Michael Schulte: The Arising

Michael Schulte: The Arising

Very Us Records

VÖ: 03.10.2014

 

Wertung: 8/12

 

Vor zwei Jahren hat Michael Schulte sein Debüt veröffentlicht. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Michael Schulte hat sich unermüdlich der Musik gewidmet. Touren, Konzerte und ein Weihnachtsalbum standen auf dem Plan. Letzteres hätte er sich gerne schenken können, aber das trifft ja fast auf alle Veröffentlichungen für diesen Rahmen zu. Aus dem Bewusstsein der großen Öffentlichkeit ist er mittlerweile auch vollends entschwunden. Die Wenigstens werden noch etwas mit seinem Namen anfangen können. So ist das eben mit den Teilnehmern eine Castingshow, selbst wenn es sich dabei um das hochgelobte Format von „The Voice“ handelt. Mittlerweile sind längst andere Kühe durch die Dörfer getrieben worden. Michael Schulte hört aber nicht auf. Hört nicht auf mit seiner Musik. Seine treuen Fans werden es ihm danken. „The Arising“ wird selbige begeistern.

 

Michael Schulte ist nicht nur zwei Jahre älter geworden, nein, er ist auch hörbar gereift und erwachsener – seine Musik ist erwachsener. „The Arising“ ist in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswertes Album. Derartiges hört man sehr selten aus Deutschland. Die Produktion mag manch einem etwas zu glatt sein und doch braucht das Album in dieser Hinsicht sicher keine internationalen Vergleiche zu scheuen. Auch die Songs, die Arrangements und die Instrumentierung sind schon beachtlich. Hin und wieder fällt Michael Schulte, gerade in gesanglicher Hinsicht, in alte Muster zurück, aber meist klingt auch seine Art des Gesanges deutlich gereift.

 

Die Songs für „The Arising“ hat er federführend mitgeschrieben. Er musste zwar auch auf die Hilfe von einer Vielzahl etablierter Leute zurückgreifen, aber unter dem Strich ist das sein Baby. Die Songs sind größtenteils als Popmusik zu verorten und doch sind die einzelnen Tracks im tiefsten Inneren dem Singer/Soinwritergenre zuzuordnen. Da mag es bei „Silence“ ein paar Zugeständnisse und zeitgenössische Beats geben, es ist und bleibt aber eine Nummer für die Lagerfeuer dieser Welt. Etwas unschön sind die vielen Uh- und Ohs bei „The Maze“. Auf der anderen Seite bleibt das so natürlich auch schnell im Ohr hängen.

 

Es sind andere Songs, die mehr beeindrucken und berühren. Wer ein derart melancholisches und vielseitig instrumentiertes Kleinod wie den Titelsong - „The Arising“ - an den Beginn setzt, ist sich seiner Kunst schon sehr sicher. Da schwingt eine Sehnsucht mit, wie es sie nur in der keltischen Musik gibt und dann hat das Stück doch wieder eine bombastische Seite, die auch den nächsten James Bond-Film musikalisch untermalen könnte. Beim akustischen „Thoughts“ nervt das Falsett etwas und der Song hat sich seit der EP-Veröffentlichung doch etwas abgenutzt. Der schöne Refrain macht das aber wieder wett. „Frozen Over“ ist Pop in Reinkultur und würde auch im Radio funktionieren. Das schon bekannte und melancholische „Silence“ hat mit „Take It All Away“ noch ein tieftrauriges Pendant zur Seite gestellt bekommen. Tolle Instrumentierung, herzergreifender Gesang und atmosphärisch sehr dicht, da wird die Gänsehaut quasi auf dem Silbertablett serviert. „Rock And Scissors“ ist immer noch toll. Und bombastisch. Das dezente Pianospiel von „The Deep“ gibt dem Song eine sehr erhabene Richtung, schade, dass es dann doch wieder in diese pathetische Popecke abdriftet. Die musikalische Leichtigkeit von „Hopeless Heart“ kommt anschließend genau zur richtigen Zeit. „Dear Doubt“ ist fast schon tanzbar, verfällt aber immer wieder in die träumerische und schwelgerische Pathosecke. Spätestens beim letzten Song der Platte, „Mountain Spring“, hat man den Eindruck gewonnen, dass man es mit einem ganz Großen des Business zu tun hat. Ein bisschen weniger Schmalz und ein paar mehr Ecken und Kanten und er ist auch!

