben. Gut, Kassel ist auf der musikalischen Landkarte bisher auch so ziemlich unbefleckt geblieben und wenn man schon etwas mit Kassel verbindet, dann ist es wohl eher Tatort-Kommissarin Ulrike Folkerts. Trotzdem gab es ja schon so manche Anzeichen dafür, dass sich in Kassel ein ganz junges Talent rumtreibt. Mittlerweile hat es sich Clemens Rehbein mit seinem eigenen Label und Milky Chance aber längst ganz gemütlich eingerichtet. Der Erfolg hat sich auch eingestellt. Es geht eben auch ohne Berlin und ohne großes Label. „Sadnecesary“ schoss derart durch die Decke, dass das Album nun in einer Special Edition erneut veröffentlicht wird.

 

Milky Chance ist mit „Sadnecesary“ ein Kunststück gelungen, welches seit langer Zeit keinem anderen deutschen Act vergönnt war. Die Platte wurde zu einem internationalen Erfolg und konnte sogar in Kanada und Australien abräumen. Das Ding verkaufte sich unglaubliche 1,5 Millionen Mal. Für einen deutschen DIY-Künstler ist das in der heutigen Zeit sensationell. Kein Wunder, dass man sich nun entschloss noch mal nachzulegen und das Album im Fahrtwind der neuen Single „Flashed Junk Mind“ mit einer zusätzlichen DVD erneut auf den Markt zu schmeißen. Kann man machen.

 

Die DVD enthält Songs der Live Shows aus dem legendären KOKO in London. Vielleicht ist es so gewollt und soll die DIY-Attitüde unterstreichen, aber das hier Gezeigte ist schon grenzwertig. Das Bild ist grobkörnig, teilweise von Streifen durchzogen und wenn dann auch noch Aufnahmen von der Bühne aus vom Zuschauerraum gezeigt werden, dann hat das Bootlegcharakter. Abgesehen davon ist die ganze Geschichte recht dunkel. Die Glühbirnen auf der Bühne mögen zwar ein nettes Gimmick sein, für eine DVD-Produktion reicht das aber einfach nicht. Auf der anderen Seite ist es erstaunlich, dass die Zuschauer in London Songs wie „Fairytale“, „Given“ oder „Sweet Sun“ derart abfeiern. Hieran lässt sich dann auch das internationale Format ablesen.

 

Ganz anders sind die Bilder aus der historischen Zitadelle Spandau. Zunächst gibt es da auch einige Impressionen des Aufbaus und aus dem Backstagebereich. Rehbein gibt sich aber auch vor dem Konzert volksnah und so kommen einige seiner Fans in den Genuss mit ihm ein paar Sätze auszutauschen oder ein Autogramm oder gemeinsames Foto abzustauben. Die Aufnahmen des eigentlichen Konzerts sind recht ordentlich und auch nicht mehr so grobkörnig und dunkel wie das Pendant aus London. Den großen Hit gibt es dann zum Schluss und bei „Stolen Dance“ gibt es dann auch kein Halten mehr. Insgesamt gibt sich die komplette Mannschaft von Milky Chance sehr sympathisch und live kommen die Songs des Kauzes noch ein wenig rauer und kratzbürstiger rüber.

 

Das Album selbst wurde nun mit den Livesongs „Given“ und „Nevermind“ aus London und „Follow“ und „Who To Blame“ aus Berlin aufgepeppt. Songs wie „Indigo“, „Down By The River“, „Fairytale“ und eben „Stolen Dance“ haben immer noch nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Dieser Singer/Songwriterpop mit Indieanleihen ist aufgrund seiner vielen elektronischen Spielereien und den dezenten Beats ja auch nicht alltäglich und ist somit durchaus auch weit ab vom üblichen Brei. Dem minimalistischen Ansatz fehlt es hin und wieder etwas an Abwechslung, denn auf der kompletten Albumdistanz wirkt das dann auch etwas eintönig. Man sollte aber auch nicht vergessen, dass dieses Debüt ja auch erst der Anfang des Weges ist!

 

Fazit: Bald gehen Milky Chance auf USA-Tour, da macht sich doch die Special Edition von „Sadnecesary“ ganz gut. Die Aufnahme aus London ist von der Bildqualität nicht sonderlich gut, fängt aber den DIY-Ansatz ganz gut ein. Die Songs aus Berlin wurden dann aber entsprechend gut eingefangen. Das eigentliche Album klingt mit seinen Elementen aus Singer/Songwriterpop, elektronischen Beats und seiner Indiementalität auch nach einem Jahr noch recht frisch. Es mangelt noch etwas an der Abwechslung, aber auch das werden Milky Chance sicher noch hinkriegen. Tja, hätte nur jemand früher einen Blick und ein Ohr nach Kassel geworfen! Milky Chance können ihren Weg jetzt alleine fortsetzen.

 

http://www.milkychanceofficial.com/index.php?p=de

 

Text: Torsten Schlimbach

 

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch