Laith Al-Deen: Der Letzte Deiner Art

Laith Al-Deen: Der Letzte Deiner Art
Sony

VÖ: 06.05.2011

 

Wertung: 8/12


In der deutschen Poplandschaft hat Laith Al-Deen eine Sonderstellung. Es hat sogar etwas gedauert, bis er sich dieser Tatsache bewusst war. Man sollte wohl besser WIEDER bewusst sagen. Nach seiner Werkschau musste er sich erst neu sammeln. Eine Zäsur stand an und die Frage, was überhaupt das „Laith-Ding" war und ist, galt es zu beantworten. Ein Album mit Coversongs war dann sicher auch dazu da, die Birne wieder frei zu bekommen. Nun steht sein neues Album „Der Letzte Deiner Art" in den Läden und alles ist wie immer.


Wie immer und das wird nun fast entschuldigend betont. Muss der gute Laith aber gar nicht! Er hat seinen Stil längst gefunden und warum soll man sich für etwas entschuldigen, wenn man es gut kann? Eben! Es wäre ja eher seltsam, wenn er nun eine komplett andere musikalische Richtung einschlagen würde. Natürlich ist auch sein neues Album wieder der totale Mainstreampop. Man darf es auch gerne Erwachsenen-Pop nennen. Warum? Weil seine Songs nicht unbedingt die Teenagerfraktion ansprechen.


Laith Al-Deen schafft das Kunststück, dass man nicht schreiend wegläuft, wenn seine Songs im Radio gespielt werden. Das ist bei anderen Künstlern ähnlichen Formats ganz anders. Unbestritten hat er eine Stimme, die einen als Zuhörer mit Watte einpackt. Man lässt sich gerne einpacken. Seine Texte wollen nicht belehren, nicht missionieren und seine transportierten Inhalte sind nicht dumm. Er reflektiert zumeist geschickt die großen Irrungen und Wirrungen der Liebe. Das ist nicht so einfach, denn die deutsche Sprache macht ihn natürlich auch angreifbarer. Hier gibt es keinen doppelten Boden, jedes Wort kann auf die Goldwaage gelegt werden und kommt zu Einhundert Prozent beim Hörer an. Laith Al-Deen umschifft jede Peinlichkeitsklippe gekonnt. Das ist alles keine Bestandsaufnahme mehr, denn wir befinden uns mittendrin in „Der Letzte Deiner Art". Vielleicht ist Al-Deen sogar der Letzte seiner Art! Wo sich seine Kollegen entweder in der Blödelecke wiederfinden oder gestenreich den vermeintlich bedeutungsschweren Worten Ausdruck verleihen wollen, schafft er es auch wieder mit diesem Album gute Popsongs mit gehaltvollen Texten zu präsentieren.


Fans sollte dieses Album gefallen. Es dürften sogar noch ein paar Anhänger dazu kommen. Diese Art von Popmusik ist zudem rar gesät, gar zeitlos. Die Stimme, die er vom lieben Gott mitbekommen hat, ist derart angenehm, dass selbst seine Kritiker nichts daran auszusetzen haben dürften. Die Albumeröffnung „Gib Dich Frei" kommt gar eine klitzekleine Spur schneller wie erwartet daher. Diese unterschwellige Melancholie, die man von Al-Deen kennt, ist auch hier allgegenwärtig. Exemplarisch für seine Texte kann man „Lied Für Die Welt" nennen. Man will gar nicht wissen, was Kollegen daraus gemacht hätten. Laith Al-Deen ist nicht der Weltretter und auch nicht der Weltverbesserer, letztlich ist das nicht mehr als ein Lied mit einer tollen Melodie und damit tausend Mal besser wie aller missionarischer Eifer. Die langsamen und sehr nachdenklichen Momente hat der Mann einfach drauf wie kein Zweiter. „Sterne" ist da nur ein weiteres Paradebeispiel. Dass er mit sich im Reinen ist, stellt er unmissverständlich mit der netten Popnummer „Wieder Tun" klar. Gut so!


Unter dem Pop schimmert auch immer eine Prise Singer/Songwriter durch. „Nur Einen Meter" ist in dieser Hinsicht fast in der Manier eines typischen Geschichtenerzählers instrumentiert. Der schönste Track des Album geht mit Akustikgitarre ganz und gar in diese Richtung. Insofern ist der sehnsuchtsvolle Song „Sie Träumt" auch gleichzeitig der Albumschluss und Höhepunkt!

 

Fazit: Wer mit der Musik von Laith Al-Deen nichts anfangen kann, wird auch mit „Der Letzte Deiner Art" nichts anfangen können. Es wird andersrum aber auch ein Schuh draus, denn alle anderen werden dieses Album wieder lieben. Diese feinen Popsongs untermauern die Ausnahmestellung, die der Mann im deutschsprachigen Raum inne hat. Dafür gebührt ihm abermals Respekt und Anerkennung - auch von den kritischen Zeitgenossen. Das können nicht viele deutschsprachigen Künstler von sich behaupten!


www.laith-music.de


Text: Torsten Schlimbach

 

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