Le Fly: Kopf Aus Fuss An

Le Fly: Kopf Aus Fuss An

St. Pauli Tanzmusik/Soulfood

VÖ: 27.10.2017

 

Wertung: 7,5/12

 

Le Fly schweben zwar immer etwas unter dem Radar hindurch, aber das liegt ja weniger an der Qualität der Musik, sondern vielmehr an der Tatsache, dass sich der Band konsequent den Marktmechanismen verweigert. Anders ausgedrückt: Le Fly machen nicht die Art deutschsprachiger Scheißmusik, die einen jeden Tag aus dem Radio entgegen plärrt! Eine beachtliche Anhängerschaft hat sich die Kapelle mit zwei Alben im Gepäck trotzdem erspielt. Die Live-Qualitäten von Le Fly sind ja auch mittlerweile schon legendär. Eine Live-DVD war da nur folgerichtig. Mittlerweile wurde mit St. Pauli Tanzmusik ein eigenes Label gegründet. Dort erscheint nun „Kopf Aus Fuss An“.

 

Das Album ist mal wieder ein Mix aus vielen Stilen. Wir hätten da Crossover, Rap und HipHop. Pop, Reggae und ein bisschen Dub. Alles geht, nichts muss! Aber Spaß soll es machen! Le Fly propagieren die Liebe. Nicht die von der kitschigen Sorte, sondern eher, dass sich doch verdammt noch mal alle liebhaben sollen. Die Neun haben da aber so manche gesellschaftliche Kritik verpackt, wie beispielsweise bei „Läuft Bei Mir“. Oder sind Le Fly einfach nur „Ätzend Fröhlich“? Vielleicht sollte man auch hier mal genauer hinhören. Ja, die Band hat was zu sagen.

 

„Kopf Aus Fuss An“ ist ein ganzes Stück grooviger ausgefallen. „Stash“ erinnert dabei sogar an Deichkind. Mit „St. Pauli Tanzmusik“ geht es zunächst mit schneller Zunge und langsamen Ska los. Geiles Ding für den Anfang. Der Refrain könnte übrigens auch von Materia sein. „Hand In Hand“ kommt eher Seeed sehr nahe. Diese Vergleiche dienen übrigens nur als Orientierung und sind nicht so zu verstehen, dass Le Fly hemmungslos klauen. „Snervt“ hat allerdings bei Cypress Hill ganz genau hingehört. Zumindest was den Hintergrund betrifft.

 

„Superstars“ ist allerdings etwas platt. Die Musik zwischen Crossover und Pop erinnert an längst vergessene Zeiten. Die H-Blockx braucht ja nun wirklich keiner mehr. Dann schon lieber der entspannte Reggae-Ritt von „Augen Zu“. „Wir Sehen Sehr Gut Aus“ hat sogar was von Big Band-Sound. Ja, das ist Hamburg, St. Pauli. „Pool Skit“ ist wie Indienerdmusik. So wie Beck der 90er. Wie gesagt: alles geht, nichts muss! „Gepäckträger“ holt dann die gute Laune auch in der dunklen Jahreszeit in die heimischen vier Wände herein und begrüßt diese mit weit ausgebreiteten Armen.

 

Fazit: DIY wird bei Le Fly immer noch ganz groß geschrieben. Jetzt auch mit eigenem Label. Die Gitarren drücken nicht mehr so, dafür gibt es auf „Kopf Aus Fuss An“ sehr viele groovige Momente. Neun Leute muss man auch unter einen Hut bringen können! Muss man das wirklich? Nö. Na gut, es wird sicher den einen oder anderen Kompromiss gegeben haben, aber trotzdem ist das Album so vielfältig wie die neun Musiker verschieden sind – besonders musikalisch. „Kopf Aus Fuss An“ wird die Welt nicht in den Grundfesten erschüttern, macht aber eine Menge Spaß und darum geht es schließlich!

 

http://www.lefly.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch