Marcus Hook Roll Band: Tales Of Old Grand Daddy

Marcus Hook Roll Band: Tales Of Old Grand Daddy

Parlaphone/Warner

VÖ: 30.05.2014

 

Wertung: 8/12

 

Hendrikus Vandenberg ist für die Geschichte von AC/DC mehr als nur eine Randnotiz. Der Holländer, der in Sydney auf einen gewissen George Young traf, ist der Musikwelt besser als Harry Vanda bekannt. Mit Australiens erfolgreicher Band, The Easybeats, schrieb er zumindest in seiner neuen Heimat Geschichte. Mit George Young verfasste er die Hits der Gruppe. Später arbeiteten die beiden als eingespieltes Produzententeam und konnten so noch einige Erfolge verbuchen. Was das alles mit der Marcus Hook Roll Band und besonders AC/DC zu tun hat? Nun die beiden Herren waren Mitglied und Stimme dieser Formation und mit Malcolm und Angus Young waren zwei blutige Anfänger dabei, die später auszogen um mit AC/DC den Rockolymp zu erklimmen.

 

Wer oder was Marcus Hook ist weiß man eigentlich nicht so genau. Mythen und Legenden ranken sich um diesen Namen. Fakt ist jedenfalls, dass keines der Bandmitglieder dafür Pate stand. Fakt ist auch, dass es AC/DC wohl nie gegeben hätte, wenn die Marcus Hook Roll Band durch die Decke gegangen wäre. Heute ist das Material dieser Kapelle natürlich Gold wert, denn die zahlreichen Fans der Starkstromrocker geben ihr letztes Hemd dafür – die Sammlung will schließlich komplettiert werden.

 

Nun wird also „Tales Of Old Grand Daddy“ veröffentlicht, jene legendären Songs, die größtenteils im Juli und August 1973 eingespielt wurden. Angeblich war die Truppe – Harry Vanda, George Young, Malcolm Young, John Proud, Alex Young, Howie Casey, Ian Campbell, Freddie Smith und Wally Waller - auf einem großen Partytripp. Old Grand-Dad Bourbon floss in Strömen, während sich der blutjunge Angus an seiner Milch festhielt. Ob das alles tatsächlich so gewesen ist, sei mal dahingestellt. Es liest sich jedenfalls gut und hört sich nach Rock and Roll an. Aufgrund der jüngsten Ereignisse im Hause AC/DC kriegt der jetzige Zeitpunkt der Veröffentlichung leider auch eine etwas komische Note. Die Songs werden dadurch freilich nicht besser oder schlechter.

 

Fans in Deutschland dürften sich sowieso darüber freuen, denn die ersten musikalischen Gehversuche von Malcolm und Angus waren hier gar nicht offiziell erhältlich. „Tales Of Old Grand Daddy“ kann sogar noch mit zwei unveröffentlichten Songs aufwarten und hat zudem noch drei weitere rare Tracks am Start. Die Band, die nur im Studio existiert hat, kann man nun natürlich auf Herz und Nieren prüfen und die Parallelen zu AC/DC suchen. Finden wird man diese, wenn man lange genug bohrt. Dies ist letztlich aber auch alles völlig egal. Man hört den Songs jedenfalls an, dass diese in launiger Runde entstanden sein müssen. „Goodbye Jane“ macht als Mischung aus Southern Rock und Boogie unglaublich viel Spaß und „Quick Reaction“ mit Keith Richards-Gedächtnisgitarre scheint sowieso die Sonne aus dem Arsch. Kommt gut.

 

Erstaunlich, dass die Herren auch mal den Blues hatten. Aber keine Party ohne Kater, ist doch klar. „Silver Shoes“ ist jedenfalls ein ganz großes Ding. Der Rest rockt und rollt sich quer durch den Gemüsegarten. „Watch Her Do It Now“ klingt ein bisschen so, als hätte sich David Bowie ein Honky-Tonk-Piano ins Studio geholt. Die Gitarrenarbeit ist übrigens auf diesem Album immer immens präsent, wer auch immer gerade spielen mag. „People And The Power“ holt dann auch noch The Temptations ins Studio. Groovt wie Sau. „Red Revolution“ ist auf Seiten des Gesangs schon ein dreckiges Brett, ist ansonsten aber beim Schweinerock zu finden. „Ape Man“ ist vermutlich tatsächlich mit Hochprozentigem entstanden. Lässiges Ding. „Cry For Me“ ist danach leider der gescheiterte Versuch einer weiteren Ballade. „One Of These Days“ - einer der unveröffentlichten Songs – holt noch mal die wärmende Sonne Australiens ins Zimmer. Eine Truckerhymne, die ganz nett ist. „Ride Baby Ride“ versucht sich ganz zum Schluss am Country, was für einen entspannten Abgang sorgt.

 

Fazit: „Tales Of Old Grand Daddy“ der Marcus Hook Roll Band gehört zu den kleinen Schätzen, die Musiknerds immer wieder suchen. Hier gibt es die Anfänge von Angus und Malcolm Young zu bewundern. Die Platte macht zwischen Blues, Southernrock, Boogie und schnörkellosem Rock and Roll eine ganze Menge Spaß. Die Welt wird hier zwar noch nicht auf den Kopf gestellt, aber das macht ja nichts. Die Anschaffung würde sich übrigens auch lohnen, wenn das nichts mit AC/DC zu tun hätte!

 

Text: Torsten Schlimbach

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