Marey: Save Animals Eat People

Marey: Save Animals Eat People

Deepdive Records/Edel

VÖ: 02.02.2018

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Das Schweizer Duo Marey könnte die Lücke schließen, die Mazzy Star seit deren letzter Veröffentlichung im Jahre 2013 hinterlassen hat. Marey sind in erster Linie Maryam Hammad (Gesang, akustische Gitarre) und Aurèle Louis (Cello, E-Gitarre). Das Duo ist Kopf, Herz und Bauch von Marey. Unterstützung holten sich die beiden von Sacha Ruffieux an der Gitarre, Julien Revilloud am Bass und Luigi Galati an den Drums. Gemeinsam spielte man das Debüt „Save Animals Eat People“ ein.

 

Das Album bewegt sich musikalisch in einer Nische. Da ist nichts für ein Massenpublikum dabei. Die Musik ist dafür auch zu sperrig und mit zu vielen Haken versehen. Es ist betörend schöne Musik, die über viele Tellerränder blickt. „Farewell“ kriegt beispielsweise durch das Cello eine ganz besondere Note mit auf den Weg und bewegt sich so zwischen Indie und Klassik. „Love“ wird durch die Sitar sogar für die Weltmusik geöffnet. Es ist ein vielfältiges Album, welches oftmals zu Beginn eines Liedes im Folk beheimatet ist, aber dann in dessen weiteren Verlauf ganz dezent in eine völlig andere Richtung geht. „The Story Of The Broken Cake“ ist zunächst auch sehr spärlich instrumentiert, steigert sich aber nach und nach. In der Mitte hört sich das sogar an wie Radiohead zu „OK Computer“-Zeiten, entwickelt sich aberauch noch zu veritablem Indierock.

 

Der Gesang von Maryam Hammad wickelt den Hörer wie ein warme Decke ein. „Mr Wolf“ klingt wie eines dieser schönen Lieder von Nanci Griffith. Die Atmosphäre bei „Owls“ wird vom Cello dominiert und auf wundervolle Weise vom Gesang flankiert. „As Long As It Helps“ ist für einen ganz kurzen Moment sogar proggig ausufernd. Dramatisch ist „7“ ausstaffiert worden. Man muss da unweigerlich an Tom Waits denken. „Oslo“ ist Blues, aber auch Chanson. Gesungen wird übrigens in deutscher Sprache. „L´Absence“ ist ein französischsprachiger Song, der die ganze Last und Schwermut der Welt zu schultern scheint. Berührend!

 

Fazit: Wer Indiemusik liebt, kriegt mit Marey eine neue Band, die dem Affen Zucker gibt. Folk, Blues, Chanson, gar Klassik – alles geht hier. Die Arrangements sind dabei ebenso bezaubernd wie der Gesang! Das ist große Kunst ohne künstlich zu sein. Natürlich bewegen sich die Protagonisten damit auch in einer Nische, aber das ist authentisch, berührend und toll. Schön, dass es noch Menschen gibt, die solche Musik komponieren, aufnehmen und veröffentlichen!

 

https://www.mareymusic.ch/

 

Text: Torsten Schlimbach

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