Lara Fabian: Camouflage

Lara Fabian: Camouflage

Sony

VÖ: 06.10.2017

 

Wertung: 4/12

 

Lara Fabian ist ein Superstar! Ja, so habe ich auch geguckt. Mit dem Namen konnte hier nämlich so gar nichts angefangen werden. Die Dame hat aber anscheinend schon weit mehr als 20 Millionen Tonträger verkauft. Sie fährt zudem zweigleisig und veröffentlicht sowohl französische Alben, wie auch englischsprachige. Da war doch mal was! Genau, eine Kanadierin handhabt das ja ähnlich. Die Rede ist natürlich von Frau Dion. Lara Fabian veröffentlicht mit „Camouflage“ nun ihr drittes englischsprachiges Album. Geschrieben und arrangiert hat sie ihre neuen Songs mit dem Schweden Moh Danebi und der Amerikanerin Sharon Vaughn in Stockholm, Los Angeles und Brüssel.

 

Vermutlich wird auch von „Camouflage“ wieder eine beachtliche Menge Tonträger – oder meinetwegen auch auf digitalem Weg – verkauft werden. Lara Fabian macht also alles richtig? Wenn man es auf Erfolg abgezielt hat, dann ist das sicher so. Aber kann man es sich wirklich so einfach machen? Dazu mal ein Zitat aus dem beigefügten Waschzettel – der natürlich hochwertig daherkommt und nicht auf schnödem Billigpapier gedruckt wurde: „Camouflage“ verbindet Laras einmalige Stimme mit einer Electro-Pop Produktion, die durch klassische Orchestration untermauert einen modernen und zugleich zeitlosen Sound vereint. So kann man seelenlose Musik, die einzig und alleine auf den Erfolg mit einem zeitgemäßen Sound abzielt, natürlich auch umschreiben. Nachhaltigkeit? Fehlanzeige! Da braucht sich auch keiner um den Zustand der Musikindustrie mehr wundern. Einheitsbrei, gleichgeschaltet und tut keinem weh – so sieht es doch mittlerweile aus. „Camouflage“ ist ein Paradebeispiel dafür!

 

Die trippigen Sounds bei „We Are The Storm“ sind nicht modern, sondern entpuppen sich auf diese Art und Weise als reines Mittel zum Zweck. Ein Wegwerfprodukt ohne künstlerischen Anspruch. Getragene, schwelgerische und langsame Balladen gibt es natürlich auch! Reichlich sogar. Bei „Perfect“ trieft der Schmalz und Kitsch aus den Boxen. Und ja, die Nähe zu einer Celiné Dion ist unverkennbar. Allerdings kann Frau Dion stimmlich wenigstens punkten. „I´m Breakable“ nervt nämlich gerade aus gesanglicher Sicht ungemein.

 

„Communify“ wurde dann auch noch mit der Brechstange auf tanzbar getrimmt. Was soll das sein? Die David Guetta-Schule? Herrje, ist das traurig. Das war aber bei „Growing Wings“ absehbar. Was da als Bassmotiv hineingezaubert wurde, ist ja nun wirklich nervig. „If I Let You Love Me“ schreit zudem förmlich nach dem Mainstreamformatradio. Das ist alles kalkuliert und die Zeichen stehen auf Erfolg. „Choose What You Love Most Kill (Let It Kill You)“ weicht von diesem Weg zwar nicht ab, zeigt aber, dass es mit feinfühliger Instrumentierung durchaus auch anders möglich wäre.

 

Fazit: Lara Fabian und ihre Sound- und Songschreiber im Hintergrund haben ganze Arbeit geleistet. „Camouflage“ ist ein Beispiel für Popmusik, die vollkommen auf den Erfolg getrimmt wurde, aber das Wichtigste für Musik vergessen hat: Seele! Wegwerfpop, der vielleicht erfolgreich, aber auch schnell wieder vergessen sein wird. „Camouflage“ ist eine austauschbare Hülle und sonst nichts!

 

https://www.larafabian.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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