Kid Cudi: Passion, Pain & Demon Slayin'

Kid Cudi: Passion, Pain & Demon Slayin'

Republic

VÖ: 15.12.2016

 

Wertung: 7,5/12

 

An Kid Cudi scheiden sich die Geister. Fans der ersten Stunde dürften sich allerdings ein Loch in den Bauch freuen, denn „Passion, Pain & Demon Slayin´“ knüpft durchaus an die Anfänge an – ohne eine Kopie zu sein. Kanye West hat Cudi stets protegiert – dies nicht ohne Grund. Die letzten beiden Werke waren allerdings etwas ziel- und planlos, umso erfreulicher, dass der Mann wieder in die Spur zurückgefunden hat. Das Album umfasst übrigens 19 Tracks, die episch angelegt und in vier Akte unterteilt sind.

 

Kid Cudi hat bei „Passion, Pain & Demon Slayin´“ darauf geachtet, dass dies in seiner Gesamtheit Sinn ergibt und einer Struktur folgt. Dies gilt für den Erzählstil, aber auch für den musikalischen Unterbau. Grenzen und Schubladen gibt es wieder keine. R&B, Soul, HipHop oder alternative Klänge werden wieder bunt durcheinandergewürfelt. Für diesen Stil hat man sich ja schon jede Menge Fantasienamen wie Cloud Rap oder Mumble Rap ausgedacht. Braucht man ja nicht wirklich. Mit Rap hat das ja nun auch nur am Rande zu tun. Das ist auch keine Ansammlung von Bangern. „Baptized In Fire“ geht noch als solcher durch. „Surfin´“ mit Pharrell Williams passt noch am ehesten in diese Kategorie.

 

Das Album fängt allerdings düster, fast depressiv an. Von „Frequency“ und „Swim In The Light“ geht eine bedrohliche und faszinierende Atmosphäre aus. Mit „Dance 4 Eternity“ findet sich sogar ein veritabler Hit auf „Passion, Pain & Demon Slayin'“ wieder. Das dürfte auch im Radio funktionieren. „Releaser“ ist ebenfalls großartig und schält sich langsam aus seinem Kokon und wird zu einem schönen Schmetterling. Der – fast schon – gehauchte Gesang verleiht der Nummer etwas Sakrales.

 

„By Design“ geht mehr nach vorne und verbreitet ein karibisches Flair. „All In“ zeigt, dass der Mann durchaus ein mehr als passabler Sänger ist. TripHop-Beats untermalen den Refrain, während die Strophen stark reduziert wurden und sehr perkussiv daherkommen. „Illusions“ schwebt dahin. Es ist eben kein Hitalbum. Oder anders gesagt: keine Ansammlung an Hits. Man muss sich auf die Atmosphäre und den Flow einlassen können. Es ist teilweise sogar ein Werk um runterzukommen.

 

Fazit: „Passion, Pain & Demon Slayin'“ ist dunkel, kryptisch und experimentell. Mehr Gesang, weniger Rap. Kid Cudi hat ein Faible für Überlange. So mancher Track hätte ein kürzeres Outro vertragen und auch 19 Tracks sind einfach etwas zu viel. Der sphärische Auftakt ist aber ganz groß. Hits sucht man mit der Lupe, aber das ist letztlich auch gut so. Das Werk hat andere Qualitäten. Hier hat man es mit einem Album mit Anfang, Mittelteil und Ende zu tun. Ist ja in Zeiten der Streamingplattformen eine Seltenheit geworden.

 

http://www.kidcudi.com/news/let-us-pray-828.html

 

Text: Torsten Schlimbach

Kid Cudi: Indicud

Kid Cudi: Indicud

Universal

VÖ: 19.04.2013

 

Wertung: 10,5/12

Tipp!

 

Was es nicht alles für Preise, Titel und Auszeichnungen gibt. Kid Cudi wurde jedenfalls auf Platz #1 der „50 Most Stylish Men In L.A. Right Now“ gewählt. Sachen gibt es. Das sagt aber auch viel über den Mann und sein Selbstverständnis aus. Nicht wenige Menschen sehen in ihm aber schlicht und ergreifend einen Erneuerer des Hip-Hop. Mixtapes hat Kid Cudi ja schon so einige gemacht, jetzt folgt mit „Indicud“ auch endlich sein drittes Studioalbum und ja, da dürfen einige mal wieder Bauklötze staunen. Kid Cudi zeigt allen mal kurz wo der Hammer hängt.

