Metronomy: The English Riviera

Metronomy: The English Riviera
Warner

VÖ: 15.04.2011

 

Wertung: 7/12


Metronomy wurden vor drei Jahren als neue Sensation am englischen Pophimmel gefeiert. Die Kritiker zeigten sich begeistert, die hippen Nerds sprangen sowieso schnell auf den Zug der Lobpreisungen auf und der Bekanntheitsgrad der Band wuchs stetig. Es dauerte nicht lange und schon hatte sich auf der Insel eine stattliche Anzahl an Fans gefunden. Es kam Metronomy ganz sicher auch sehr gelegen, dass Bandkopf Joseph Mount als Remixer für Franz Ferdinand oder die Klaxons tätig war. Letztlich wurde das bandeigene Album „Nights Out" als kleine Sensation im musikalischen Jahr 2008 gefeiert.


Lange ist es her. Fast drei Jahre sind ins Land gezogen und mit einem Nachfolger hat man schon nicht mehr gerechnet. Nun liegt also „The English Riviera" doch noch im Abspielgerät und sorgt für Erstaunen. Man kann Metronomy immerhin nicht den Vorwurf machen, dass sie die alte Soße erneut aufwärmen und durch den Fleischwolf jagen. Dieses Album hier ist doch eine ganze Ecke anders. Was da in London und Paris aufgenommen wurde klingt doch sehr entspannt.


„The English Riviera" ist natürlich jetzt kein Sommerparty-Album, daran lässt schon das gleichnamige Intro keinen Zweifel, auch wenn das Meer rauscht und man Möwen hört. Die Melancholie haben Metronomy wohl für sich gepachtet und trotzdem ist diese Scheibe nicht von einer Traurigkeit durchzogen. Jetzt wird dem Pop gehuldigt. Natürlich ist da die ureigene Bandphilosophie immer präsent. „We Broke Free" ist sehr vom Bass dominiert, erlebt im Mittelteil auch mal einen kleinen Feedback-Ausbruch der Marke Pixies oder Pavement und überrascht mit Falsettgesang, den auch schon Beck so für sich entdeckt hatte. „Everything Goes My Way" ist das komplette Gegenteil - oder doch nicht? Immerhin teilen sich Roxanne Clifford und Joseph Mount den Gesang. Die Stimmung ist entspannt und ein dezentes Saxophon sorgt endgültig dafür, dass man sich auf einer Gartenparty mit einem Kaltgetränk in der Hand voll und ganz dem Sonnenuntergang widmet.


Tanzbar sind die Songs freilich auch immer wieder. Dafür sorgt schon der Mini Moog bei „The Look". Hin und wieder beschleicht einen sogar der Eindruck, dass dies die Musik zu einem dieser Straßenfegerkrimis der 70er wäre. Die kühle Ästhetik von „She Wants" passt natürlich perfekt zur wiederentdeckten 80er Jahre Frühphase. Der Bogen ins Hier und Jetzt wird dabei immer wieder gespannt. Hin und wieder wird der Bogen aber auch etwas überspannt. „Trouble" mag zwar sehr relaxt sein, aber die Nummer driftet fast fünf Minuten ereignislos so vor sich hin. „The Bay" oder „Loving Arm" sind ebenfalls nur leidlich spannend. Das erinnert übrigens oftmals an eine bekannte deutsche Band. Noch deutlicher wird dies bei „Corinne", da werden Erinnerungen an Kraftwerk wach. „Some Written" hingegen tobt sich im Easy Listening aus, spielt aber auch mit einigen TripHop-Elementen. Mit „Love Underlined" wird zum guten Schluss noch mal alles in die Waagschale geschmissen, was „The English Riviera" ausmacht.


Fazit: Metronomy melden sich mit einem ambitionierten Album zurück. „The English Riviera" ist ein Popalbum der etwas anderen Art. Es wird mal minimalistisch entspannt in Richtung 70er und 80er geschielt, dann wiederum macht man es sich im Easy Listening gemütlich oder lässt doch noch einen Beat losrollen, der auf die Tanzfläche lockt. Feedback gibt es auch auf die Ohren. Erstaunlich, dass diese Scheibe trotzdem keine Ansammlung von zusammenhanglosen Songs ist, sondern immer den berühmten roten Faden zu bieten hat. Dieses Album sollte doch viele Abnehmer finden, denn es passt absolut zum Zeitgeist.

 

http://www.metronomy.co.uk


Text: Torsten Schlimbach

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