Martha Wainwright: Come Home To Mama

Martha Wainwright: Come Home To Mama

Cooperative Music/Universal

VÖ: 26.10.2012

 

Wertung: 8/12

 

Die Wainwright Familie ist mit derart viel Kreativität gesegnet, dass es schon beängstigend ist. Andere Künstler können sich da nur verwundert am Kopf kratzen und sich dann voller Ehrfurcht verbeugen. Jetzt kommt Martha Wainwright mit einem neuen Album um die Ecke. Wer dachte, er hätte den Schlüssel zum Wainwright Universum gefunden, der kann den Gedanken aber ganz schnell wieder verwerfen. „Come Home To Mama“ ist nämlich mal wieder gänzlich anders und erfüllt bestimmt keine Erwartungen.

 

Bisher hat Martha Wainwright mit ihrem Ehemann Brad Albette zusammengearbeitet. Dieses Schema hat sie nun für das neue Werk durchbrochen und sich für den japanischen Multiinstrumentalisten Yuka C Honda als Produzent entschieden. Aufgenommen wurde das Album zu Beginn des Jahres im Studio von Sean Lennon, der bei „Come Home To Mama“ auch als Gastmusiker dabei ist. Mit Nels Cline und Jim White sind übrigens weitere Hochkaräter dabei die Martha Wainwright bei der Entstehung dieser Platte unterstützten.

 

Ihr letztes Werk war ja ziemlich poppig. Davon kann man sich jetzt fast verabschieden. Na gut, wirklich nur fast. „Can You Believe It“ ist süßlicher Popkitschkram, der schon wieder derart kleckert, dass es schon wieder bezaubernd ist. „Radio Star“ ist auch Pop, irgendwie. Allerdings ist die Nummer so schön windschief, dass sie in kein Format passt und die Indienerds erfreuen wird. Ist dies der Verdienst von Honda? Oder doch eher „Proserpina“? Das Stück spielt geschickt mit Elementen der Klassik und des Musicals und besteht dabei vordergründig nur aus einem simplen Pianothema und der Stimme von Martha Wainwright. Die Streicher und der überbordende Chor geben dem Stück dann aber eine ganz andere Richtung.

 

Wer vermisst eigentlich Kate Bush, wenn er Martha Wainwright und „Leave Behind“ haben kann? „Come Home To Mama“ ist eben sehr vielfältig aufgestellt und wird einzig und alleine von der Stimme zusammengehalten. Diese Stimme kann manchmal auch leicht neben der Musik liegen, wie bei „Four Black Sheep“. Diese Phase hatte Tori Amos auch schon mal. Zugegeben bei „Some People“ nervt es etwas und zu den durch den Raum schwirrenden und flirrenden Klängen passt der Musicalgesang nicht wirklich. Anstrengend. „I Wanna Make An Arrest“ wartet mit treibenden Beats auf und hier zeigt Miss Wainwright dann auch die ganze Vielfalt ihrer Stimme. Selbst der musikalisch völlig unspektakuläre Song „All Your Clothes“ wird durch die Art des Gesangs dann doch wieder gut. Für „Everything Wrong“ gilt dies ebenfalls, die Mischung aus Tori Amos, Stevie Nicks und Katie Melua ist eben zu interessant um langweilig zu sein.

 

Fazit: Mit „Come Home To Mama“ hat Martha Wainwright den Pop wieder ein Stück hinaus komplementiert. Natürlich nicht ganz! Musical, Indie, Folk, Klassik – alles da. Dieses Album ist wieder höchst ambitioniert, aber so langsam muss die Familie Wainwright aufpassen, dass sie nicht vor Kreativität platzt. Der künstlerische Anspruch ist mal wieder immens hoch, Soul und Herz sollten dabei allerdings nicht vergessen werden. Schlechte Alben gibt es im Hause Wainwright aber sicher nicht!

 

http://www.marthawainwright.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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