Kind Kaputt: Zerfall

Kind Kaputt: Zerfall

Uncel M Music/Cargo Records

VÖ: 22.03.2019

 

Wertung: 9/12

 

Fühlt man sich als junger Mensch heute weniger angekommen als noch vor einigen Jahren und Jahrzehnten? Ist das nicht sowieso eines der großen Themen der Heranwachsenden? Das Hin- und Hergerissen und Getriebensein hat so ziemlich jede Generation erlebt. Desillusionierung und Zerfall breiten sich aus. Was zählt da eigentlich noch? Das fragt sich auch die Band Kind Kaputt auf ihrem Debütalbum „Zerfall“. Hierbei handelt es sich übrigens um ein Konzeptalbum.

 

Die Texte sind dabei durchdrungen von Wut und einer Ratlosigkeit. Das ganze Konzept erinnert dabei eher an die Literatur. Musikalisch ist das düster und unbehaglich. Text und Musik ergeben eine perfekte Symbiose. Das sich langsam dahinschleppende „Aufgelöst/Vorwort“ erinnert dabei an Casper – auch der Scream Part. Das ist übrigens oft alles sehr melodisch angelegt. Die Musik pendelt dabei zwischen Post-Hardcore und Emo. „Besteck“ hat trotz dieser dunklen Atmosphäre sogar Ohrwurmqualitäten. „Morgen Morgen“ und „Schwertschlucken“ nehmen auch etwas die Wut raus und klingen dafür aber umso verzweifelter.

 

„Geisel“ ist voller Schwermut. Ein bisschen erinnert das an Marilyn Manson. „Unterholz“ lässt abermals an Casper und sein letztes Album denken. Fjørt und Van Holzen sind da allerdings auch nicht weit entfernt. „Schuld“ ist von der Thematik eher resignierend, die Schuld ist eben auf alle Schultern verteilt - aber ein bisschen geht hier musikalisch auch die Sonne auf. Die Schwere weicht und eine gewisse Leichtigkeit hält Einzug. „Eingeständnis“ ist das letzte Aufbäumen bevor man die Situation annehmen und akzeptieren muss! „Akzeptieren/Nachwort“ ist darum der perfekte Abschluss für „Zerfall“.

 

Fazit: „Zerfall“ ist ein mitreißendes Album, welches von einer besonderen Stimmung lebt, aber auch beim Zuhörer eine solche erzeugt. Die Irrungen und Wirrungen werden musikalisch kongenial umgesetzt. Post-Hardcore und Emo sind die Spielwiese dazu. Schön, dass es noch junge Menschen gibt, die nicht nur belanglose Musik aufnehmen! Ein beachtliches Debüt!

 

https://kindkaputt.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch