Leona Berlin: dito

Leona Berlin: dito

Warner

VÖ: 07.09.2018

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Die deutsche Musiklandschaft fällt nicht gerade durch Qualität auf. Man möchte einfach nur noch von dieser nichtssagenden Dutzend- und Massenware ohne künstlerischen Anspruch verschont bleiben. Furchtbar und traurig, was sich da momentan so abspielt. Man kann diesen ganzen Befindlichkeitspop von der Stange nicht mehr ertragen. Was hat das nun mit Leona Berlin zu tun? Eine ganze Menge! Die Musik der Newcomerin ist derart anders, dass man die Dame dafür einfach nur mal drücken möchte. Ihr Debüt dürfte dieses Jahr eines der besten Alben eines deutschen Künstlers sein. Ach was schreibe ich da? Eines der besten der letzten Jahre!

 

Nun gut, Karlsruhe – da wurde Leona Berlin geboren – und Hügelsheim – hier wuchs sie auf – gehören nicht gerade zu den Musikmetropolen. Mittlerweile wohnt die gute Leona ja auch in der Hauptstadt. Ihr Name hat übrigens nichts damit zu tun, denn das ist kein Pseudonym, sondern so steht es auch in ihrem Pass. Liest man sich ihre Vita durch, dann war die Musikerkarriere schon früh vorprogrammiert. Sie nahm Gesangsunterricht, Klavierstunden und lernte später auch das Schlagzeugspiel. Letzteres hört man mitunter dem Groove des Debüts an.

 

Auf den Weg wurde das Album im Jahre 2014 gebracht. Der ganze Prozess zog sich allerdings bis zum Winter 2017 hin. Leona Berlin verfolgte akribisch ihre Vision und legte dabei einen perfektionistischen Anspruch an den Tag. Der Weg führte sie dabei bis nach New York zu Jack Delays Dugdeep Recording Studio. Leona Berlin hat das Album selbst produziert. Ganz ohne fremde Hilfe ging es aber auch nicht und so griffen ihr bei Teilen der Texte und der Musik verschiedene Leute unter die Arme.

 

Ein prägendes Album war für Leona Berlin laut eigener Aussage „Songs In A Minor“ von Alicia Keys. Das hört man dem Debüt durchaus an. Die Stilistik ist ähnlich. Nicht, dass das falsch verstanden wird: Leona Berlin ist keine Kopie von Alicia Keys! „Little Bit“ ist beispielsweise aber von einer ähnlich kühlen, wie genialen Ästhetik durchzogen. „Walking“ bringt ein paar ganz, ganz dezente groovige Elemente, wie man sie vom Hip-Hop kennt, mit. Das ist Neo-Soul, Jazz und Pop. Musikalisch braucht es nicht viel und der minimalistische Ansatz gefällt ungemein gut.

 

Die Phrasierung bei „Movin“ legt eine Leichtigkeit an den Tag, die vielen Sängerinnen abgeht. Über der Nummer liegt eine entspannte Leichtigkeit, die den Hörer sofort abholt. Man kann sich in die Musik von Leona Berlin regelrecht fallen lassen. „Cruel (Heal Me)“ lädt mitunter sogar zum Tanzen ein. Trap ist das Gerüst, welches den Minimalismus sanft durchbricht. „Feel The Love“ weiß zu berühren. Der langsame Jazz schält sich schleppend dahin. Man könnte sogar den Eindruck gewinnen, dass dies live aufgenommen wurde – so organisch hört sich das an. „Free“ erinnert ein bisschen an Lounge-Musik. Sade ist da auch nicht weit entfernt. Die Mischung ist immer passend. „Make Me Wanna“ hat dabei sogar poppiges Hitpotenzial. „Nothing Compares 2U“ ist eine feinfühlige Interpretation des Welthits.

 

Richtig stark ist „Thinking About You”. Das ist moderner R&B, der ungemein groovt. Das wirkt zu keiner Zeit aufgesetzt oder am Reißbrett geplant, sondern hier hört man die Musik und die Stimme einer Künstlerin, die das macht, was sie liebt und hinter dem sie voll und ganz steht. „Snow Crystal“ fährt wieder ein paar Gänge runter. Ein Track für die Abendstunden. Erstaunlich daran ist die Tatsache, dass das zu jeder Jahreszeit funktionieren wird. Das kann man im Sommer auf der Terrasse ebenso genießen, wie auch an einem langen Winterabend vor dem Kamin. „Flying High“ bringt noch mal sämtliche Facetten des Albums in einem Song unter. „Searching“ ist der etwas melancholische Albumausklang, der aber durchaus zu begeistern versteht.

 

Fazit: Leona Berlin ist eine deutsche Künstlerin von Weltformat. Ihr Debütalbum braucht internationale Vergleich ganz sicher nicht zu scheuen. Neo-Soul, Pop, Jazz und R&B werden zu einem aufregenden Mix angerührt, der modern, aber auch zeitlos klingt. Und wenn es sein muss, dann versteht es Leona Berlin zu grooven. Das mit weitem Abstand Aufregendste, was man dieser Tage in der deutschen Musiklandschaft entdecken wird!

 

http://leonaberlin.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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