Max Giesinger: Der Junge, Der Rennt

Max Giesinger: Der Junge, Der Rennt

BMG Rights Management/Sony

VÖ: 08.04.2016

 

Wertung: 7,5/12

 

Max Giesinger meldet sich mit seinem zweiten Album bei seinen Fans zurück. Der Sänger aus Busenbach hat zwar bei The Voice stets gute Kritiken bekommen, aber man kann nicht behaupten, dass ihm danach der Popo nachgetragen wurde. Die Castingshow hat zugegebenermaßen dafür gesorgt, dass er sich einem großen Publikum präsentieren konnte. Seine daraus resultierende Anhängerschaft verdankt er aber seinem Talent und seiner Stimme. Somit war es auch wenig überraschend, dass die Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung seines ersten Albums nach 24 Stunden schon das anvisierte Ergebnis erreicht hatte. Die Veröffentlichung erfolgte dann zunächst in Eigenregie. „Der Junge, Der Rennt“ hat mit BMG und Sony nun doch noch ein größeres Label bzw. Vertrieb mit im Boot.

 

Nach dem Hype ist vor der Ernüchterung. Max Giesinger brauchte einen neuen Ort um sich auch als Künstler noch mehr zu finden. Hamburg und die Reeperbahn – da wohnt er jetzt – erschien ihm da die richtige Wahl. „Der Junge, Der Rennt“ dürfte ganz sicher auch seine Person und seinen rastlosen Charakter widerspiegeln. Ein Künstler, der nicht angekommen ist, sich seiner Identität bewusst wird, vielleicht sogar schon im Klaren darüber ist. Er rennt aber eben immer noch. Auf der Suche nach der Richtigen?

 

„Barfuss Und Allein“ bringt das jedenfalls gleich zur Sprache. Die Trägheit, wenn der Partner weg ist und man eigentlich ausziehen müsste, es aber nicht tut. Es ist ein rockiger Auftakt mit einem aufgedrehten Max Giesinger. „Roulette“ bleibt beim Thema. Diesmal spielt die neue Nachbarin Roulette, obwohl die Ich-Person nur Schach spielt. Das geht dann schon etwas mehr in die Poprichtung. „80 Millionen“ lässt den Protagonisten dann aber endlich ankommen, er wurde gefunden „einer unter 80 Millionen“. Nettes Popstück.

 

„Ins Blaue“ geht dann in so eine Bosse-Richtung. Als Duettpartnerin hat er sich die wunderbare Elif mit ins Boot geholt. „Wenn Sie Tanzt“ ist eigentlich ein Thema, welches man nicht unbedingt von einem Mittzwanziger erwarten würde. Mütter werden sich hier wiederfinden. Das Stück ist musikalisch dann erneut in der Bosse-Ecke zu verorten – und dies ist bitte als Kompliment zu verstehen, denn der Aki ist ein Guter! Der Max ist aber auch kein Schlechter. „Nicht So Schnell“ erinnert ein bisschen von der Instrumentierung in den Strophen an „Streets Of Philadelphia“. Wer auf – weitestgehend – handgemachte Popmusik für Erwachsene abfährt, wird mit Songs wie „Für Dich, Für Mich“ und die „Die Guten Tage Strahlen“ sehr glücklich werden. „In Balance“ ist sogar irgendwie tanzbar und hat einen guten Groove. Es ist meist die Stimme, die aus den Songs noch mehr herausholt, als eigentlich in selbigen steckt. „Vielleicht Im Nächsten Leben“ ist dabei nicht mal so gut. „Melancholiker“ bringt die Grundtendenz des Albums auf den Punkt. „Der Junge, Der Rennt“ ist der letzte Song – immer in Bewegung bleiben.

 

Fazit: Max Giesinger hat mit „Der Junge, Der Rennt“ ein gutes zweites Album aufgenommen. Er ist rast- und ruhelos. Auf der Suche nach dem großen Glück. Seinem Glück. Deshalb schwingt über dem Album auch immer ein bisschen Melancholie mit. Musikalisch ist das gute, handgemachte Popmusik für Erwachsene. Man darf gespannt sein, ob Max Giesinger in Zukunft weiter rennen wird, oder ob er irgendwann zum Stillstand kommt.

 

https://www.facebook.com/maxgiesinger

 

Text: Torsten Schlimbach

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