 

Und der hängt in der Düsternis. „Indicud“ ist nämlich vom ersten bis zum letzten Ton eine sehr düstere Angelegenheit. Kid Cudi schafft eine Atmosphäre, die ein Gefühl von Beklemmung auslöst. Gleichzeitig übt die Platte eine Faszination aus, der man sich kaum entziehen kann. Will man aber auch nicht, denn „Indicud“ setzt mal wieder Maßstäbe. Kid Cudi vergleicht die Platte ja schon mit Dr. Dre. „Das Album wird meine Version von Dre's 2001 sein.“ Hat er eigentlich nicht nötig, denn dieses Werk steht für sich alleine und wird irgendwann selbst als Genre-Klassiker genannt werden. Mindestens!

 

Die Apokalypse scheint nicht fern zu sein. „The Resurrection Of Scott Mescudi“ kündigt selbige jedenfalls schon mal an. Und mit „Unfuckwittable“ wird es dann zur Gewissheit: Kid Cudi kann auch Trent Reznor und seinen Nine Inch Nails das Wasser reichen – nur in lässig. Nach diesem Hammerauftakt fragt man sich schon, was da noch kommen kann? Nun, Kid Cudi mischt mal wieder alles ganz bunt durch den Gemüsegarten. Ein schöner Crossover ist das. Die große Kunst besteht hier darin, die Platte eben nicht zu überladen. „Just What I Am“ reitet auf einem Sound und Beat die Welle, während „Young Lady“ noch ein bisschen im Alternativrock wildert. So ein paar Trip-Hop Elemente dürfen es aber auch mal sein. Und immer dann, wenn er die vermeintlich ruhigen Töne anschlägt, dann wird es aber erst so richtig schön teuflisch. Der „King Wizard“ sagt wo es langgeht. Direkt in die Hölle? Oder ist es nicht doch das Paradies? „Solo Dolo Part II“ ist auch so ein Track, der süchtig macht.

 

Hits sucht man fast vergeblich. „Red Eye“ kommt dem aber auch schon sehr nahe und ist fast schon poppig ausgefallen. Kein Wunder, Haim sorgen schließlich dafür, dass der Song diese besondere Note bekommt. Der Ausbruch des Frohsinns ist aber schnell wieder zu den Akten gelegt. „Mad Solar“ reitet auf zwei Tönen und dezenten Beats und Klackern daher. Die Stimme ist dabei derart weit in den Vordergrund gemischt, dass man meint Kid Cudi steht direkt vor einem. Die Langsamkeit verleiht dem Stück gar eine mystische Note. „Beez“ hat den Wu-Vorstand RZA dabei und ist ein ziemliches Brett. Old School? New School? Cool School! „Burn Baby Burn“ und „Lord Of The Sad And Lonely“ zählen sogar zum Besten, was Kid Cudi bisher gemacht hat. Und da befindet man sich – wohlgemerkt – schon auf der Zielgeraden. „Cold Blooded“ ist noch mal so ein Ding mit Hitqualitäten. Und was soll man nur zu dem epischen Brocken „Afterwards (Bring Yo Friends)“ sagen? Neun Minuten ein Ritt auf der Rasierklinge tun keinem gut, darum geht es auch zum Schluss bei „The Flight Of The Moon Man“ auf direktem Weg zum Teufel.

 

Fazit: Vergesst alles, was dieses Jahr ansatzweise mit Hip-Hop zu tun hat. Der Mann der Stunde ist erneut Kid Cudi. Mit „Indicud“ präsentiert er sich abermals als kleines Genie, Vordenker und Erneuerer. Andere mögen mit den Worten schneller sein, aber kaum einer schafft es über ein komplettes Album eine so dichte Atmosphäre aufzubauen. Abgesehen davon hat er auch keine Angst mehrere Blicke über den Tellerrand zu werfen. Kid Cudi ist definitiv einer der besten Dinge, die dem Hip-Hop passieren konnten – mal wieder und immer noch!

 

http://www.kidcudi.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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