 

Fazit: Das zweite Album von Michael Schulte hört auf den schönen Namen „The Arising“ und es ist gut geworden. Zwischen dem großen Bombastpop und den intimen Singer/Songwritermomenten ist das ein sehr schön instrumentiertes und arrangiertes Werk. Es fehlen ein paar Ecken und Kanten, aber das ist größtenteils zu verschmerzen. Das Songwriting ist ebenfalls sehr gut. Der Gesang hat hin und wieder ein paar Ahs und Ohs zu viel, aber letztlich hat Schulte die Gabe mit seiner Stimme den Zuhörer zu fesseln. Michael Schulte klingt erwachsener und gereifter. Und dann tingelt er mit dem Album auch noch durch die Fußgängerzonen. Feine Sache! So geht Musik von einem 24-jährigen heute!

 

https://www.facebook.com/schultemusic

 

Text: Torsten Schlimbach

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Michael Schulte: Thoughts

Michael Schulte: Thoughts (EP)

Very Us Records

VÖ: 16.05.2014

 

Michael Schulte ist seit seiner Teilnahme bei „The Voice“ längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Genaugenommen war er dies aber auch schon vorher nicht, denn seine Coverversionen bekannter Songs, die er bei Youtube hochgeladen hat, erfreuten sich allergrößter Beliebtheit. Aus dem Star im Internet ist aber längst ein Musiker geworden, der auch abseits des Netzes aktiv ist. Ende des Jahres soll auch schon das nächste Album folgen, jetzt gibt es mit „Thoughts“ den ersten Vorboten in Form einer EP.

 

Der Titelsong „Thoughts“ wirkt mit seiner überbordenden Fröhlichkeit und seiner verspielten Elektronik richtiggehend positiv. „Silence“ ist da schon eine ganze Spur melancholischer. Mit dezentem Geplucker im Hintergrund peppt Schulte diesen Akustiksong auf. Man will jetzt nicht direkt das überstrapazierte Dubstep Wort in den Mund nehmen, es geht aber in diese Richtung. Minimalistisch wie James Blake und doch fest im Singer/Songwriter-Genre verankert. Bei dem eindringlichen „Rock And Scissors“ besingt er die Unwägbarkeiten der Liebe - es geht eben nicht immer gut aus. Zum Refrain hin wächst das Stück auf eine wohltuende Art und Weise bombastisch an. Gänsehaut garantiert. „A Wistful Dream“ kreist erneut um das Thema Liebe, ist musikalisch aber derart verspielt, wie man es bei Schulte bisher nicht kannte. Mit Popmusik hat das nur am Rande zu tun. Sakral schält sich die Nummer aus den Boxen. Assoziationen mit Sting drängen sich da förmlich auf. Dezente Anleihen des Prog-Rock sind da ebenfalls auszumachen. Vielleicht ist dieser Song nur ein Experiment, aber dies steht Michael Schulte ausgesprochen gut zu Gesicht.

 

Fazit: „Thoughts“ macht definitiv Lust auf mehr. Ganz besonders stark sind „Rock And Scissors“ als Akustikversion und das experimentelle „A Wistful Dream“ ausgefallen. Letzterer Song ist dabei sogar die künstlerische Lebensversicherung für die Zukunft und man kann Michael Schulte nur Mut zusprechen diese Richtung weiterzuverfolgen.

