Low: The Invisible Way

Low: The Invisible Way

Sub Pop/Cargo Records

VÖ: 22.03.2013

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Es ist doch nicht so schlecht um die Musikwelt bestellt, wenn eine Band wie Low gerade ihr 20jähriges Bandbestehen feiern und 10 Studio-Alben im Backkatalog vorweisen kann. Die Band aus Duluth, Minnesota ist ja nun nicht gerade die Blaupause des Mainstreams. Selbst für den Independentbereich ist ihre Art von Musik sehr speziell – für manche zu speziell. Daran wird nun auch „The Inivisble Way“ nichts ändern. Das – wenn man so will – Jubiläumsalbum ist trotzdem mal wieder eine ganz besondere Platte geworden. Natürlich, wie sollte es auch anders sein?

 

Glücklich können sich all jene Musiker schätzen, die mit Wilco freundschaftlich verbunden sind. Low und Wilco passen sowieso zusammen wie Pott auf Deckel. Und so kam, was eigentlich schon längst kommen musste. Auf dem Tourplan von Low stand auch Chicago und somit drängte sich ein Besuch bei Wilco und deren Studio `The Loft` förmlich auf. Beeindruckt von dem immensen Instrumenten-Fundus, der entspannten Atmosphäre und nicht zuletzt den neuen Mavis Staples Tracks an denen sie gerade arbeiteten, wurde die Freundschaft in ganz neue Dimensionen gelenkt. Low konnten Jeff Tweedy als Produzenten gewinnen, der sich über die Jahre da reingefuchst hat und sein Stil perfekt zum Sound von Low passt.

 

Das Ergebnis kann nun anhand von „The Invisible Way“ begutachtet werden und es ist – wie nicht anders zu erwarten – hervorragend! Angeblich hat ja mal ein Freund der Band den Namen Slowcore in den Ring geworfen und somit nicht nur eine Schublade für die Musik von Low geöffnet, sondern auch gleich ein ganzes Genre erfunden. Selbstverständlich ist auch „The Invisible Way“ entschleunigt und der Vortrag von seiner Langsamkeit geprägt. Die Melodien kreisen und schwirren um sich selber, aber im Grunde ist das Folk, Americana und Country mit ein paar krachenden Indie-Anleihen, die das Gehörte immer wieder auflockern.

 

Allerdings shuffelt sich die Band auch mal recht forsch durch „Just Make It Stop“. Der bezaubernde Gesang von Mimi Parker macht die Nummer zu einem Ereignis. Musikalisch öffnet sich das Stück zur Mitte hin gar noch und wird fast opulent vorgetragen. Typisch für Low sind die kleinen Brüche, die das Tempo verlangsamen, wieder anziehen oder die Instrumente ganz verstummen lassen. Wie schön ist doch die Lagerfeuerromantik von „On My Own“ und dann endet alles in einem großen Bäm der Marke Neil Young! So muss das sein.

 

Low haben für dieses Album das Piano entdeckt und so gibt es die dezent angeschlagenen Melodien bei vielen Stücken zu hören. Erstaunlicherweise drängen sich diese nie auf unangenehme Weise in den Vordergrund. Das fängt schon beim überragenden Auftakt mit „Plastik Cup“ an und reißt bis „To Our Knees“ nicht mehr ab. Akustikgitarre und Piano bilden auf „The Invisible Way“ eine perfekt aufeinander abgestimmte Einheit.

 

Fazit: Low legen auch im zwanzigsten Jahr ihres Bestehens mit „The Invisible Way“ ein hervorragendes Album vor. Die Verbindung mit Wilco ist sicher nicht zu verachten. Die Entdeckung des Pianos und der Akustikgitarre erweist sich ebenfalls als feiner Schachzug. Songs, in denen man sich wieder verlieren kann und in denen man versinkt wie in einem Ohrensessel. Und immer dann, wenn man nicht damit rechnet, kommt von irgendwo eine verrückte Idee her oder die ganze Geschichte löst sich mit einem großen Knall auf. Low mögen sich die Songs aus den bekannten Zutaten wie Americana, Folk und Country bauen, spielen auf ihre Art aber immer noch in ihrer eigenen Liga. Schön, dass heute so etwas überhaupt noch möglich ist!

 

http://chairkickers.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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