King Calaway: Rivers

King Calaway: Rivers

BMG

VÖ: 29.11.2019

 

Wertung: 6/12

 

King Calaway werden in den USA als neue Stars des Country gehandelt. Da fragt man sich allerdings schon, wer die sechs Herren in dieses Genre einsortiert. Haben diese Leute überhaupt jemals eine Country-Platte gehört? King Calaway hat mit Country nämlich ungefähr so viel zu tun, wie der 1.FC Köln mit der Vergabe des nächsten Champions League Titels. Nämlich nichts! Die fünf Track EP, die zu Beginn des Jahres veröffentlicht wurde, war recht erfolgreich und somit kommt nun folgerichtig das Debüt in den Handel. Die fünf Titel der EP sind auf „Rivers“, so der Titel des Erstlingswerks, wieder dabei. Sieben neue Tracks vervollständigen das Album schließlich.

 

King Calaway könnten eine neue Boyband sein. Die Musik mag größtenteils handgemacht sein, aber die Art des mehrstimmigen Gesangs erinnert sehr stark an die Boybands. Die glatte Produktion lässt keine Ecken und Kanten zu, ist dadurch aber auch mit einer Klarheit durchzogen, die jeden Ton sehr deutlich herausarbeitet. Das muss man aber auch mögen. Das ist nämlich auch derart glatt, dass es unschön wird.

 

King Calaway sind letztlich durch und durch ein Pop-Act. Jedenfalls auf Albumlänge. Der Balladenanteil ist auch extrem groß. „Missing You“ wird einsame Herzen und Damen mit Liebeskummer sicher ganz schnell einfangen. King Calaway haben aber auch das Zeug um eine jüngere Zielgruppe abzuholen. „No Matter What“ verbreitet sicher in dem einen oder anderen Jugendzimmer gute Laune – und das kann man als Eltern von Pubertierenden ja nur für gut befinden. Mit „More Than I Do“ folgt dann gleich die erste Ballade. Die Stimmen der sechs harmonieren prächtig miteinander. „Rivers“ ist ein lupenreiner Poptrack, der sich wunderbar in die Radiolandschaft des Jahres 2019 einreiht.

 

„Obvious“ groovt ganz nett, lebt im Grunde aber erneut von dem wunderbaren Harmoniegesang im Refrain. Die Jackson 5 sind da bestimmt näher als Johnny Cash. „Driver´s Seat“ hat dann auch noch diese unschönen Ohohoh-Chöre zu bieten. „Grow Old“ könnte man übrigens mit sehr viel Wohlwollen dem Country oder Folk zuordnen. Die Ballade „I Do“ könnte man sich auch von All-4-One vorstellen, jenen Gesangsakrobaten von „I Swear“. „Worlds For Two“ geht in eine ähnliche Richtung. Singen können die Herren, keine Frage. „Love The One You Are With“ ist so locker und leicht, wie es einst der fröhliche Pop der Hansons war. Klar, dass mit „I Did“ eine gefühlvolle Ballade, die ganz von den Stimmen lebt, das Album beendet.

 

Fazit: Wer auch immer King Calaway unter Country einsortieren möchte, hat vermutlich noch nie richtigen Country gehört. „Rivers“ ist Popmusik, die von großartigen Sängern getragen wird. Die Musik ist leider furchtbar glatt. Passt ja in die heutige Zeit. Kunst soll offensichtlich nur noch berieseln und den – in diesem Fall – Zuhörer nicht mehr fordern. So seichtes Zeug hat es schon immer gegeben, klar, nur ist das jetzt auch noch alles austauschbar. Es ist alles so egal. Das war mal anders, denn in schwierigen politischen Zeiten gab es immer überragende Musikkunst. Das Jahr 2019 hat da so gut wie nichts zu bieten. King Calaway klingen wie der Reißbrettentwurf eines findigen Managers. Letztlich tut die Musik keinem weh, brauchen tut man die aber auch nicht.

 

Text: Torsten Schlimbach

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