Lokomotor: Wir Sind

Lokomotor: Wir Sind

Motor/Edel

VÖ: 26.01.2017

 

Wertung: 6,5/12

 

Eine Band, die aus Freunden, Geschwistern und auch noch dem Ehepartner besteht, ist sicherlich eine hochexplosive Mischung. Lokomotor sind die Geschwisterpaare Daniel Lang & Rebekka Knoblich und Manuel & Johannes Hoffmann sowie Trommler Benjamin Knoblich, Ehemann von Rebekka. Diese Konstellation ist allerdings sicher auch davor gefeit, dass Einflüsse von außen sich zu stark breitmachen. Für „Wir Sind“ musste sich die Band dann auch einiger Widerstände erwehren um die Musik für das Debüt so aufzunehmen, wie das Quintett es selbst für richtig hält.

 

Wie sich das anhört, kann man nun anhand der neun Songs von „Wir Sind“ überprüfen. Letztlich klingt Lokomotor wie eine etwas dreckigere Version von Silbermond. Der Opener „Wir Sind Jetzt“ geht sogar in die Jennifer Rostock-Richtung. Vieles hört sich unglaublich bedeutungsschwanger, wie bei „Wanderer“, an. Da ist eine ganze Menge Pop dabei, der aber von der Schwermut und dem sakralen Mittelteil aufgebrochen wird. Danach übernehmen Bass und Drums die musikalische Führung zu einem Emo-Monster.

 

Das Problem von Lokomotor ist mitunter, dass es sich um einen weiteren deutschsprachigen Act handelt. Die Schwemme, die der Markt die letzten Jahre eh schon verkraften musste, macht es sicher nicht einfacher für die Band. „Hallo Leben“ ist dann eben auch nur ein weiterer deutschsprachiger Popsong, der schnell nervt. „Menetekel“ fängt recht vielversprechend an, der Rock weicht dann aber einer groovigen Ausrichtung. Letztlich dürfte die Nummer allen gefallen, die auch Jennifer Rostock im Regal stehen haben. „Tanz Mit Mir“ ist so ein Ding, welches sich unweigerlich in den Gehörgängen festkrallt. „Wann Fängt Der Morgen An“ ist dann wiederum in der Silbermond-Ecke beheimatet. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, man hört durchaus, dass Lokomotor hier sehr viel Herzblut in die Songs gelegt haben. Das ist schon ehrlich und authentisch und man nimmt der Band durchaus ab, was sie da macht.

 

Fazit: Lokomotor legen mit „Wir Sind“ im Grunde ein ordentliches Album vor, gar keine Frage. Der Wiedererkennungswert hält sich allerdings auch in Grenzen, da das zwischen Silbermond oder Jennifer Rostock pendelt. Die Songs sind handwerklich gut in Szene gesetzt und das wird insgesamt mit einer großen Intensität dargeboten. Ob sich der native speaking GhostPop – so bezeichnet die Band selber die Musik – dann bei einer großen Anhängerschaft Gehör findet, muss dann doch bezweifelt werden.

 

http://lokomotor.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch