Laura Marling: Semper Femina

Laura Marling: Semper Femina

More Alarming Records/Rough Trade

VÖ: 10.03.2017

 

Wertung: 9/12

 

Laura Marling veröffentlicht mit „Semper Femina“ das sechste Studioalbum in neun Jahren. Das ist ja schon eine unglaubliche Schlagzahl. Trotzdem verliert sie dabei nie den Fokus aus den Augen. So unglaublich sich das auch anhören mag, aber bei ihr geht Qualität vor Quantität. Dies erklärt dann auch, dass auf ihrem neuerlichen Album dann nur neun Songs zu finden sind. Weniger ist dann doch mehr. Und selbstverständlich ist der Albumtitel nicht zufällig gewählt. Ihre Betrachtungsweise der Feminität geschieht, wie sie es nennt, „maskulinen Zeit in ihrem Leben“.

 

Aufgenommen hat Laura Marling das Album bereits Ende 2015 in Los Angeles. Produziert hat sie selbiges zusammen mit dem Musiker Blake Mills. Marling hat den Mann schon länger auf dem Zettel und war hocherfreut, dass er ebenfalls schon seit geraumer Zeit mir ihr arbeiten wollte. So fügte sich letztlich alles zusammen und „Semper Femina“ wurde zu einem ganz besonderen Album in ihrem sowieso schon herausragenden Backkatalog.

 

Abgesehen von der Rolle der Frau in dieser Gesellschaft und von Frauenfreundschaften, verfolgt die gute Laura hier auch musikalisch einen etwas anderen Ansatz. Die kühle Ästhetik der letzten Arbeiten ist fast gänzlich verschwunden. Die Songs sind in eine folkige Wärme eingehüllt. Dies unterstreicht zudem, dass Laura Marling zur wichtigsten Folkvertreterin ihrer Generation gehört. Wer sich fragt, was Aimee Mann eigentlich macht, sollte unbedingt „Semper Femina“ antesten. Das wunderschöne „Wildfire“ klingt wie eine Mischung aus Mann, Chrissie Hynde und Lou Reed(!). Coole und herrlich entspannte Nummer.

 

„The Valley“ lebt von feinem Fingerpicking, dem langsamen und fast schon meditativen Gesang und einem Himmel voller Geigen. Der Bass von „Soothing“ dürfte McCartney gefallen, spielt er diesen doch auf eine ähnliche Art und Weise. Der Gesang ist feenhaft und entrückt, wodurch das Stück eine besondere Intensität erhält. Auch die elektrische Gitarre hat einen besonderen Platz auf diesem Album. Dabei stehen aber keine Akkorde im Mittelpunkt, nachzuhören bei „Don´t Pass Me By“. Das verträumte „Always This Way“ und das Kleinod „Wild Once“ umschmeicheln und verzaubern den Zuhörer. Hier wird einem auch noch mal bewusst, dass Laura Marling eine wikrlich schöne Stimme hat, die sie geschickt einzusetzen versteht. Das gilt auch für „Next Time“. Wenn man etwas bemängeln möchte, dann ist es an dieser Stelle die mangelnde Abwechslung, denn letztlich gibt es – gerade was das Tempo betrifft – nur wenige Variationen. Das trifft auch auf „Nouel“ zu. Dafür ist dies aber wiederum ein sehr schöner Folksong. Zum Schluss wird es mit „Nothing, Not Nearly“ noch mal etwas krachiger.

 

Fazit: Mit „Semper Femina“ findet Laura Marling zurück zu ihren Folkwurzeln. Verleugnet hat sie diese zwar nie, aber auf diesem Album sind diese unglaublich präsent. Die Atmosphäre ist somit nicht mehr so unterkühlt und eine neue Wärme hält Einzug in die sehr reduzierten Sounds. Laura Marling musste sich also erst maskuliner fühlen um dahin zurück zu finden. Interessanter Ansatz. Die Britin, die in Los Angeles eine Heimat gefunden hat, zeigt auf diesem Album mal wieder, dass sie zu den wichtigsten Vertreterinnen ihrer Zunft gehört.

 

https://live.lauramarling.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Laura Marling: Once I Was An Eagle

Laura Marling: Once I Was An Eagle

Virgin/Universal

VÖ: 24.05.2013

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Laura Marling hat im Grunde alles an Talent in die Wiege gelegt bekommen. Zudem verdient sich der Vater seinen Lebensunterhalt als Musiklehrer und betreibt so ganz nebenbei auch noch ein Tonstudio. Schon seit frühster Kindheit wird sie mit Musik beschallt, die allerdings recht wenig mit aktuellen Strömungen zu tun hat. Da Hampshire aber nicht gerade als der Musiknabel der Welt bekannt ist, zog sie nach London. Da war sie gerade 16 Jahre jung. Irgendwann fand sie sich in der Weltstadt im Dachgeschoss eines Reihenhauses wieder und musste mit beengten Verhältnissen klarkommen. Abgesehen davon, war die Bude insgesamt sehr abgewrackt. In derartigen Umgebungen sind ja schon so manche Meisterwerke entstanden.

 

„Once I Was An Eagle“ ist wohl zu einem großen Teil auf dem Flachdach des Hauses entstanden. Zumindest wenn es mal gerade nicht geregnet hat. Der Blick auf diese Metropole und die Freiheit dort oben tun und lassen zu können, was man will, hat Laura Marling ganz neue Möglichkeiten eröffnet. „Once I Was An Eagle“ klingt seltsamerweise überhaupt nicht so. Die junge Songschreiberin ist ja ständig von der Hektik der Stadt umgeben, umso erstaunlicher ist es, dass diese sechzehn Songs so herrlich entschlackt sind. Wie Urlaub vom Alltag. Entschleunigung ist eines der Schlagwörter für die Platte.

 

Im Zentrum der Songs steht die Akustikgitarre und der Gesang. Hin und wieder wird die Szenerie auch mal von einem Keyboard durchbrochen („Where Can I Go?“), aber dies trägt eigentlich nur zur Unterstützung der beiden tragenden Säulen bei. Laura Marling ist sicher keine herausragende Sängerin, die mit ihrem Stimmvolumen glänzen kann. Sie hat eigentlich nicht mal eine ausdrucksstarke Stimme und doch hört man ihr und ihren Geschichten gerne zu. Ein bisschen wie bei Joni Mitchell. Laura Marling beherrscht die hohe Kunst des Singer/Songwritertums wie keine andere ihrer Altersgenossinnen.

 

„Once I Was An Eagle“ ist ein Folkalbum klassischer Prägung. Das düstere „When Were You Happy?“ folgt gar dem Erzählschema der alten Helden. In jeglicher Hinsicht. Es ist schon erstaunlich, dass ein Song wie „Take The Night Off“ mit derart wenig Musik auskommt und dabei doch so musikalisch und faszinierend ist. Überhaupt scheinen die Songs durch Raum und Zeit zu schweben. „I Was An Eagle“ nimmt sogar noch ein bisschen eine orientalische Note auf. Das mag alles im Folk zu verorten sein und doch ist ein Track wie „You Know“ mit seinem spröden Charme selbst The Velvet Underground nicht unähnlich. Nörgler werden sicher mokieren, dass sich das alles zu sehr ähnelt. Stimmt aber nicht. „Master Hunter“ rockt auf seine Art sogar. Geduld, Ruhe und Zeit sollte man natürlich mitbringen, denn sonst ist man hoffnungslos verloren. „Devil´s Resting Place“ oder „Undine“ wollen erarbeitet, gar erobert werden. Die Songs springen einen nicht direkt an, nein, sie laufen eher vor einem weg. Nach „Saved These Words“ kann man nur bestätigen, was es im Promotext zu lesen gibt: Und Hitkandidaten fürs Radio, die sucht man vergebens.

 

Fazit: „Once I Was An Eagle“ von Laura Marling ist ein sprödes Folkalbum mit Sogwirkung. Derartige Platten werden heute eigentlich gar nicht mehr gemacht. Kein Hit, kein schneller Konsum. Man muss sich auf die Songs einlassen, dann kann man darin versinken. Dies mag ein langes Album sein, aber Längen hat es nicht. Laura Marling und ihre Songs sind ganz bezaubernd. Wie aus einer anderen Welt!

 

http://www.lauramarling.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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