Mia Aegerter: Nichts Für Feiglinge

Mia Aegerter: Nichts Für Feiglinge

Sophie Records/Edel

VÖ: 26.05.2017

 

Wertung: 8/12

 

Die Schweizerin Mia Aegerter veröffentlicht mit „Nichts Für Feiglinge“ nicht etwa ihr Debütalbum, sondern bereits ihr fünftes Werk. Die vorherigen vier sind nicht untergegangen, waren aber Mundartalben und von daher eher für ihr Heimatland konzipiert. Die Songs waren zudem recht poppig. „Nichts Für Feiglinge“ ist da gänzlich anders. Mittlerweile lebt die Singer/Songwriterin in Berlin und möchte künstlerisch vollkommen unabhängig sein. Es war somit nur konsequent, dass sie „Nichts Für Feiglinge“ per Crowdfunding finanzieren ließ.

 

Die vierzehn Songs tun in vielerlei Hinsicht weh. Oftmals ist das bis auf das nackte Gerüst reduziert. Indiefolk und so. Textlich bedient sich Aegerter eine klaren, trotzdem aber sehr verspielten Lyrik. Beides zusammen ist im Ergebnis eine große Melancholiekeule. Die Traurigkeit der Liebe schwingt überall mit. Das ist trotzdem nicht frei von Ironie. „Liebe Linear“ beispielsweise ist voller Tragik (Dreiecksbeziehung), aber gleichzeitig auch witzig verpackt und dann gibt es auch noch den berühmten Mittelfinger für den Herrn. Das wird wie ein Chanson gespielt, wodurch die Intensität noch mal gesteigert wird.

 

„Mehr Als Alles“ klingt wie eine Mischung aus Poisel und Silbermond – und das ist als Kompliment zu verstehen! „Böseslied“ ist wie ein nicht enden wollender Liebeskummer. Auch nach zwei Jahren ist der Kummer nicht vorbei. So mancher Hörer wird sich darin vielleicht sogar wiederfinden. Mit „Superwoman“ fängt das Album fast positiv an, auch wenn es hier um das Ende einer Beziehung geht, aber im weiteren Verlauf wird es immer trauriger und melancholischer. Mia Aegerter hat als Tipp herausgegeben, dass man das Album vielleicht angeschickert an einem Sonntagnachmittag hören sollte. Die Songs funktionieren aber immer – man muss sich nur drauf einlassen.

 

„Farbe Bekennen“ erinnert an die fabelhaften Mädels von Boy und kommt etwas mehr aus dem Quark. Das Album hat übrigens auch Groove. Nicht die Art, die auf die Tanzfläche lockt, aber „Los Lass Los“ hat einen guten Rhythmus. „Du Kommst Zu Früh“ ebenfalls, ist aber auch ungemein verspielt. Und dann dieser Text! Herrlich. „Wenn Einer Von Uns“ schleppt sich langsam dahin und stürzt einen zurück in das Tal der Tränen. Das ist ebenso im Folk angesiedelt wie auch „Vagabundin“. Bei letztgenanntem Stück ist der Gesang noch ein bisschen weiter nach vorne gemischt worden. Das hört sich so an, als würde Mia Aegerter nur für einen alleine singen. Zum Schluss gibt es noch zwei extrem intensive Live-Versionen von „Superwoman“ und „Schwarzer Fleck“.

 

Fazit: „Nichts Für Feiglinge“ ist hier Programm. Wer mit den Schattenseiten der Liebe nicht klarkommt, sollte in diese intensiven Songs besser nicht reinhören. Zwischen Indiefolk und Singer/Songwriter hat Mia Aegerter ein sehr authentisches Werk aufgenommen. Musik in der ehrlichsten Form. Die Sängerin, die einst durch GZSZ bekannt geworden ist, ist hörbar erwachsen geworden und hat ein sehr schönes Album aufgenommen. Die Texte sind direkt, trotzdem auch sehr lyrisch und teilweise auch sehr bissig und ironisch. Chapeau!

 

http://www.miaaegerter.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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