Mike Love: Unleash The Love

Mike Love: Unleash The Love

BMG Rights Management/Warner

VÖ: 08.12.2017

 

Wertung: 7/12

 

Mike Love hat unzweifelhaft Musikgeschichte geschrieben. Zusammen mit den Beach Boys setzte er einst Maßstäbe und die Meßlatte für die Musikwelt ziemlich hoch! Sein Cousin Brian Wilson gilt gemeinhin als das Genie hinter all den Klassikern, aber auch Love hat seinen Anteil daran. Natürlich ist Love auch Mitglied der Rock And Hall Of Fame und vermutlich hat er auch irgendwo seinen Grammy auf dem Kaminsims stehen. Brian Wilson, mit dem er schon früh zusammen auf der Couch Musik machte, überstrahlt natürlich alles, selbst die Karriere von Mike Love. Jetzt veröffentlicht der Mann mal wieder ein Album. „Unleash The Love“ heißt das Werk. Auf der ersten CD gibt es dreizehn neue Songs von Love zu hören. Leider macht der Mann aber auch den Fehler, auf einer zweiten CD zwölf der größten Hits der Beach Boys zu verbraten. Diese Lieder wurden von Love zwar neu aufgenommen, aber das macht es ja im Grunde nur noch schlimmer. Das wirkt dann ja so, als wäre das neue Material nicht gut genug und „Unleash The Love“ müsste durch die Klassiker noch mal aufgewertet werden. Abgesehen davon ergibt das im Kontext überhaupt keinen Sinn.

 

Schade eigentlich, denn wer die fluffigen Melodien von Love schätzt, kriegt hier eigentlich genug Futter geboten und das muss nicht durch die alten Songs aufgewertet werden - was im Grunde aber eher einer Abwertung des neuen Materials gleich kommt. „Unleash The Love“ fängt mit „All The Love In Paris“ recht vielversprechend an. Das ist zwar auch ein deutlicher Versuch eine typische Beach Boys-Nummer zu schreiben, die melancholischen Strophen sind aber wirklich gut und verbreiten ein schönes 60ies-Flair. Gelungener Auftakt! Mit „Getcha Back“ geht es in ähnlichem Fahrwasser weiter. Die schönste Erkenntnis: es ist unpeinlich!

 

Nun gut, bei „Daybreak Over The Ocean“ muss man ganz stark sein, denn das ist schlimmster Schlager. Eben so, wie eine Platte mit so einem Frontfoto klingt. Das lässig „I Don´t Wanna Know“ gefällt mit ein paar schönen Gitarren-Licks. Der Backgroundgesang klingt zwar etwas nach Karaoke, aber insgesamt ist das schon sehr solide. „Too Cruel“ ist luftig und leichte Popmusik der alten Schule – also gut. „Crescent Moon“ trieft wie flüssiges Karamell anschließend aus den Boxen. Kann man machen, gar keine Frage. Als Hörer muss man dafür aber schon sehr empfänglich sein.

 

„Cool Head, Warm Heart“ kommt allerdings sogar richtig gut. So klingen Beach Boys-Songs aus der zweiten Reihe. „Pisces Brothers“ ist ein ruhiger und nachdenklicher Song mit dezentem, aber akzentuiertem Gitarrenspiel. Auf den Hare Krishna-Text achtet man besser mal nicht. Dann darf zu dem Titeltrack „Unleash The Love“ getanzt werden. „Ram Raj“ kommt gar mit einem sakralen Grundton daher, entwickelt sich aber noch mit einer Art Mantra zu einem Shanty mit tollem Gitarrensolo zum Schluss.

 

„10,000 Years Ago“ ist der erste echte Rocksong des Albums. „Only One On Earth“ wirkt zunächst etwas esoterisch, entwickelt sich aber zu einem Gospeltrack, Mit „Make Love Not War“ rockt das Album im Tom Petty-Style dem Ende entgegen.

 

Die zweite CD braucht man im Grunde nicht. Das war aber ja auch zu erwarten, dass die Neuaufnahmen nicht mit den ursprünglichen Versionen mithalten können. „California Girls“ ist doch recht zahnlos ausgefallen. „Help Me Rhonda“ könnte auch von einer Coverband stammen, die sich das Ding für das Festzelt draufgeschafft hat. „I Get Around“ ist immerhin recht nahe am Original. „Wild Honey“ bleibt auch in seinem schmissigen Ursprungsfahrwasser, während „Wouldn´t It Be Nice“ sich im Grunde komplett an die Vorlage hält. Das trifft auch auf den Jahrhundertsong „Good Vibrations“ zu, sowie auch auf „Fun Fun Fun“. Vermutlich dürften rechtliche Gründe eine Rolle gespielt haben was die Nutzung des Original-Materials betrifft und somit erklären sich dann die Neueinspielungen ohne nennenswerte Änderungen in Bezug auf die Arrangements und die musikalische Umsetzung.

 

Fazit: „Unleash The Love“ von Mike Love ist ein recht anständiges und würdevolles Album geworden. Die Beach Boys-Referenzen sind offensichtlich, aber es gibt auch noch ein paar rockige und balladeske Momente, die das weitestgehend unpeinlich über die Bühne bringen. Der Mann weiß wie es geht und er hat ja auch vom Besten gelernt. Die zweite CD mit den neu eingespielten Beach Boys-Klassikern hätte man sich aber schenken können, denn „Unleash The Love“ sollte für sich alleine stehen und wird dadurch im Grunde ja herabgestuft.

 

Text: Torsten Schlimbach

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