 

http://www.michaelschultemusic.com/home.html

 

Text: Torsten Schlimbach

Michael Schulte: Christmas Classics

Michael Schulte: My Christmas Classics

Very Us Records/Edel

VÖ: 22.11.2013

 

Wertung: 5/12

 

Dieses Jahr meint wohl jeder Künstler, dass er den Leuten ein Weihnachtsalbum unter die Tanne legen muss. Auch Michael Schulte. Nach einem Debütalbum schon ein derartiges Werk nachzuschieben, ist sicher überraschend, wirft aber auch die Frage auf, ob es da sonst keine Ideen gab. Aber Michael Schulte wäre nicht Michael Schulte, wenn „My Christmas Classics“ dann doch nicht wieder anders wäre und auch wenn man da so manchen Song wiederfindet, den man erwarten konnte, so ist die Umsetzung dann doch anders wie gedacht.

 

Eine Frage stellt sich allerdings: warum „Hallelujah“? Was hat der großartige Song auf einem solchen Album verloren? Und warum maßen sich überhaupt noch Sänger an, dieses monumentale Meisterwerk zu interpretieren? Jeff Buckley ist so ziemlich der einzige Künstler, der eine anständige Coverversion auf die Reihe bekommen hat und dabei sollte man es dann auch belassen. Es war sicher gut gemeint und vielleicht ist der Song sogar eine Herzensangelegenheit von Michael Schulte, aber es wird dadurch nicht besser. Das Gejammer von „O Holy Night“ ist auch nur schwer zu ertragen, auch nicht in einer weihnachtlichen Stimmung.

 

Das schmissige „Let It Snow“ im Folkgewand gefällt da schon wesentlich mehr. Auch „Last Christmas“ gewinnt in dieser lockeren und leichten Interpretation ungemein dazu. Michael Schulte gibt dem Stück in gewissem Sinne seine Lockerheit zurück, die es durch die Dauerbeschallung verloren hat. Dies gilt auch für die Folk-Umsetzung bei „The First Noel“. „Rudolph The Rednosed Rendeer“ im Popgewand, „White Christmas“ im gewohnten Arrangement und „Silent Night“ geht jegliches Gespür ab und „Jingle Bells“ kann man nun wirklich nicht mehr hören. Ein Lichtblick ist „What Christmas Is About“ - eine unkitschige Bestandsaufnahme von Michael Schulte irgendwo zwischen Country und Folk. Der einzige neue Song des Sängers und Musikers. „Aud Langy Syne“ wurde auch noch irgendwie verwurstelt und „Greensleeves“ rührt dann auch noch mal zu Tränen – es sind keine Tränen des Glücks.

 

Fazit: „My Christmas Classics“ ist das zweite Album von Michael Schulte, leider kein sonderlich gutes Werk. Das kann man sicher irgendwann mal machen, aber nach einem durchaus gelungenen Debüt schon mit einer solchen Scheibe um die Ecke zu kommen, ist nicht gerade die beste Entscheidung und zeugt auch irgendwie von Einfallslosigkeit. Die Umsetzung ist interessant, aber weitestgehend ist den Songs die Seele genommen worden und dann klingt das eher nach Karaoke. Lichtblicke gibt es, beispielsweise seinen neuen Song „What Christmas Is About“. Aber viel kann der gute Michael unter dem Strich hier leider nicht anbieten.

 

http://www.michaelschultemusic.com/home.html

 

Text: Torsten Schlimbach

Michael Schulte: Wide Awake

Michael Schulte: Wide Awake

Very Us Records/Edel

VÖ: 28.09.2012

 

Wertung: 8/12

 

Michael Schulte war längst eines dieser Internetphänomene bevor er durch „The Voice Of Germany“ auch in der realen Welt als Sänger wahrgenommen wurde. Fortan wurde man nicht müde zu erwähnen, dass er Klickmillionär bei YouTube sei und schon eine große Fanbasis hinter sich hätte. Für das Castingformat war das aber auch eine Bürde und Last, denn nun erwartete jeder Wunderdinge von Michael Schulte. Dabei musste er sich gegen Profis, Halbprofis oder ehemalige bekannte Sänger durchsetzen. Sein Coach Rea Garvey nahm ihn an die Hand und half ihm schnell sich in dem Haifischbecken zurechtzufinden. Der Ausgang ist bekannt, zum Sieg hat es nicht ganz gereicht, aber zu „Wide Awake“.

