Mike & The Melvins: Three Man And A Baby

Mike & The Melvins: Three Man And A Baby

Sub Pop/Cargo Records

VÖ: 01.04.2016

 

Wertung: 8/12

 

Wer hätte mit diesem Album noch gerechnet? Vielleicht wäre eine Veröffentlichung von „Three Man And A Baby“ sogar 2019 sinnvoller gewesen. Dann hätte man das nämlich gleich mit einem Jubiläum verbinden und noch ein bisschen Bonusmaterial drauf packen können. Macht man ja so. Die Melvins und godheadSilo machen aber eben alles anders. Die Indiegötter haben mit den üblichen Marktmechanismen nichts am Hut. Hat überhaupt noch einer die Geschichte hinter „Three Man And A Baby“ auf dem Schirm? Mike Kuna und die Melvins taten sich einst zusammen um ein gemeinsames Album aufzunehmen. Die 90er waren da auf der Zielgeraden und das Musikgeschäft noch komplett anders aufgestellt. Indienerds waren aufgrund dieser Zusammenarbeit verzückt. Und dann muss irgendwas passiert sein und die bis dahin entstandenen Aufnahmen verschwanden in der Schublade. Jetzt tat man sich wieder zusammen und stellte „Three Man And A Baby“ fertig. Zur Überraschung aller, sicher auch von Sub Pop.

 

„Three Man And A Bay“ schlägt also eine Brücke vom Jahr 1999 in das Hier und Jetzt. Der größte Teil wurde nämlich damals, also 1999, in den Louder Studios mit Tim Green aufgenommen. Die Restarbeit 2015 von Toshi Kasai bei Sound Of Sirens erledigt und abgemischt. Man kann sich natürlich jetzt hinsetzen und versuchen zu filtern, was denn nun neu und alt ist. Man kann es aber auch lassen, denn letztlich klingt das Werk wie aus einem Guss. Es ist dabei sogar schon irgendwie, nun ja, eingängig. Wenn man bei dieser Konstellation überhaupt von Eingängigkeit sprechen kann. Es dröhnt, es kracht, es ist noisy. Mike hat über das Album verlauten lassen: „Wenn es dir nicht gefällt, ist es wahrscheinlich nicht für dich gemacht.“ Kann man so stehen lassen.

 

„Annalisa“ bringt den ganzen Wahnsinn, die ganze Raserei, aber auch die Großartigkeit dieser Zusammenarbeit auf den Punkt. Der Bass wird dabei so gespielt, wie es Lemmy von Motörhead stets tat. Das Schlagzeug scheppert, der Gesang ist weird und wenn man mal alles zusammen nimmt, dann ist das ein verdammter Indiehit. Im Original übrigens von Public Image Ltd.! „Chicken ´n´ Dump“ eröffnet das Album zunächst wie eine Doomplatte beginnen würde. Heavy Shit. „Limited Teeth“ tritt das Gaspedal dann noch mehr durch, geht aber eindeutig zurück zum Beginn der 90er. Natürlich ist das nicht radiotauglich und völlig durchgedreht. Noiserock – auch, wenn es die Herren nicht gerne hören würden – im Grungegewand. „Bummer Conversation“ baut noch mehr – wen wundert es bei zwei Bassisten in der Band –  auf den Tieftöner. Schön, dass die Herren immer wieder zu einer Songstruktur zurückfinden und sich das fiese Ding unaufhörlich in den Ohren festsetzt.

 

„A Dead Pil Of Worthless Junk“ ist der erwartete psychedelische Irrsinn, den man erwarten konnte. Das ist mehr eine wabrige Soundcollage, denn alles andere. Da ist „Art School Fight Song“ zum Schluss ja noch strukturiert und bei dem Ding soll ja schon ein neuer Geschwindigkeitsrekord aufgestellt werden. „Read The Label (It´s Chili)“ erinnert entfernt an Primus, während „Dead Canaries“ sogar ganz deutlich in diese Richtung geht. Mike Patton dürfte das alles ziemlich gefallen. „Pound The Giants“ wird so nebenbei auch noch ein paar Metalhörer einsammeln, sofern selbige offene Ohren für Abartiges haben. „Lifestyle Hammer“ ist ein typischer 90ies Indiesong. Die Nummer bleibt allerdings unter zwei Minuten und darum reicht es nicht zum Hit. Obwohl, warum eigentlich nicht? Mit „Gravel“ wird auf der Zielgeraden noch mal Noiserock mit all seinen Facetten kredenzt.

 

Fazit: „Three Man And A Bay“ von Mike & The Melvins kommt eigentlich anderthalb Jahrzehnte zu spät und ist genau aus diesem Grund umso wichtiger. In einer Musikzeit, wo alles beliebig und austauschbar ist und selbst die Indie- und Alternativmusik so dahin darbt, zeigen die Herren noch mal, das Wahnsinn durchaus strukturiert und bisweilen sogar großartig sein kann. Dieses Album ist freilich nicht für den Mainstream gedacht, aber wie Mike schon sagte: „Wenn es dir nicht gefällt, ist es wahrscheinlich nicht für dich gemacht.“

 

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Text: Torsten Schlimbach

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