 

Michael Schulte hat zwar schon mal in der Onlinewelt ein Album vertrieben, aber abgesehen davon ist „Wide Awake“ nun sein erstes Werk welches mit allem Drum und Dran veröffentlicht wird. Jetzt geht es noch mal raus in die weite Welt, das sichere Versteck im Netz wird aufgegeben. Michael Schulte ist jetzt auch soweit. Definitiv! „Wide Awake“ ist nämlich erstaunlich erwachsen ausgefallen. Die Musik klingt nicht nach einem Teeanager der noch auf der Suche nach der richtigen Balance ist, sondern nach einem Musiker der seinen Platz und seinen Weg längst gefunden hat.

 

Michael Schulte hat zwar ein großes Team zur Realisierung dieser Platte um sich gehabt, welches ihm bei den Lyrics und der Musik geholfen hat und trotzdem ist er keine Marionette. Er schrieb an diesem Werk nämlich fleißig mit und die Hauptideen und der Antrieb dürften jeweils von ihm ausgegangen sein. Alles ändere hätte auch mit Sicherheit nicht funktioniert, denn damit hätte man Schulte auch seinen Stärken beraubt. Klar, er ist mit einer sehr angenehmen Singstimme gesegnet und er weiß selbige ach gut einzusetzen, er ist aber eben auch Songschreiber und diese Mischung ist es, die ihm so viele Fans eingebracht hat – neben seinen legendären Songinterpretationen.

 

„Wide Awake“ ist gut arrangierter Pop der oftmals deutlich in Richtung Singer/Sonwriter ausschlägt. „Run Away“ und besonders die Single „Jump Before We Fall“ bestechen zudem noch durch eine eingebaute Ohrwurmqualität. „Army Of Hope“ packt noch ein bisschen Rock, Pathos und Bombast obendrauf. Die Strophen sind allerdings derart stringent, locker und lässig, dass es es fast an einen Roadsong erinnert. Hin und wieder übertreibt er es allerdings auch mal. „Heard You Crying“ ist derart aufgeblasen, dass Coldplay und die Killers dagegen wie Waisenknaben wirken. Dafür sind die Balladen herrlich reduziert. „You Said You´d Grow Old With Me“ wird von der Stimme und einem wunderbaren Piano getragen. Die Akustikgitarre wird auf diesem Album selbstverständlich nicht vergessen, die hat ihm ja schließlich auch ein Stück zum Erfolg verholfen. Dies unterstreichen gerade die beiden Akustiksongs „Holding Back The Fire“ und „You´ll Be Okay“. Beeindruckend ist aber immer wieder, dass er Popsongs wie beispielsweise „Marching Man“ meistert. Dazwischen werden immer wieder ruhige Töne eingestreut, die balladesk aber nie kitschig sind. Das schöne „Beautiful Life“ wurde von Rea Garvey mitgeschrieben und klingt völlig untypisch für den Iren. Selbst den scheint Schulte im Griff zu haben.

 

Fazit: Michael Schulte veröffentlicht mit „Wide Awake“ das erste Album nach der Castingshow und jetzt wird sich zeigen, ob das Haltbarkeitsdatum länger als eine Staffel ist. Die Voraussetzungen sind ziemlich gut, denn seine Art von Popmusik hat doch recht wenig mit dem üblichen Einheitsbrei zu tun. Hin und wieder gehen die Pferde mit ihm durch und dann hantiert er zu viel mit bombastischem Pathos herum. Insgesamt wird das Album ihm aber ziemlich gerecht. Außerdem gibt es immer wieder völlig reduzierte Songs. „Wide Awake“ klingt überraschend erwachsen. Wenn sich Michael Schulte treu bleibt, dann könnte es mit einer längeren Karriere im Musikgeschäft durchaus hinhauen!

 

https://www.facebook.com/schultemusic

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch